Der heilige Ivo Helory, Priester und Bekenner von Lohanec in Frankreich, + 19. Mai 1303 – Fest: 19. Mai

 

Ein schlichtes und doch wunderbares Priesterleben ist das des heiligen Ivo. Er war geboren am 17. Oktober 1253 in der Bretagne in Nordfrankreich. Diese tiefreligiöse, ehemals von Britannien her bevölkerte Provinz, deren Bewohner, die Bretonen, ihren Glauben und ihre Sitten allezeit mit Heldenmut verteidigten, verehrt den Heiligen als ihren besonderen Patron. Die Tage seiner Kindheit verlebte Ivo in Unschuld und Frömmigkeit. Ein Hauptverdienst hieran hatte seine fromme Mutter, die des Öfteren zu ihm sagte, er solle so leben, dass er ein Heiliger werde.

 

In seinem vierzehnten Lebensjahr bezog Ivo die Universität Paris, um sich den höheren Studien zu widmen, die ihn dort zehn Jahre lang in Anspruch nahmen, die er dann aber auch in Orleans noch fortsetzte. Während dieser ganzen Zeit – also in den gefährlichsten Jahren des Lebens – bewahrte Ivo Sittenreinheit und Tugend, ja er legte sogar das Gelübde der Keuschheit ab und trat dem Dritten Orden des heiligen Franziskus bei. In seiner vom Studium freien Zeit oblag er mit heiligem Eifer den Übungen der Andacht und der Barmherzigkeit gegen den Nächsten. Dass es einen so gearteten jungen Mann zum Dienst des Heiligtums hinzog, ist nicht verwunderlich, aber Priester zu werden, daran dachte Ivo aus Demut trotzdem nicht. Er wollte sich mit den niederen Weihen begnügen, die er denn auch empfing. Erst auf Befehl seines Bischofs ließ er sich unter Tränen zum Priester weihen. Wegen seiner umfassenden Kenntnisse, namentlich in der kirchlichen Rechtswissenschaft, wurde er zum Vorstand des bischöflichen Gerichtes ernannt. In dieser Eigenschaft nahm er sich besonders der Armen, Witwen und Waisen mit der größten Liebe und Uneigennützigkeit an, so dass er den ehrenvollen Beinamen „Der Anwalt der Armen“ erhielt. Aber seiner Demut und seinem apostolischen Seeleneifer sagte diese Würde und Tätigkeit nicht zu. Ivo wollte auch ein apostolisch armes und strenges Leben führen und unmittelbar am Heil der Seele arbeiten. Daher ließ er sich von jenem ansehnlichen Amt entheben und nahm mit demütiger Freude nacheinander zwei Landpfarreien an, zuerst Trédrez, dann Lohanec, wo er acht Jahre wirkte, beide in der Diözese Treguier in der unteren Bretagne. Als einfacher Seelsorger erwies er sich nun aber auch als ein wahrer und getreuer Nachfolger des göttlichen guten Hirten. Vor allem machte er sich ihm in seiner persönlichen Lebensweise ähnlich, indem er sie so arm als möglich gestaltete und durch vieles und strenges Fasten die Sinnlichkeit unter das Gesetz des Geistes beugte. Sein Bett war Reisig oder der blanke Boden, sein Kissen ein Band der Heiligen Schrift.

 

Je strenger aber dieser heilige Pfarrer gegen sich selbst war, um so nachsichtiger und freigebiger war er gegen andere. Insbesondere standen ihm auch hier wieder die Armen am nächsten. Er schien ohne sie gar nicht sein zu können und hatte täglich einige in seinem Haus und an seinem Tisch. Auch die Fremden beherbergte und bediente er mit aller Liebe und Demut. Daher erschien erwiesenermaßen eines Tages Christus selbst in Bettlergestalt an seinem Tisch und zeigte sich zuletzt auf einige Augenblicke im vollen Glanz seiner göttlichen Majestät. Diese Nächstenliebe war aber die Frucht seiner Gottesliebe, die sich vor allem durch die höchste Gebetsfreude und -innigkeit kundgab. Seine Andacht bei der heiligen Messe war die eines Engels. Gott belohnte sie unter anderem dadurch, dass, als Ivo eines Tages bei der Wandlung der heiligen Gestalten emporhob, eine feurige Kugel von wunderbarem Glanz sie umschwebte.

 

Als er in der Fastenzeit des Jahres 1303 eine große körperliche Schwäche merkte, schonte er sich keineswegs, sondern verdoppelte im Gegenteil seinen Eifer und seine Anstrengungen. Fast bis zum letzten Augenblick seines Lebens stand er seinen Pfarrkindern mit Rat und Tat zur Verfügung. Endlich rief der göttliche Hohepriester diesen seinen getreuen Diener zum ewigen Lohn am 19. Mai des genannten Jahres in der Oktav des Festes Christi Himmelfahrt. Auf Grund vieler Wunder wurde Ivo Helory im Jahr 1347 durch Papst Klemens VI. heiliggesprochen. So war geschehen, was einst seine Mutter gewünscht hatte.

 

Fremde liebevoll aufnehmen und beherbergen gehört zu den sieben leiblichen Werken der Barmherzigkeit, die im christlichen Leben so wichtig sind und nach denen der göttliche Richter sogar einst das Urteil über uns sprechen wird, wie er dies im Evangelium vom jüngsten Gericht selbst deutlich ankündigt. Also unterlassen wir ja nicht nach Möglichkeit und Gelegenheit die Hungrigen zu speisen, die Durstigen zu tränken, die Nackten zu bekleiden, die Fremden zu beherbergen, die Gefangenen zu erlösen, die Kranken zu besuchen, die Toten zu begraben! Was insbesondere die Barmherzigkeit und Gastfreundschaft gegen Fremde betrifft, durch die sich der heilige Ivo so auszeichnete, so legt sie uns auch der heilige Paulus ausdrücklich ans Herz mit den Worten: „Befleißet euch der Gastfreundschaft! (Römer 12,13) Und ein alter Wahrspruch lautet: „Kommt ein Gast, so kommt Christus.“