Der heilige Isfried, Bischof von Ratzeburg, Prämonstratenser, + 15.6.1204 – Fest: 15. Juni

 

Der heilige Isfried war Propst des Prämonstratenserstiftes Jerichow bei Magdeburg und wurde nach Evermods Tod Bischof von Ratzeburg. Da er nicht aus dem Ratzeburger Kapitel war, hatte er Anfeindung von Seite des Ratzeburger Propstes Otho zu erdulden, der selbst nach der Bischofswürde getrachtet hatte. Isfried zeigte große Standhaftigkeit, dabei war er freundlich und demütig gegen alle. Dem Herzog Heinrich dem Löwen hatte er den Lehenseid geschworen und wollte ihm auch nicht untreu werden, obwohl er sich dadurch große Unannehmlichkeiten zuzog. Graf Bernhard von Ratzeburg nämlich legte ihm mancherlei Hindernisse in den Weg, weil Isfried Heinrich dem Löwen treu anhing. Insbesondere aber zürnte er ihm nach dessen Sturz, weil er sich weigerte, Bernhard aufs Neue den geforderten Lehenseid zu leisten. Isfried aber sagte, ein Bischof habe nicht notwendig zweien den Lehenseid zu schwören. Trotzdem würde er sich aber gerne ihm unterwerfen, wenn der Kirche von Ratzeburg dadurch Friede und Heil würde. Bernhard war darüber sehr aufgebracht, entzog Isfried alle Zehnten in Sadelbandia, nahm die Stiftsuntertanen gefangen und zwang sie, sich mit Geld loszukaufen. Doch Isfried blieb fest und hielt es für besser Unrecht zu ertragen als sich oder seiner Kirche eine Neuerung aufbürden zu lassen. Nach dem Tod des Bischofs Berno von Schwerin hatten die wendischen Fürsten sogleich den Domdechant Brunward als Nachfolger eingesetzt, das Domkapitel aber hatte auch einen Bischof ernannt. Nach Weisung des Papstes Coelestin III., an den sich das Domkapitel wendete, kam es zu Boitzenburg, am 19. Juli 1195, unter dem Vorsitz Isfrieds zu einem Vergleich: Brunward solle Bischof bleiben, in Zukunft aber das Domkapitel die freie Wahl haben. Von hier eilte Isfried nach Braunschweig an das Sterbebett Heinrichs des Löwen. Dieser beichtete dem heiligen Isfried und starb am 6. August. In Floreffe bei Namur weihte Isfried die neuerbaute Klosterkirche unter dem Abt Hermann, einem Deutschen (1173 bis 1193), ebenso im Stift Postel, das von Floreffe aus gegründet wurde. Die letzten Lebensjahre des Bischofs fielen in die unruhigen Zeiten der dänischen Kriege. Als Isfried einmal bei einer Prozession um den Kirchhof ging, sah er einen Blinden am Weg sitzen. Er besprengte ihn mit Weihwasser und sprach: Der Herr löst die Gefesselten, der Herr erleuchtet die Blinden, und sogleich wurde der Blinde sehend. Die einzige Urkunde, die von Isfried erhalten ist, stammt aus dem Jahr 1194. Darin werden Schiedsrichter zwischen dem Bischof und der Kirche aufgestellt, die eine Teilung der Güter vornehmen sollen. Der heilige Isfried starb am 15. Juni 1204.

 

De Gerechte, sagt die Heilige Schrift (Spr 10,25), ist wie eine dauernde Grundfeste. Unmännlich ist es, keinen Vorsatz festzuhalten, keinen Entschluss auszuführen, keiner Schwierigkeit die Stirn zu bieten. Die Welt braucht Männer, wie es die Heiligen waren. Lerne also männlich handeln und mache, dass dein Herz erstarke.