Der heilige Heribert, Erzbischof von Köln, + 16.3.1022 - Fest: 16. März

 

Am Heiligen Abend des Jahres 999 begab es sich, dass den Kölnern der Mund auf einmal stillstand und dass ihre angeborene Spottlust sang- und klanglos verstummte. Die Ursache des bemerkenswerten Vorgangs war der neue Erzbischof Heribert, der an diesem Tag seinen Einzug in Köln hielt, um im feierlichen Mitternachtsgottesdienst die bischöfliche Weihe zu empfangen.

 

Als die Geistlichkeit und das Volk von Köln ein halbes Jahr vorher die Bischofswahl vollzogen hatten, kannten sie Heribert noch nicht. Sie wussten von ihm nur, dass er ein tüchtiger Mann sein sollte, und das war er auch. Zu Worms aus ritterlichem Geschlecht geboren, hatte er daheim und in einem Kloster bei Metz eine gediegene Ausbildung erhalten. Nach dem Empfang der heiligen Priesterweihe war er, damals keine Seltenheit, in den Staatsdienst übergetreten. Er war der Vertraute des Kaisers und Erzkanzler des Reiches geworden. Alles in allem war er also ein fähiger Mann. Den Umstand, dass er bei seiner Wahl zum Erzbischof von Köln erst dreißig Jahre zählte, empfand man als zeitgemäß, denn kurz zuvor hatte der sechsundzwanzigjährige Papst Gregor V. dem sechzehnjährigen Otto III. zu Rom die deutsche Kaiserkrone aufs Haupt gesetzt. Das war damals wohl eine jugendbewegte Zeit.

 

So standen also am Heiligen Abend des Jahres 999 die Kölner in hellen Scharen am Rhein, um der Landung und dem feierlichen Empfang des neuen Oberhirten beizuwohnen. Unter dem Geläute aller Glocken der Stadt nahte vom hohen Dom her mit fliegenden Fahnen die Prozession, die den Neugewählten abholen sollte. Gleich hinter dem Kreuz schritten die reichen Kaufherren und vornehmen Bürger. Ihnen schlossen sich, hoch zu Ross, die städtischen Rittergeschlechter an. Es folgte ein langer Zug von Ordensleuten. Messdiener, ohne die bekanntlich überhaupt kein kirchliches Fest möglich ist, waren in rauen Mengen vertreten. Die Reihe der Priester im weißen Chorrock schien kein Ende zu nehmen, und den Schluss des Zuges bildeten Bischöfe mit Stab und Mitra. Mit einem Wort gesagt, Köln erlebte wieder einmal einen seiner großen Tage, und die herrschende bittere Kälte konnte der Festtagsfreude kaum Abbruch tun.

 

Doch da naht auf dem Rhein auch schon das Schiff mit dem neuen Oberhirten an Bord. Mit geschickter Hand werfen die Schiffer die Seile aus und befestigen das Fahrzeug an den Rammklötzen des Ufers. Schnell stellt ein hölzerner Landungssteg die Verbindung zwischen Schiff und Hafen her, und dann betritt inmitten der Erzbischöfe von Mainz und Trier der neue Oberhirte von Köln erstmals den Boden seiner Bischofsstadt, ohne allen Prunk, barfuß trotz der bitteren Kälte und in einem solch armseligen Gewand, dass man ihn eher für einen Bettler als für einen Kirchenfürsten halten konnte. Da stand den Kölnern tatsächlich der Mund vor Staunen still, und ihre Spottlust verstummte.

 

Auf diese Weise eroberte sich Erzbischof Heribert gleich im ersten Augenblick das Herz der Kölner. Als es sich dann auch noch zeigte, dass des Erzbischofs Wohltätigkeit keine Grenzen kannte, wären die Kölner für ihn im Notfall durchs Feuer gegangen. Kein Bettler blieb an der Tür des Bischofshauses unbeschenkt. Heribert suchte, als einfacher Priester gekleidet, die Armen und Kranken auf und gab mit vollen Händen. Bei den reichen Leuten der Stadt ordnete er eine Entrümpelung der Speicher und Keller an und schickte den gefundenen Überfluss an Möbeln, Kleidern, Schuhen und Bettzeug in die Häuser der Bedürftigen. Zur Zeit einer Hungersnot richtete der Erzbischof Armenküchen ein. Neben den Kirchen, die Heribert erbaute, errichtete er auch Kranken-, Alters- und Waisenhäuser. Der Ruf von dem wohltätigen Sinn des kölnischen Oberhirten erfüllte bald die ganze Öffentlichkeit, und aus den verschiedensten Teilen der Christenheit strömten die Armen herbei nach Köln zu Bischof Heribert, als der wahre Vater der Notleidenden allen zu helfen suchte. Damals genoss Köln den hohen Ruf und Ruhm, dass in seinen Mauern die christliche Wohltätigkeit am besten geübt und gepflegt werde.

 

Tief betrauert, starb Heribert fünfzigjährig am 16. März 1021. Seine Überreste ruhen bis auf den heutigen Tag in einem kostbaren Schrein, der auf der Außenseite sein Bildnis trägt inmitten zweier Frauengestalten, von denen die eine die Demut und die andere die Wohltätigkeit versinnbildet.