Der heilige Johann Fleischmann (Sarkander), Pfarrer und Märtyrer von Holleschau, Schlesien, + 17.3.1620 - Fest: 17. März

 

Böhmen rühmt sich eines großen Märtyrers des Beichtgeheimnisses, des heiligen Domherrn Johannes Nepomuk. Das benachbarte Mähren weist noch einen anderen Priester auf, einen zweiten Johannes und würdigen Nachahmer des sittenstrengen und wahrheitsliebenden Johannes Baptista, Johann Fleischmann, der mit Recht vom Volk mit dem Ehrentitel eines Märtyrers des Beichtgeheimnisses ausgezeichnet worden ist. Es war die trübe Zeit der Religionswirren in Deutschland. Böhmen, das Ursprungsland des Dreißigjährigen Krieges, war schon früher ein fruchtbarer Herd des Sektenwesens. Die Hussiten, vom Konzil zu Konstanz 1414 als Irrlehrer verurteilt, gelten als die Vorläufer der großen Glaubensspaltung in Deutschland. Die aus hussitischen Anschauungen hervorgegangenen „Böhmischen Brüder“ standen mit den Anhängern Luthers über ihre Lehre in Verhandlung. Kamen sie auch hierin zu keiner Vereinigung, so standen sie doch im blutigen Krieg im selben Lager, bis die Schlacht am Weißen Berg bei Prag, am 8. November 1620, gegen sie entschied. Eben diese Unruhen und Kämpfe waren es, unter denen der Pfarrer von Holleschau, Johann Fleischmann, gelitten und schließlich sein Leben für die Wahrheit des katholischen Glaubens und die Heilighaltung seiner Einrichtungen hingegeben hat.

 

Zumeist erscheint der heilige Blutzeuge unter dem griechischen Namen Sarkander, was nur die wörtliche Übersetzung des gutdeutschen Namens Fleischmann ist. Die Gelehrten jener für das klassische Altertum schwärmenden Zeit gefielen sich gerne darin, sich auch in der Sprache der hochgebildeten Griechen nennen zu lassen. Zu den Gelehrten durfte sich aber Fleischmann mit Fug rechnen, war er doch Doktor der Philosophie und der Theologie.

 

Geboren 1576 in Skotschau in Österreichisch-Schlesien, hatte er nach dem frühzeitigen Verlust seines Vaters eine gute und fromme Erzieherin an seiner Mutter, ein doppelt schätzenswertes Glück in jener Zeit, die für den Glauben der Jugend so gefährlich war. Nach guter geistiger Ausbildung in Freiberg und dann in Ölmütz und Prag, wo er 1603 Magister der Philosophie wurde, studierte Fleischmann vier Jahre Theologie in Graz in Steiermark. Als Priester und Doktor der hehren Gotteswissenschaft und mit Liebe und Begeisterung für die heilige Kirche kam er nach Mähren zurück. Nachdem er an mehreren Orten der Ölmützer Diözese in der Seelsorge sich betätigt hatte, wurde er 1613 zu Boskowitz und 1616 zu Holleschau in Mähren Pfarrer.

 

Mit dieser Pfarrei hatte der glaubenstreue, eifrige Priester eine schwere Aufgabe übernommen. Seit dem 15. Jahrhundert war in Holleschau und Umgebung das Sektenwesen der Hussiten und Böhmischen Brüder sehr verbreitet gewesen. Zuletzt waren die Katholiken ganz aus Kirche und Schule verdrängt worden. Als aber der streng katholische Popel von Lobkowitz die Herrschaft Holleschau erworben hatte, gab er 1614 die Pfarrkirche den Katholiken wieder zurück und machte aus dem Brüderhaus ein Jesuitenkollegium. Unter solchen Verhältnissen, die den Unmut der zurückgedrängten Häretiker nur noch mehr erregten, begann der neue Pfarrer sein Seelsorgeamt, das auf Bekehrung und Wiederzurückführung der Verirrten eingestellt sein musste. Da war größte Klugheit, Ausdauer und aufopferungsvolle Liebe zu den Seelen unerlässliches Erfordernis eines guten Hirten. Mit Hilfe der Väter der Gesellschaft Jesu führte Sarkander allmählich zweihundertfünfzig Personen wieder zur wahren Kirche zurück. Aber auf Seite der Gegner stieg der Hass. Besonders erbitterte sich der benachbarte irrgläubige Gutsbesitzer Bitowski von Bystritz, nicht zum geringsten aus Beweggründen, die mit der Frage über die Wahrheit des Glaubens wenig verwandt waren.

 

Im Jahr 1619 kam es zu dem bekannten böhmischen Aufstand, der die Einleitung war zu der schlimmsten Heimsuchung, die unser Vaterland je getroffen hat. Auch in Mähren rissen damals die Protestanten alle Gewalt an sich. In Ölmütz hatten schon die Abgeordneten der nichtkatholischen Stände, unter ihnen der feindselige Bitowski, mit den katholischen Einrichtungen aufgeräumt. Da musste der für das katholische Glaubensleben seiner Pfarrkinder so eifernde Pfarrer Fleischmann sich des Schlimmsten versehen. Auf Zureden seiner Freunde ließ er sich bewegen, Holleschau zeitweilig zu verlassen und in Czenstochau, dem berühmten polnischen Mutter-Gottes-Wallfahrtsort, Zuflucht und Stärke für fernere Kämpfe zu suchen. Nach weiterem Aufenthalt in Krakau kehrte er Ende 1619 wieder in seine Pfarre zurück. Anfang Februar 1620 kamen polnische Hilfstruppen durch Mähren und zogen nach Niederösterreich, unterwegs die Besitzungen der Protestanten brandschatzend, wie es die damalige Kriegssitte mit sich brachte. Als sie nach Holleschau kamen, ging ihnen der Pfarrer mit dem Allerheiligsten in der Monstranz, an der Spitze seiner Gemeinde, entgegen. Die katholischen Polen warfen sich auf die Knie nieder, empfingen ehrfurchtsvoll den Segen und verließen Holleschau als einen katholischen Ort in friedlicher Weise. Das nahmen nun die Feinde Fleischmanns, besonders Bitowski, als Anlass, den Verdacht und das Gerücht auszustreuen, der Pfarrer sei im Einverständnis mit seinem Gutsherrn Lobkowitz nach Krakau gegangen und habe die Polen ins Land gerufen. Von Olmütz aus ergingen Haftbefehle, denen sich Fleischmann durch die Flucht auf die Burg Tovakof entziehen konnteDoch wurde er später in einem Wald bei Olmütz ergriffen. Eine schmähliche, überaus grausame Behandlung begann, aus der er als siegreicher Märtyrer hervorgehen sollte.

 

Johannes Fleischmann wurde als Landesverräter angeklagt. Die Kommission, die die Untersuchung gegen ihn zu führen hatte, bestand fast ganz aus Irrgläubigen. Man wollte in den strengen Verhören erkunden, wer die Polen gerufen habe, die König Sigismund dem Kaiser zu Hilfe sandte, mit denen also der schlichte Diener Gottes nicht das Geringste zu tun hatte, ferner was Fürst Lobkowitz, als dessen Beichtvater er alle Geheimnisse kennen müsse, ihm anvertraut habe. Auch das wurde dem verhassten, treukatholischen Priester zum Verbrechen angerechnet, dass er seinen Pfarrkindern die heilige Kommunion nur unter einer Gestalt gereicht habe. Die Kommunion unter beiden Gestalten war ja auch eine der irrlehrerischen Forderungen. Der Heilige konnte natürlich in den viermaligen Verhören nichts aussagen. Man spannte ihn bis zum äußersten Grad auf die Folter. Am 17. Februar wurde er zwei Stunden hindurch mit Fackeln gebrannt und am folgenden Tag während einer dreistündigen Folterung abermals in dieser Weise aufs grässlichste gepeinigt. Unerschütterlich bewahrte der heldenhafte Dulder das Beichtsiegel; er betete nur und rief die heiligen Namen Jesus und Maria und die heilige Mutter Anna an. Schließlich bewarf man seinen Leib mit Federn, die in eine Mischung von Pech, Schwefel und Öl getaucht waren und dann in Brand gesetzt wurden. Knochen und Eingeweide wurden sichtbar. Entsetzliches litt der Heilige, betete aber noch getreu das Brevier, das tägliche Pflichtgebet. Da er die Blätter nicht mehr mit den verwundeten Händen umwenden konnte, tat er es mit der Zunge. Noch einen Monat lang litt der heilige Märtyrer an den Folgen der Tortur und den grässlichen Brandwunden, bis endlich am 17. März 1620 seine reine Seele dem zermarterten Leib entschwebte. Im Kerker liegend, hatte der standhafte Held sich selbst zum Aufstieg zur himmlischen Freiheit ermuntert mit dem Wort des 114. Psalms: „Kehre heim, meine Seele, in deine Ruhe; denn Gutes hat der Herr an dir getan. Er hat errettet meine Seele vom Tod, meine Augen von Tränen, meine Füße vom Fall.“ Der Diener des Herrn zählte erst dreiundvierzig Jahre seiner irdischen Vollendung.

 

Das Volk begann sofort Johannes als Märtyrer des Beichtsiegels zu verehren und drang auch auf den Seligsprechungsprozess. Dieser konnte jedoch erst unter Benedikt XIV. eingeleitet und unter Pius IX., am 6. Mai 1860, zu Ende geführt werden. Sarkanders Reliquien ruhen auf dem ihm geweihten Nebenaltar im Dom zu Olmütz. Die Marterstätte ziert eine Kapelle in der auch die Folter aufbewahrt wird, durch die sich der Heilige die Krone errang. Papst Johannes Paul II. hat am 5. April 1993 den Märtyrer Johann Fleischmann heiliggesprochen.

 

Gläubige Auffassung und getreue Erfüllung seines Berufes lässt den Christen auch in allen Widrigkeiten ruhig der Ewigkeit entgegenschauen. Nur das Urteil des ewigen Richters gibt der Schlussprüfung unseres Lebens die entscheidende Note.