Der heilige Ignatius von Antiochien, Bischof und Martyrer, + 20.12.107 - Fest: 1. Februar

 

"In jener Zeit", so berichtet das Evangelium, "traten die Jünger vor Jesus mit der Frage: Wer ist denn der Größte im Himmelreich? Da rief Jesus ein Kind herbei und stellte es mitten unter sie mit den Worten: Führwar, ich sage euch, wenn ihr euch nicht bekehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich eingehen. Doch wer sich demütig macht wie dieses Kind, der ist der Größte im Himmelreich."

 

So berichtet das Evangelium, und die Legende will wissen, dass jenes Kind, das Jesus damals den Aposteln als Beispiel vor Augen stellte, der spätere heilige Martyrer Ignatius war, dessen Gedächtnis man heute begeht. Der Heilige muss daher gerade den Kindern wert und teuer sein, denn in dem kleinen Ignatius hat der liebe Heiland alle Kinder hoch geehrt und sie den großen Leuten sogar als Muster hingestellt. Sie müssten werden wie die Kinder, hat er ihnen gesagt, sonst könnten sie nicht in den Himmel kommen.

 

Vom heiligen Ignatius berichtet die Legende weiter, dass er später nach Ephesus in Kleinasien ging, wo der Lieblingsjünger Johannes als Bischof wirkte. Bei diesem großen Heiligen ist er in die Schule gegangen, und weil im Hause des heiligen Johannes bekanntlich auch die Mutter Gottes weilte, durfte Ignatius alle Tage die Hochgebenedeite sehen, durfte ihr kleine Gefälligkeiten erweisen und durfte mit ihr reden, und Maria hat ihn gern gehabt und hat ihn oft mit ihrem kräftigen Muttersegen beglückt und begnadet.

 

Später wurde Ignatius vom heiligen Apostel Johannes zum Bischof der Weltstadt Antiochien geweiht. In dieser Stellung wirkte er vierzig Jahre lang als der gute Hirt seiner Herde, und ganz glorreich war schließlich sein Sterben.

 

Als nämlich die dritte römische Christenverfolgung ausbrach, wurde Ignatius verhaftet und zum Tod um des Glaubens willen verurteilt. Nicht an seinem Wohnort Antiochien sollte er den Tod erleiden, sondern in Rom. Dort wollte man ihn zur Schaulust der Menge im Zirkus den wilden Tieren vorwerfen.

 

Von Antiochien in Asien bis nach der Hauptstadt des römischen Reiches war es eine weite Strecke. Die Reise, die teils zu Fuß und teils mit dem Schiff zurückgelegt werden musste, dauerte mehrere Monate, und was das für einen achtzigjährigen Mann bedeutet, kann man sich leicht ausdenken. Zehn Soldaten begleiteten den Glaubenszeugen. Ignatius war gut zu ihnen, aber je freundlicher er sich gegen sie benahm, desto unfreundlicher behandelte man ihn. Es war ein harter Kreuzweg für den Christusjünger.

 

Um den Gefangenen überhaupt lebend nach Rom zu bringen, musste unterwegs zweimal eine Ruhepause eingelegt werden. Diese Zeit benutzte Ignatius, um eine Reihe herrlicher Briefe an die ihm bekannten Christengemeinden zu schreiben, in denen er die Gläubigen zur Treue gegen Christus aufforderte.

 

Dann drängte er selbst zur Weiterreise, denn eine glühende Sehnsucht nach dem Martertod erfüllte ihn, und als er unterwegs hörte, dass die Christen in Rom ein Gnadengesuch für ihn an den Kaiser planten, bat und beschwor er sie, es doch nicht zu tun. "Erweist mir kein unangebrachtes Wohlwollen", schrieb er, "sondern lasst mich eine Speise der wilden Tiere werden, denn ich bin ein Brotkorn Gottes und muss von den Zähnen der wilden Tiere zermalen werden, nur dass ich zu Jesus Christus gelange."

 

Welch ein Held war dieser Bischof Ignatius, der trotz seiner achtzig Jahre mit dem feurigen Mut eines jungen Mannes für Christus in den Tod ging.