Der heilige Homobonus, Kaufmann zu Cremona, + 13.11.1197 - Fest: 13. November

 

Der heilige Homobonus war der Sohn eines Kaufmanns zu Cremona in Italien. Sein Familienname war Tucinge; sein Taufname aber Homobonus, Gutmensch, der schon anzukündigen schien, was er einst werden wird. Zum Kaufmann bestimmt, erhielt er auch eine diesem Gewerbe entsprechende Erziehung. In den Lehren und Beispielen seines Vaters fand er die schönsten Beweggründe zur Redlichkeit, Gottesfurcht und Tugend. Von Kindheit an bewies er einen großen Abscheu selbst gegen jeden Schein der Ungerechtigkeit, er würde lieber sein ganzes Vermögen verloren, als die geringste Sünde begangen haben. Seinen Stand sah er als eine von Gott ihn angewiesene Beschäftigung an, und erfüllte treu die ihm obliegenden Pflichten aus Gehorsam gegenüber dem Willen des Himmels, so wie aus Gerechtigkeitsgefühl gegenüber sich und seiner Familie, und gegenüber den Menschen. Nach dem Willen seiner Eltern verehelichte er sich mit einer tugendhaften Frau, die ihn in der Führung des Hauswesens unterstützen konnte. Die gute Ordnung, die unter seinen Hausgenossen herrschte, war ein Beweis von der Wachsamkeit und Heiligkeit des Hausvaters.

 

Durch diese verschiedenen Mittel heiligte sich der Diener Gottes in seinem Stand. Es entging ihm keine Gelegenheit, wo er die christlichen Tugenden ausüben konnte; die Widersprüche, die er zu erdulden hatte, vermochten nicht seine Seelenruhe zu trüben, denn er ertrug sie in stiller Ergebung und Demut. Auf Unannehmlichkeiten antwortete er durch sanftes Stillschweigen oder liebevolle Gegenvorstellungen, denen selbst seine Gegner nicht zu widerstehen vermochten. Er war sich selbst so vollkommen abgetötet, dass man zu Cremona sagte, er sei ein Mensch ohne Leidenschaft.

 

Seine Liebe zu den Armen kannte keine Grenze. Nach dem Tod seines Vaters, der ihm ein ansehnliches Vermögen hinterließ, wurden seine Almosenspenden noch reichlicher. Er suchte die Armen in ihren Hütten auf, und bestrebte sich bei Linderung ihrer leiblichen Not, sie zugleich zur Besserung ihres Lebens anzuregen. Seine Gattin machte ihm zuweilen Vorwürfe, seine Familie müsse durch seine allzu häufigen Almosen in Armut geraten; allein er entgegnete ihr, die beste Weise sein Geld anzulegen, sei, es den Armen geben, denn dadurch werfe es hundertfache Zinsen, wie Jesus Christus es selbst versprochen habe. In seiner Lebensgeschichte liest man auch, seine außerordentlichen Wohltätigkeitswerke seien oft durch Wunder verherrlicht worden, und Gott habe ihm die Gabe verliehen, seine zur Linderung menschlicher Not bestimmten Spenden zu vervielfachen.

 

Mit der Wohltätigkeit verband Homobonus zugleich die Enthaltung und Abtötung. Dabei wusste er die treue Erfüllung seiner Berufspflichten mit der heiligen Übung des Gebets zu vereinbaren. Dieser so beglückenden Erhebung der Seele zu Gott widmete er einen beträchtlichen Teil seiner Zeit, und wenn er durch äußere Geschäfte zerstreut schien, vereinigte er durch fromme Seufzer und Schussgebetchen sein Herz mit dem Vater im Himmel; so dass alle Orte, wo er sich befand, für ihn Orte des Gebetes waren. Um Mitternacht stand er jedes Mal auf, wohnte der Mette in der Kirche zum heiligen Ägidius bei, und erst am Morgen kehrte er nach dem Hochamt in seine Wohnung zurück. Seine Andacht wirkte, besonders beim heiligen Messopfer, so fühlbar auf alle, die ihn sahen, dass sie immer erbaut die heilige Stätte verließen. In demütiger Zerknirschung lag er, bis der Priester zum Altar trat, vor einem Bild des Gekreuzigten. Seine Beispiele und seine Reden bekehrten viele Sünder. Die Sonntage und Feste des Herrn und der Heiligen widmete er einzig dem Gebet, und betend ging er hinüber zum Empfang der Tugendbelohnungen. Am 13. November 1197 wohnte er seiner Gewohnheit gemäß der Mette bei, und blieb vor einem Kruzifix auf den Knien liegen, bis der Priester die heilige Messe anfing. Beim Gloria in excelsis streckte er seine Arme aus. Kurz nachher beugte er sich mit seinem Angesicht zur Erde nieder. Die Anwesenden glaubten, er habe dies andachtshalber getan. Als man aber wahrnahm, dass er beim Evangelium nicht aufstand, trat man ihm näher, und bemerkte, dass er nicht mehr lebte.

 

Sicard, Bischof von Cremona, untersuchte den Heldenmut der Tugenden, die der gottselige Homobonus in seinem Leben geübt hat, so wie die Zuverlässigkeit der von ihm gewirkten Wunder, und begab sich mit mehreren ehrwürdigen Personen nach Rom, um dessen Heiligsprechung nachzusuchen, die auch Innocentius III. durch seine Bulle von 1198 gab. Der Leib des Heiligen wurde 1356 erhoben, und in die Kathedralkirche von Cremona versetzt. Sein Haupt blieb aber in der Kirche zum heiligen Ägidius. Der berühmte Vida von Cremona hat einen Hymnus zu Ehren des heiligen Homobonus, Patron seines Vaterlandes, verfasst.

 

Die Bruderschaft der Kaufleute von Lyon wählte eben diesen Heiligen, weil er in seinem sterblichen Leben demselben Geschäft wie sie sich gewidmet hatte, zu ihrem Patron.

 

Die Fähigkeiten und Bedürfnisse des Menschen beweisen, dass er zum Arbeiten geboren ist; zu arbeiten ist er auch als Glied der menschlichen Gesellschaft schuldig. Es wäre ungerecht, wenn er, zu den gemeinschaftlichen Lasten nicht beisteuernd, doch von dem gemeinschaftlichen Gewinn genießen wollte. Ein den Lustbarkeiten und Vergnügungen gewidmetes Leben ist demnach eines vernünftigen Geschöpfes, und noch vielmehr eines Christen unwürdig. Man beobachte jene, die keine ernste Beschäftigung haben, und man wird finden, dass ihnen ihr Leben selbst eine Last ist. Die von Natur aus tätige Seele bedarf der Übung, und kein Mensch kann glücklich sein, wenn er sich nicht eine Art von Beschäftigung zu machen weiß. Diese Wahrheit gewinnt noch an Kraft und Eindringlichkeit, wenn man von der Sinnlichen zur sittlichen Ordnung übergeht. Doch dabei wird es der Bemerkung nicht bedürfen, dass Gewerbe, die zur Sünde verleitet, jederzeit verboten sind. Die anderen müssen nach Verhältnis ihrer Nutzbarkeit für die Gesellschaft, und der in ihnen sich darbietenden Gelegenheiten zur Tugendübung geschätzt werden. Man kann sie alle heiligen, wenn man sie auf Gott, das große Ziel und Ende aller erschaffenen Dinge bezieht. Jedes Gewerbe greift ein in den allgemeinen Plan der Vorsehung, und der macht sich vor Gott strafbar, der die ihm nach seinem Beruf obliegenden Pflichten nicht erfüllt. Die mechanischen Künste zielen zwar ihrer Natur nach nicht nach Erweckung der Tugend; allein sie werden doch für alle verdienstlich, die sie durch Religionsgründe und christliche Tugendübungen veredeln. Diese Tugenden sind übrigens die Frucht des Gebetes, der Betrachtung des göttlichen Gesetzes und der Selbstbewachung. Wir müssen uns daher allzeit einige Augenblicke für diese gottseligen Übungen vorbehalten, und ihnen sogar den Vorzug geben, wenn sie hier und da mit einigen Geschäften des gewöhnlichen Lebens nicht vereinbarlich wären. Diese Augenblicke werden uns auch nie fehlen; finden wir doch solche für unsere Lustbarkeiten und Vergnügungen! Wir sollen heilig werden, und nur auf dem Weg inniger Gottergebenheit können wir es werden.