Der heilige Hospitius, Einsiedler bei Nizza, Frankreich, + 21.5.681 - Fest: 21. Mai

 

An den äußersten Grenzen der Landschaft Provenza in Frankreich erstreckt sich die Halbinsel Villa-Franka in das Meer. Auf dieser, eine halbe Meile von Nizza entfernt, stand ein alter verödeter Turm, der durch den heiligen Hospitius berühmt wurde. Hospitius war aus der ägyptischen Wüste zurückgekehrt, wohin ihn sein Eifer, im Guten vollkommen zu werden, getrieben und wo er alle Einsiedler besuchte und ihre strenge Lebensweise beobachtet hatte. Nun wollte er in seinem Vaterland sich diesen Bußübungen ergeben und wählte diesen Turm zu seinem künftigen Aufenthalt. Voll des Vertrauens und der Herzhaftigkeit, die von der göttlichen Liebe zu entspringen pflegt, schloss er sich in dieses halb zerfallene Gemäuer ein, um sich mit niemanden, als mit Gott allein zu beschäftigen, und sein äußeres Leben nach der äußersten Strenge einzurichten, die ihm durch Gottes Gnade zu üben möglich sei. Von derselben Zeit an glich sein Leben einem immerwährenden Wunder. Man sah ihn mit einer schweren Kette belastet und mit einem rauen Bußkleid angetan, das ihn bei jeder Leibesbewegung verwundete, so dass sein ganzer Leib wie eine Wunde war. Seine Nahrung war Brot und einige Dattelkerne. Während der Fasten aber aß er nichts als ungekochte bittere Wurzeln. Einige Stunden beschäftigte er sich mit Handarbeit, wenige schlief er, die ganze übrige Zeit brachte er im Gebet zu.

 

Der Ruf seines heiligen Lebens und seiner Strenge breitete sich überall aus. Man kam von allen Orten, um diesen Einsiedler zu sehen, der, wie man sagte, Im Beten, Fasten und Bußwerken alle ägyptischen Eremiten übertreffe. Die Menge und Unbescheidenheit des zudringlichen Volkes nötigten ihn, sich enger einzuschließen. Er ließ den Eingang seines Turmes zumauern. Nur eine kleine Öffnung blieb, um durch sie den nötigen Unterhalt zu empfangen und jenen zu antworten, die ihn befragten oder seinem Gebet sich empfahlen.

 

In der Nähe dieser Einsiedelei war ein Kloster, dessen Mönche sehr fromm und bescheiden waren. Diese ehrten den heiligen Einsiedler und ließen sich durch seine Ermahnungen und Zusprüche leiten. Sie nannten ihn nicht anders als ihren Vater oder Abt und machten seit seiner Ankunft im geistlichen Leben große Fortschritte.

 

Der heilige Hospitius hatte die Gabe der Weissagung. Er sagte den Einfall der Lombarden lange vorher, ermahnte das Landvolk, dass sie sich und ihr Hab und Gut in die Stadt retten sollten. Seine Freunde im benachbarten Kloster flohen auf seine Warnung und nahmen alle geweihten Geschirre mit sich. Sie baten ihn flehend und weinend, er möge auch mit ihnen kommen und so der Gefahr entgehen. Er aber sprach, sie zu trösten: „Gehet hin, meine Kinder, und entfliehet dem bevorstehenden Gewitter und seid meiner unbesorgt! Die Feinde werden mich sehr bedrängen, aber das Leben werden sie mir nicht nehmen. Ihr aber habt alles zu befürchten, wenn ihr euch nicht durch die Flucht errettet.“ Der Erfolg zeigte die Wahrheit und Gründlichkeit seiner Weissagung. Die Barbaren, nachdem sie im Jahr 575 das Hochgebirge erstiegen hatten, verbreiteten sich von Genua bis in die Provenza. Eine herumschweifende Horde kam auch nach Nizza und auch zu dem Turm des heiligen Einsiedlers. Sobald Hospitius den Tumult hörte, zeigte er sich an der Öffnung und sah auf sie herab. Die Feinde umringten den Turm, fanden aber keinen Eingang. Es stiegen also einige auf das Dach, brachen durch und gelangten so zur Zelle des Heiligen. Sie entsetzten sich beim Anblick seiner schauerlichen Wohnung und bewunderten sein sanftes Gesicht und seinen milden Blick. Aber aus den schweren Ketten, die ihn fesselten, urteilten sie, er sei ein großer Missetäter. Deswegen lästerten sie ihn und fragten ungestüm, welches Verbrechen ihn hierher gebracht habe. Der demütige Hospitius antwortete: „Die Menge und Größe meiner Übeltaten ist unbeschreiblich.“ Darauf schwang einer sein Schwert und wollte dem Heiligen den Kopf zerspalten. Aber der Arm erstarrte dem Mörder, in die Höhe gestreckt muss er ihn halten, und ihm entfällt das Schwert zur Erde. Seine Kriegsgefährten schreien erschrocken, wenden sich zu dem Heiligen und bitten um Hilfe. Dieser segnete den erstarrten Arm mit dem heiligen Kreuz und augenblicklich wurde er gesund. Durch dieses Wunder rührte ihm Gott sein Herz und machte es für die Gnade empfänglich. Er wurde gläubig und blieb bei dem Heiligen und wurde später ein Mönch in dem nahen Kloster. Der heilige Gregorius, Bischof von Turon, der diese Geschichte beschrieben hat, hat diesen selbst gekannt und seine wunderbare Heilung und Bekehrung aus seinem Munde vernommen.

 

Nachdem die Barbaren sich zurückgezogen hatten und das Land Ruhe erhielt, wurden diese Begebenheiten weit umher bekannt. Die Hochschätzung und Verehrung des Heiligen wuchs und alles redete von dem heiligen Einsiedler und von weither kamen Leidende und baten um seinen Segen.

 

Ein Bürger von Angres verlor, als Folge einer schweren Krankheit, Gehör und Sprache. Er entschloss sich zu einer Wallfahrt nach Rom, um bei den Gräbern der heiligen Apostel und Blutzeugen Christi eine Linderung zu erflehen. Auf seiner Durchreise in der Provenza hörte er von den Wundertaten des heiligen Hospitius. Er konnte seinem Drang nicht widerstehen, ihn zu sehen. Als er sich dem Ort näherte und seine Begleiter in seinem Namen den Heiligen um seinen Segen baten, streckte Hospitius seinen Arm aus dem Fenster zu ihm, nimmt ihn bei den Haaren und zieht ihn zu sich, legte ihm einige Tropfen geweihten Öls auf die Zunge, goss ihm einige auf das Haupt und sprach: „Im Namen unseres Herrn Jesu Christi sollen sich deine Ohren öffnen und die Macht, die den Teufel aus dem stummen und gehörlosen Menschen getrieben hat, gebe dir deine Sprache wieder.“ Jetzt fragte er ihn: „Wie heißt du?“ Der Kranke, der eine plötzliche Veränderung in sich fühlte und den neue Lebenskraft durchdrang, rief mit lauter Stimme seinen Namen und mit gen Himmel gerichteten Augen schrie er frohlockend: „Der Herr sei ewig gebenedeit, der durch seinen Diener ein so großes Wunder gewirkt hat! Ich war im Begriff nach Rom zu reisen, hoffend bei den heiligen Aposteln Hilfe zu finden, und sieh, hier habe ich den heiligen Paulus, den heiligen Petrus, den heiligen Laurenz in der Person dieses Einsiedlers gefunden.“

 

Kaum hatte man sich über dieses Wunderwerk vom Erstaunen erholt, als ein Blindgeborener, mit Namen Dominikus, herbeigeführt wurde. Der Diener Gottes fragte ihn: „Begehrst du sehend zu werden?“ . . „Ach“, antwortete der Blinde, „ich weiß nicht, was sehen ist, weil ich in meinem Leben noch nie etwas gesehen habe! Doch sagt man mir so vieles davon, dass ich auch ein Verlangen habe, die Wohltat des Sehens zu genießen.“ Der heilige Einsiedler machte mit geweihtem Öl ein Kreuz über seine Augen und sprach: „Deine Augen sollen sich im Namen Jesu Christi unseres Erlösers eröffnen!“ Kaum waren diese Worte gesprochen, so hatte Dominikus sein vollkommenes Gesicht. Aber er war so erstaunt über das Licht und eine Menge Gegenstände, die er wahrnahm, dass er kein Wort sprechen konnte. Die Umstehenden freuten sich und verwunderten sich über dieses Mirakel mehr als über das erste; und der Ruf dieses heiligen Mannes verbreitete sich deshalb so weit, dass man sogar von den äußersten Enden des Morgenlandes Kranke und Krüppel herbeitrug, die alle nach empfangenem Segen gesund und Gott lobend heimkehrten.

 

Nachdem der heilige Hospitius fünfzehn Jahre in diesem Turm verlebt hatte, hat ihm Gott das nahe Ende seines Lebens kundgetan. Er sendete zu dem Vorsteher des Klosters und bat, dass er die vermauerte Tür aufbrechen solle und dem Augustadius, Bischof von Nizza, berichten lasse, er werde in drei Tagen sterben. Von diesem Hirten der Kirche begehrte er die heiligen Sakramente zu empfangen. Die Nachricht von dem nahen Tod des Dieners Gottes war schnell verbreitet und erweckte großes Leid. Ein Bürger von Nizza kam eilends herbei, um den Heiligen wenigstens noch einmal zu sehen. Als er durch das Fenster der Zelle den Einsiedler erblickte, rief er ganz erschrocken aus: „Mein Gott, wie ist es möglich, dass du mit Ketten so gefesselt, zernagt von Ungeziefer, abgehärmt vom Fasten und geplagt von so grausamer Strenge so viele Jahre leben konntest?“ Der Heilige antwortete: „Derjenige, dem zu lieb ich dieses gelitten habe, konnte mir Kräfte geben, solche zu überstehen, ja sogar mit himmlischem Trost versüßen.“

 

Am letzten der drei Tage ließ er sich die Ketten vom Leib nehmen, brachte einige Stunden auf der Erde liegend, betend und weinend zu. Dann erhob er sich, legte sich auf eine Bank und mit gen Himmel erhobenen Augen und Händen dankte er Gott für alle empfangenen Gnaden; empfahl seine Seele in die Hände seines Erschaffers und verließ ganz sanft das Zeitliche, am 21. Mai 581. Kaum war seine Seele aufgenommen, verschwand das Ungeziefer und sein Körper wurde ganz rein und der Bischof bestattete ihn mit viel Ehre.