Die heilige Hyazintha Mariscotti, Nonne aus dem Dritten Orden des heiligen Franziskus, Viterbo, Italien, + 30.1.1640 - Fest: 30. Januar

 

Hyazintha, sie siebenjährige Tochter des italienischen Grafen Markus Antonius Mariscotti und seiner Gattin Oktavia Orsini, war eines Tages nahe daran in einen Brunnen zu fallen, wurde aber auf die Anrufung der göttlichen Hilfe hin aus der Gefahr errettet. Dies war wohl mit ein Grund, warum das Mädchen von seinen frommen Eltern den Schwestern vom Dritten Orden des heiligen Franziskus im Kloster des heiligen Bernardin zu Viterbo zur Erziehung anvertraut wurde. Als Hyazintha dann zur Jungfrau herangereift war, nahm sie auch selbst das Kleid des Dritten Ordens und wurde Mitglied des genannten Klosters, ohne jedoch auch sofort den rechten Klostergeist zu zeigen; vielmehr führte sie noch ein ziemlich weltliches Leben und hatte Freude an Bequemlichkeit, Geld und Luxusgegenständen. Da fiel sie in eine schwere Krankheit und musste versehen werden.

 

Bei dieser Gelegenheit nun wurde sie vom Beichtvater ernst auf das Sündhafte und Gefährliche ihrer Lebensweise aufmerksam gemacht. Und Hyazintha gab diesen Mahnungen und der Stimme der Gnade Gehör und gelobte für den Fall ihrer Wiedergenesung, ein neues besseres Leben führen zu wollen. Sie wurde auch gesund und hielt Wort, entsagte allem Weltsinn, allen überflüssigen und eitlen Dingen und begann ein Leben strengster Buße und geradezu erfinderischer Selbstkreuzigung. Wermut und bittere Kräuter zum Beispiel bildeten ihre Hauptnahrung, mit einem schweren Kreuz beladen stieg sie oft kniend die Treppen des Klosters hinan, Brennnesseln, heißes Wachs, Schnee und Eis oder eiskaltes Wasser mussten ihr dienen, den Leib zu peinigen und die Sinnlichkeit zu bezwingen. Bei diesen Bußübungen war vor allem der leidende Heiland ihr Vorbild. Ebenso sehr übte sie aber auch die übrigen Tugenden, besonders Geduld, Demut und Reinheit, und als sie Novizenmeisterin geworden war, leitete sie auch ihre Schülerinnen mit der größten Sorgfalt an, den Weg der Vollkommenheit zu gehen. Umfassend war auch ihre Nächstenliebe. Für die Armen und Kranken erbettelte sie unermüdlich das Nötige und rief sogar zwei eigene Bruderschaften zu ihrer Unterstützung und Pflege ins Leben. Hyazintha war ferner eine besondere Verehrerin des hochheiligen Altarsakramentes. Oft stand sie mitten in der Nacht auf und warf sich mit Ausrufen glühendster Liebe vor dem Tabernakel nieder. Sie tat aber noch mehr: Sie veranlasste und förderte die öftere feierliche Aussetzung des Allerheiligsten, um auch recht viele andere für seine Verehrung zu gewinnen. Desgleichen war die liebe Gottesmutter Gegenstand von Hyazinthas zärtlichster Liebe und Andacht, weshalb ihr auch alle Frauen und Jungfrauen besonders teuer waren, die den Namen Maria trugen. Die allerseligste Jungfrau würdigte daher ihre Dienerin wiederholter gnadenvoller Erscheinungen. Aber auch Gott der Herr anerkannte ihre Heiligkeit durch wunderbare Gnadengaben, zum Beispiel die Gabe der Weissagung.

 

Ganz verzehrt von Gottesliebe und Sehnsucht nach dem Himmel schied sie von dieser Welt im Jahr 1640, im Alter von 54 Jahren. Ihre heiligen Überreste ruhen zu Viterbo in demselben Kloster, wo sie gelebt hatte und gestorben war. Papst Pius VII. hat sie im Jahr 1808 heiliggesprochen. So war diese wohlriechende Hyazintha in den Garten des Himmels versetzt worden, nachdem sie hier auf Erden durch den köstlichsten Duft der Tugend Gott und der Kirche Ehre gemacht und viele Menschen erfreut und erbaut hatte. Aber nicht sogleich nach ihrem Eintritt ins Kloster verbreitete Hyazintha diesen himmlischen Wohlgeruch: Sie lebt zuerst eine Zeit lang in der Lauheit, bis sie durch die Krankheit auf einen anderen Weg gebracht wird.

 

Es gibt eine zweifache Lauheit: diejenige, die den Übergang vom Welt- oder Sündenleben zum frommen Leben, und jene, die den Übergang vom frommen Leben zum Sünden- und Weltleben bildet. Letztere Lauheit ist die schlimmere, denn sie ist nichts anderes als Rückfall und Verachtung der Gnade Gottes. Hyazinthas Lauheit war zwar noch mehr von der ersteren Art, aber, weil sie sich bereits im Kloster befand, doch auch schon bedenklicher und gefährlicher. Um so mehr musste sie dann die ihr zuteil gewordene göttliche Gnade preisen und tat es auch. Hüten wir uns vor jeder Lauheit im religiösen Leben, denn der Herr sagt: „O, dass du kalt wärest oder warm! Weil du aber lau bist und weder kalt noch warm, so werde ich anfangen dich aus meinem Mund auszuspeien“ (Offenbarung 3,15-16).