Der heilige Herkulanus, Bischof und Martyrer von Perugia, Italien, + 7.11.547 – Fest: 1. März

 

Wenn man von vielen und guten Früchten mit Gewissheit auf eine schöne Blüte schließen kann, so lässt sich auch mit Gewissheit sagen, dass der heilige Herkulanus seine Jugendjahre in Reinheit des Herzens, im Wachen und Gebet und in brennender Liebe zu Gott und den Menschen verlebt haben müsse. Die Geschichtsschreiber sagen uns von seiner Jugend nichts, nur erwähnen einige, dass er aus Syrien oder Deutschland nach Italien als ein Benediktinermönch im Jahr 534 gekommen sei und sich längere Zeit zu Spoleto aufgehalten habe. In dieser Stadt widmete er sich mit Bewilligung des dortigen Erzbischofs Britius der Seelsorge. Er besuchte täglich die Krankenhäuser und sprach den Leidenden heilsamen Trost zu, er predigte mit rührender Beredsamkeit das Wort Gottes, so dass er die verhärtetsten Sünder zur Reue brachte und verbreitete unter den Einwohnern von Spoleto einen hohen Grad von Sittlichkeit und Liebe zur Tugend. Dabei lebte er so fromm und heilig, so demütig und arm, dass jedermann seinen Namen mit Ehrfurcht nannte und dass ihn der Erzbischof wegen seiner großen Verdienste zum Oberhirten der bischöflichen Kirche zu Perugia ernannte. Der Diener Gottes bereitete sich mehrere Wochen hindurch unter Gebet, Fasten und heiligen Betrachtungen auf den Empfang der bischöflichen Weihe vor und trat dann das heilige Amt, erfüllt mit dem Geist Gottes, mit größtem Eifer und zum Segen der Menschen an. Mit einem Herzen voll Demut, Liebe und Sanftmut umfasste er seine Geistlichen und führte sie durch sein Beispiel zur Vollkommenheit des christlichen Lebens. Seine Gläubigen hingen an ihm mit Ehrfurcht und Liebe und Vertrauen, wie dankbare Kinder an einem zärtlichen Vater, und die Armen, Witwen und Waisen vergaßen unter seinem Schutz ihr vorheriges Elend und weinten jetzt Tränen der Freude. Ein leuchtendes Muster in allen Tugenden, erzog er für die Kirche in Perugia die eifrigsten und gottseligsten Priester, unter denen sich besonders der heilige Floridus auszeichnete, und beschloss schließlich sein heiliges Leben als Blutzeuge.

 

Im Jahr 547 umschloss der grausame König der Goten, Totilas, Perugia mit seinem Kriegsheer und erst nach einer langwierigen Belagerung nahm er die Stadt durch Sturm. Von Wut entbrannt, plünderten und raubten und mordeten die siegtrunkenen Krieger und Perugia wurde durch Feuer und Verheerung in einen Steinhaufen verwandelt. Unter den vielen, die unter den Händen der Barbaren eines martervollen Todes starben, befand sich auch der heilige Bischof Herkulanus. Er hatte den Martyrern während ihrer Leiden unerschrocken Mut zugesprochen und sie zur Standhaftigkeit ermuntert. Deswegen schleppten ihn die Feinde an seinen grauen, ehrwürdigen Haaren durch die Gassen der Stadt unter den unmenschlichsten Misshandlungen in ihr Lager und enthaupteten ihn. Erst nach vierzig Tagen wurde sein Leichnam ganz unverletzt gefunden, das Haupt mit dem Körper vereinigt, wie der heilige Papst Gregor versichert und in der Peterskirche zu Perugia beerdigt.