Die heiligen japanischen Martyrer - Fest: 5. Februar

 

Heute soll das Gedächtnis der heiligen japanischen Martyrer nachgeholt werden. Um das Jahr 1550 landete der heilige Franziskus Xaverius, der größte Heidenmissionar im Mittelalter, auch in Japan, das erst sieben Jahre vorher entdeckt worden war. Nur kurze Zeit blieb er im Land, aber es gelang ihm, einige kleine Christengemeinden zu gründen. So fanden die Missionare, die später in das ferne Inselreich zogen, den Boden für die Saat des Evangeliums bereits aufgelockert, und bald schoss das Christentum mächtig in die Halme, so dass sich die Zahl der Bekehrten vierzig Jahre später auf mehrere Hunderttausende belief. Dann brach jedoch eine blutige Verfolgung aus, und wie sich die japanischen Neuchristen bei dieser Gelegenheit benahmen, wird ein lauer Halb- oder bloßer Taufscheinkatholik nie begreifen.

 

Lange vorher sah man aus mancherlei Anzeichen den drohenden Sturm herannahen. Nicht die geringste Bestürzung zeigte sich deswegen unter den Christen. Alle bereiteten sich durch den Empfang der heiligen Sakramente und durch eifriges Gebet auf die Stunde der Bewährung vor und richteten die Sonntagskleider her, denn sie waren der Meinung, dass der Tag des Martertodes für sie das schönste Fest des ganzen Lebens sein werde. Als die Ächtungslisten angefertigt wurden, brauchte die Polizei nicht lange nach den Christen zu forschen, denn sie fanden sich aus eigenem Antrieb scharenweise selbst aus den entlegensten Dörfern ein. Manche brachten gleich ein Kreuz für die eigene Hinrichtung mit. Eine unbeschreibliche Freude hatte sich aller bemächtigt, selbst Kinder drängten sich zum Martertod, und groß war die Enttäuschung, als bekannt wurde, dass nur sechsundzwanzig von ihnen zum Tod um des katholischen Glaubens willen verurteilt würden. Es waren sechs spanische Franziskaner und zwanzig einheimische Japaner.

 

Am 3. Januar 1597 begann der Strafvollzug. Um die Bekenner auch äußerlich zu ächten, schnitt man ihnen das linke Ohrläppchen ab. Dann band man ihnen die Hände auf den Rücken, setzte sie auf Ochsenkarren und führte sie unter Gespött durch die Straßen der Hauptstadt Meako und anschließend sechsundzwanzig Tage lang als abschreckendes Beispiel in Eis und Schnee durch Dörfer und Weiler bis nach Nagasaki, wo die Kreuzigung erfolgen sollte.

 

Unmenschliche Leiden haben die Helden auf der Fahrt ertragen müssen. Es war ein langer Kreuzweg, der viel Ähnlichkeit mit dem Kreuzweg des lieben Heilandes nach Golgatha aufwies. Der Mut der Christusbekenner blieb indessen ungebrochen, und besonders die drei Jungen, die sich unter den Glaubenshelden befanden, Ludwig, Anton und Thomas, zeigten sich so heiter und froh, als ginge es zum Spiel und nicht in den Tod. Als sich unterwegs ein reicher Heide an den elfjährigen Ludwig heranmachte und ihm goldene Berge versprach, wenn er vom Glauben abfalle, antwortete der Junge: „Nie und nimmer! Das tue ich nicht, aber du tätest gut daran, wenn du auch Christ würdest.“ Zu solcher Heldengröße kann schon ein Elfjähriger heranwachsen.

 

Endlich näherte sich der Zug dem Ziel. Von weitem bereits sah man auf einer Anhöhe bei Nagasaki sechsundzwanzig hochaufgerichtete Kreuze. Wie Siegeszeichen standen sie dort. Singend und betend schritten die Verurteilten auf die Richtstätte zu. Als sie bei den Kreuzen anlangten, fragte Ludwig gleich, welches Kreuz das seine sei, und als man es ihm zeigte, lief er hin und umarmte voll Freude das kalte Holz, wie man den besten Freund begrüßt. Dann hob man die einzelnen zu den Kreuzen empor, band sie mit Stricken fest und durchbohrte mit scharfen Lanzen die Herzen der Helden, die bis zum letzten Atemzug beteten und sangen und Gott lobten und priesen für die Gnade, dass sie für Christus sterben durften. An jenem Tag, am 5. Februar 1597, hatte Japan die ersten Martyrer und die Kirche neue Heilige erhalten.