Der heilige Isidor, Bauer und Bekenner von Madrid, + 15.5.1130 - Fest: 15. Mai

 

Der heilige Isidor, der um das Jahr 1100 lebte, war weder ein Großbauer noch ein Kleinbauer auf dem eigenen Land, sondern ein armer Pächter, der in der Nähe der spanischen Hauptstadt Madrid ein Gut bewirtschaftete. Nicht ein Hälmchen von all dem Gras und Korn, das auf den Äckern und Wiesen wuchs, war Isidors Eigentum, sondern das alles und auch das Vieh in den Ställen, die Pferde, die Kühe und die Kälber, die Ziegen und die Schafe, die Gänse und die Enten und die Hühner, all das gehörte dem reichen Baron von Vergas, der in Madrid ein großes Haus besaß. Isidor aber musste für den Herrn schuften auf dem steinigen, staubigen Boden unter der unbarmherzig brennenden Sonne des Südens, so dass er sich alle Tage im eigenen Schweiß badete und mit der Zeit das Aussehen einer gedörrten Birne annahm.

 

Wer so viel arbeiten muss wie Isidor, kann sich aber leicht selbst verlieren, indem er beim ständigen Arbeiten Gott und die eigene Seele vergisst und ein Sklave der Arbeit wird. Isidor entging der Gefahr dadurch, dass er jeden Tag in der Frühe zum Gottesdienst ging. Auch betete er sehr oft beim Arbeiten auf dem Feld und im Stall. Entweder verrichtete er Stoßgebete oder er kniete ein Weilchen vor einem der vielen Bildstöcke, die er an allen Enden des Gutes aufgestellt hatte.

 

Einmal verklagten neidische Nachbarn Isidor bei seinem Herrn und erzählten ihm, dass Isidor vor lauter Kirchengehen und Beten die Äcker und die Weiden verkommen lasse. So gut machten die üblen Hetzer ihre Sache, dass der Besitzer des Hofes ganz zornig wurde und in der Frühe des nächsten Tages den Pächter bereits erwartete, als er nach der heiligen Messe die Kirche verließ. Dort bekam er natürlich ein gewaltiges Donnerwetter von seinem Herrn zu hören. Isidor schwieg, und erst am Schluss der langen Strafrede bat er ihn, mit ihm auf das Feld zu gehen. Widerwillig ging der Pachtherr mit Isidor aufs Feld, und als die beiden am Ziel ankamen, sah Baron von Vergas auf dem Acker ein Gespann mit weißen Zugtieren, das, von einem Engel geführt, in geraden, tiefen Furchen den Boden auflockerte.

 

Das ist die erste Legende aus dem Leben des heiligen Isidor, deren Sinn darin zu liegen scheint, dass Gott denjenigen, der gut und gerne betet, bei der Arbeit nicht im Stich lässt.

 

Nun kommt die zweite Legende an die Reihe, die ebenso schön ist wie die erste.

 

Obwohl Isidor arm war, gab er trotzdem noch ärmeren Menschen von seinem Wenigen etwas ab. Kein Bettler entfernte sich unbeschenkt von seiner Tür. Selbst zu den Tieren war der gute Mann voll Barmherzigkeit.

 

Einmal ging Isidor in Begleitung eines Nachbarn mit einem Sack Getreide auf dem Rücken zur Mühle, um das Korn mahlen zu lassen. Es war mitten im Winter, und der Schnee bedeckte fußhoch den Boden. Da sah der Heilige auf einem Baum am Weg etwa hundert hungernde Vögel. Der Anblick tat seinem feinfühligen Herzen weh. Mit einem Ruck entledigte er sich seiner Last, räumte mit den Händen den Schnee weg, griff tief in den Sack und streute den Vögeln reichliches Futter hin. Als ihm dann der Begleiter, ein hartherziger Mann, sein Tun tadelte und ihn ausschimpfte, lachte der Heilige nur, ohne ein Wort zu entgegnen. Wie aber musste der Nachbar staunen, als es sich nachher zeigte, dass der Müller aus Isidors halbem Sack zwei Säcke voll von feinstem Mehl mahlte, während der eigene volle Sack Korn nur einen halben Sack schlechtes Mehl ergab.

 

So berichtet, wie gesagt, die Legende, Gott wollte durch das Wunder zeigen, wie angenehm es in seinen Augen ist, wenn sich die Menschen auch gegenüber den Tieren barmherzig erweisen. Und wer dies recht bedenkt, kommt von selbst zu der Einsicht, dass die Tierquäler in Gottes Augen so richtig Böses tun.

 

Der heilige Isidor ist übrigens der Schutzpatron Madrids und der Bauern.