Die heilige Ida von Herzfeld, Herzogin von Sachsen, Witwe, + 4.9.815-825? – Fest: 4. September

 

Im Heer Karls des Großen war einer seiner liebsten und tüchtigsten Feldherrn der Graf Egbert, durch Klugheit, Eifer, Ausdauer und Tapferkeit ausgezeichnet. Auf einem Zug Karls nach Gallien erkrankte Egbert schwer. Der besorgte Kaiser übergab seinen Liebling seinem Oheim Bernhard zur Pflege, und der bot mit seinem ganzen Haus alle Sorgfalt, Mühe und Liebe auf, um den ihm anvertrauten Pflegling genesen zu lassen. Vor allen zeichnete sich durch unverdrossene Mühewaltung Ida aus, die einzige, geliebte Tochter Bernhards, eine Jungfrau schön von Gestalt und anmutigem Antlitz. Gott belohnte die Opferliebe der edelmütigen Jungfrau und erhörte ihre Bitten für den leidenden jungen Mann. Die Lebensgefahr ging vorüber und allmählich kehrte die Gesundheit Egberts zurück.

 

Kaiser Karl kehrte zurück, besuchte Egbert und freute sich seiner Genesung. Egbert rühmte die Gastfreundschaft Bernhards und die liebevolle Pflege seiner Wirtin, besonders ihrer hochherzigen Tochter Ida und bat ihn, seinen Einfluss aufzubieten, dass ihm die junge Frau zur Ehe gegeben werde. Die Eltern willigten gern in den Antrag ein und der Kaiser schenkte ihm reiche Güter in Westfalen und ernannte ihn zum Herzog der Sachsen zwischen dem Rhein und der Weser. Darauf nahm der ebenso fromme als tapfere Herzog Egbert die christliche Jungfrau zur Ehe und reiste mit ihr nach seinem Besitztum.

 

Auf ihrer Reise kamen sie an den Lippefluss zu der Stätte, die Herzfeld heißt. Hier schlugen sie ein Zelt auf und überließen sich der nächtlichen Ruhe. Während alle, von der Anstrengung des Tages ermüdet, in tiefem Schlaf lagen, erschien Ida ein Engel Gottes und mahnte sie, dort eine Kapelle zu bauen, um in ihr Gott eifrig zu dienen und nach vollendetem Lebenslauf dort mit ihrem Mann zu ruhen.

 

Als Ida früh morgens ihrem Gemahl die nächtliche Erscheinung des Engels mitteilte, stimmte er dem göttlichen Auftrag gern zu und erbaute bei seinem Wohnsitz, Hovestadt genannt, eine schöne Kapelle zu Ehren der Mutter Gottes Maria und des heiligen Bischofs Germanus. Dort pflegte Ida am liebsten zu verweilen und ihre geschickte Hand schmückte die Stätte der Andacht mit prächtigen Zierraten. Bei all ihrer Andacht und ihrem religiösen Eifer unterließ sie aber keine ihrer Pflichten ihrem Gemahl und ihrem Hauswesen gegenüber, gemäß dem Wort des Apostels (Tit 2): Die Ehefrauen sollen klug, nüchtern, häuslich und ihren Männern untertänig sein!“ Müßiggang und Trägheit hielt sie wie eine Pest von ihrem Hauswesen fern. Sie selbst spann, webte, flickte, nähte für ihr Haus und arme Leute. Ihre zahlreiche Dienerschaft hielt sie zu einem ehrbaren, sittenreinen, frommen Leben an, unanständige Reden, unsittliches Benehmen duldete sie niemals. Ihrem Gemahl Egbert gehorchte sie in allen Dingen und er liebte sie wie sich selbst, eingedenk des apostolischen Wortes: „Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat.“

 

Die Ehe Egberts und Idas wurde mit fünf Kindern gesegnet. Ludolph, Herzog von Westfalen, der noch einen großen Teil von Ostfalen hinzugewann, und Cobbo, Graf von Tecklenburg, wurden die Stammväter vieler deutschen Regentenhäuser, Warin wurde Abt von Corvey, Hadwig Äbtissin von Herford, die andere Tochter hieß Adila.

 

Welches Glück hätte in dieser Welt Bestand? Nach wenigen Jahren löste der unerbittliche Tod diese überaus glückliche Ehe im Jahr 800. Ida empfand den tiefsten Schmerz, aber sie unterwarf sich demütig dem Willen Gottes und wandte fortan ihr ganzes Herz dem Allerhöchsten zu. Sie übte sich in strengen Bußübungen, mied den Prunk und den Ruhm der Welt, legte ihre kostbaren Gewande ab und vertauschte sie mit ärmlicher Kleidung und verwendete ihre jährlichen Einkünfte für die Armen, fürchtend, dass, wer sparsam säe, auch kärglich ernte. Alle ihre freie Zeit verwendete sie auf christliche Liebeswerke, Betrachtung und Gebet. Um ungestörter den frommen Übungen obliegen zu können, baute sie an ihre Kapelle zu Herzfeld eine Zelle. Um immer an den Tod erinnert zu werden, ließ sie sich einen steinernen Sarg machen und in ihrer Zelle aufstellen. Diesen Sarg füllte sie zweimal im Tag mit Lebensmitteln, Kleidungsstücken und Geld und leerte ihn in die Hände der Armen. Alles Lob und Menschengunst verabscheute sie wie Mottenfraß, damit nicht auch sie das Wort des Herrn treffe: „Sie haben ihren Lohn dahin.“ Ihre Zelle verließ sie nur, um Armen Werke der Barmherzigkeit zu tun. Alle ihre Werke hauchten Heiligkeit aus, ihr einziges Ziel war Gott und die ewige Vereinigung mit ihm.

 

Nach geduldig ertragener Krankheit starb Ida unter den Gebeten ihres Kaplans Bertger und des trauernden Volkes am 4. September um 815, im Alter von 58 Jahren.

 

Die Leiche wurde in den steinernen Sarg gelegt, der durch ihre vielen Liebesgaben geheiligt war, und mit großen Ehren beigesetzt. Viele Wunder verherrlichten ihr Grab. Infolge ihrer Anrufung erhielten Blinde ihr Gesicht, Taube ihr Gehör, Lahme gerade Glieder, Kranke mancherlei Art ihre Gesundheit. Beim Einfall der Ungarn wollten rohe Soldaten die Kirche zu Herzfeld berauben und niederbrennen, aber durch ein Wunder wurde die Kirche nebst Glocken und übrigem Eigentum gerettet. Wegen der zahlreichen Wunder, die die Heiligkeit Idas bestätigten, wurde sie am 26. November 980 vom Bischof Dodo von Münster heiliggesprochen. Bei der feierlichen Eröffnung des Grabes verbreitete sich der süßeste Wohlgeruch und erfüllte das zahlreich versammelte Volk mit seligem Entzücken. Ein Teil ihrer Reliquien wurde in die Benediktinerkirche zu Verden übertragen.