Der heilige Ignatius von Loyola, spanischer Priester, Ordensstifter, + 31.7.1556 – Fest: 31. Juli

 

Es ist billig und recht, den heiligen Ignatius von Loyola nicht zu vergessen. Es sind über 520 Jahre her, dass er unter dem Pontifikat Innozenz VIII., zur Zeit Kaiser Friedrich III., unter der Herrschaft Ferdinands und Isabellas von Spanien, auf Schloss Loyola bei Azpeitia in der Provinz Guizpuzcoa im Baskenland, aus altadeligem, wohlhabendem Geschlecht stammend, am 31. Mai 1491 geboren wurde.

 

Die Eltern des heiligen Ignatius waren reich mit Kindern gesegnet: 5 Töchter werden genannt und 8 Söhne, von denen Ignatius der jüngste war. Nach sorgfältigem christlichen Unterricht im väterlichen Schloss wurde Ignatius an den Hof des Königs Ferdinand von Kastilien gegeben, um dort als Edelknabe standesgemäß erzogen zu werden. Nachdem Ignatius herangewachsen war, wählte er die kriegerische Laufbahn, als seiner Neigung besonders zusagend. Bei der Verteidigung von Pampeluna gegen die Franzosen wurde er durch einen Kanonenschuss 1521 schwer verwundet. Auf dem Krankenlager las er das Leben Christi und der Heiligen, und es wandte sich sein Blick von der Eitelkeit weltlichen Ruhmes und Strebens ab und ausschließlich dem Dienst Gottes zu. Nachdem er sich wieder erholt hatte, zog er auf den Montserrat, legte dort am 25. März 1522, dem Fest Mariä Verkündigung, seine Lebensbeichte ab, hielt in der Nacht darauf fromme Ritterwache vor dem Gnadenbild der Mutter Gottes und vertauschte seine Waffenrüstung mit einem Bettelkleid. Hierauf ging Ignatius nach Manresa und widmete sich bei einem äußerst strengen, bußfertigen Leben im dortigen Spital den niedrigsten Diensten der christlichen Liebe. Für eine geraume Zeit zog er sich gänzlich von allem Verkehr in die sogenannte Paradieseshöhle zurück, wo er das wunderbare Büchlein der geistlichen Übungen niederschrieb.

 

Da Ignatius aber einsah, dass ihm, um auf andere zu wirken, wissenschaftliche Bildung große Dienste leisten würde, so entschloss sich der 33jährige Kriegsmann, nachdem er 1523 eine Wallfahrt nach Rom und Jerusalem gemacht hatte, im Frühjahr 1524, sich mit den Jungen in die Bänke der Lateinschule zu setzen. Natürlich fehlte es da nicht an Schwierigkeiten aller Art, an Verdemütigung und Verfolgung. Aber der Ritter Jesu Christi überwand das alles mutig, und bald konnte er nach besonderer Prüfung die Hochschulen von Alkala und Salamanko besuchen und setzte dann seine Studien durch volle 7 Jahre an der damals berühmtesten und größten Universität der Welt, zu Paris, fort. Im März 1534 erlangte er mit Auszeichnung das Magisterium der Philosophie und widmete sich dann mit gleichem Eifer der Theologie. Hier gewann er für seinen Gedanken, im Verein für Gottes Ehre zu wirken, auch andere tüchtige Männer, Mitglieder der Universität und durch die akademischen Grade ausgezeichnet. Und nachdem er sie durch die geistlichen Übungen vorbereitet hatte, verbanden sie sich am 15. August 1534, dem Fest Mariä Himmelfahrt, in der Muttergottes-Kirche auf dem Marterberg zu Paris durch Gelübde und legten so den Grund zur Gesellschaft Jesu.

 

Nachdem dieser Anfang sich glücklich weiterentwickelt hatte, wurde der Orden zuerst am 27. September 1540 von Paul III. bestätigt und dann wiederholt von den Päpsten und vom Konzil von Trient gutgeheißen. Christliches Leben und christliche Frömmigkeit zu erneuern, war die Absicht des heiligen Ignatius und der Zweck seiner Stiftung. Der Glanz der Gotteshäuser, die Erteilung des nötigen Religionsunterrichtes, insbesondere an Kinder und Ungebildete, die Verkündigung des Wortes Gottes, die Beförderung des Empfanges der heiligen Sakramente, Unterricht und Erziehung der Jugend bildeten den Gegenstand seiner Arbeiten und Sorgen, denen er sich mit einem Eifer hingab, dass er einmal sagte, wenn ihm die Wahl gelassen würde, so wollte er lieber, seines eigenen Heiles ungewiss, am Heil der Seelen zu Gottes Ehre fortarbeiten, als, seiner ewigen Seligkeit sicher, im Augenblick sterben. Es rief ihn aber der Herr, dessen größere Ehre er immer im Mund führte, immer im Werk suchte, in seinem 65. Lebensjahr zur Seligkeit und Herrlichkeit.

 

„Ignatius hat den heiligen Franz Xaver nach Indien geschickt, um das Evangelium zu predigen, und in andere Weltgegenden hat er andere Männer ausgesandt zur Verbreitung des Glaubens und hat so dem heidnischen Aberglauben und dem Irrglauben den Krieg erklärt, der mit solchem Erfolg fortgeführt worden ist, dass es die feste Meinung aller ist, auch durch päpstlichen Ausspruch bestätigt, Gott habe, wie zu anderen Zeiten andere Heilige, so Luther und den Irrlehrern jener Zeit Ignatius und die von ihm gegründete Gesellschaft entgegengestellt.“ Diese Worte des römischen Breviers mögen Anlass gegeben haben, dass die Protestanten behaupten, die Gesellschaft Jesu sei von Ignatius eigens zur Bekämpfung des Protestantismus gegründet worden, und es sei darum nicht an Frieden zu denken, so lange sie bestehe. Allein das Exerzitienbüchlein, aus dem die Gesellschaft Jesu hervorgewachsen ist und noch immer ihren Geist schöpft, weiß nichts von Protestanten. In der Verfassung und den Regeln des Ordens ist nirgends von Protestanten die Rede, sondern nur von Ungläubigen und Irrgläubigen überhaupt, und wie unter den ersteren doch nicht z.B. Juden oder Türken insbesondere gemeint sind, so wenig geht die letztere Bezeichnung eigens auf die Protestanten. Seine ersten Arbeiter sandte Ignatius nicht gegen die Protestanten aus, deren Zahl und Bedeutung ihm damals noch nicht genügend bekannt sein mochte. Erst später, als er vom Mittelpunkt aus die Lage der Christenheit besser überschauen konnte, wandte sich seine Tätigkeit gleichsam naturgemäß gegen sie, weil die Kirche von dieser Seite am schwersten angegriffen und bedroht war. Aber auch dann beschränkte sich sein Kampf auf die Waffen des Geistes, und mit diesen wird er allerdings fortgeführt werden müssen, bis alle, die die Wahrheit ernstlich suchen, sie gefunden haben, und jene endgültig zurückgeworfen sind, die sie bekämpfen.

 

Zu den Waffen des Geistes, mit denen Ignatius kämpfte, zählt vor allem das Gebet. Das Exerzitienbüchlein, wohl die vorzüglichste Waffe des Gottesstreiters Ignatius und derjenigen, die seiner Fahne folgen, das Büchlein, von dem schon der heilige Franz von Sales sagt, dass es mehr Seelen gerettet, als es Buchstaben enthält, ist vorzugsweise eine Schule des Gebetes. Der heilige Apostel Paulus wünscht vor allem, dass von allen und für alle Menschen gebetet werde. Er hat mit diesen Worten gleichsam das Grundgesetz jedes Gebetsapostolates niedergeschrieben im 2. Kapitel seines 1. Briefes an Timotheus. Der heilige Ignatius war ein getreuer Nachahmer des heiligen Paulus, so wie Paulus ein Nachahmer Christi war. Darum führt er unter den Mitteln apostolischer Tätigkeit in der Verfassung seines Ordens an erster Stelle das Gebet der Fürbitte an und schreibt mit Worten, die an die Worte des heiligen Paulus erinnern folgendes: „Das Heil des Nächsten wird gefördert durch heiliges, sehnsüchtiges Gebet, das vor Gottes Angesicht für die gesamte Kirche verrichtet wird, und für jene insbesondere, die größeren Einfluss auf das Gesamtwohl haben; für unsere Freunde auch und jene, die sich um uns verdient gemacht haben, lebendige sowohl als verstorbene, ob sie darum bitten oder nicht bitten. Dann für jene, für deren geistliche Hilfe insbesondere wir selbst und die anderen Mitglieder unserer Gesellschaft an verschiedenen Orten unter Gläubigen und Ungläubigen tätig sind, dass sie Gott alle bereite, durch die schwachen Werkzeuge dieser mindesten Gesellschaft seine Gnade zu empfangen.“

 

Die Exerzitien des heiligen Ignatius heißen eine Schule des Gebetes. Aber wie die Schule nicht um ihrer selbst willen da ist, sondern für das Leben, für das Leben lernt man, und nicht für die Schule, heißt der bekannte Spruch, so will auch der heilige Ignatius nicht, dass man im christlichen Leben beim Gebet stehen bleibe, sondern zur Tat fortschreite, zur Überwindung, zur Verleugnung seiner selbst. Selbstüberwindung, dass man von keiner unordentlichen Neigung mehr sich leiten lässt, und in allem dem Licht des Glaubens und der Vernunft folgt, gibt Ignatius als das Ziel an, das durch die Exerzitien erreicht werden soll. Überwinde dich selbst! Das war auch der Spruch, den er immer im Mund führte, den er mit Nachdruck einprägte: „Überwinde dich selbst! Es ist kein anderer Weg zur Heiligkeit, als beständig in allem sich selbst verleugnen und abtöten. Fasse ein großes Herz und greife die Sache mutig an. Eine einzige großmütige Selbstüberwindung ist Gott angenehmer als viele andere gute Werke!“