Der heilige Hercumbert, Bischof von Minden, + 9.6. um 806 – Fest: 9. Juni

 

Als der Sachsenherzog Widukind vom Kaiser Karl dem Großen in vielen Schlachten besiegt worden war, begab er sich im Bettlergewand, um nicht erkannt zu werden, in das kaiserliche Lager zu Attigny und sah, wie der Kaiser und sein ganzes Heer in den Ostertagen kommunizierend aus der Hand des Priesters ein wunderschönes Kind empfingen, das bei vielen lieb lächelnd, bei andern voll Abscheu sich abwendend, im Mund eines jeden verschwand. Staunend fragte der heidnische Herzog, den der Kaiser an seinem krummen Finger erkannt hatte, nach der Bedeutung der wunderbaren Erscheinung, und er bat einen Priester, ihm und seiner Gemahlin die Anfangsgründe der christlichen Religion beizubringen. Zu jenen Zeiten befanden sich im Gefolge des Kaisers ausgezeichnete Gelehrte, unter anderen Hercumbert, ein Mann von vorzüglicher Heiligkeit und hohen Geistesgaben. Er wurde vom Kaiser zum Unterricht des Herzogs auserkoren und brachte es durch seinen Fleiß und seine ausdauernde Bemühung in kurzer Zeit dahin, dass Widukind nebst seiner Gattin noch in demselben Jahr getauft wurde.

 

Hercumberts Seeleneifer begnügte sich mit dieser für das ganze Sachsenvolk bedeutungsvollen und segensreichen Errungenschaft nicht. Der Herzog Widukind hatte ihm eine Wohnung auf einer seiner westfälischen Burgen angeboten, wenn er Frankreich verlassen und mit ihm nach Westfalen gehen wollte. Zugleich versprach er ihm, dass er ihm einen geeigneten Platz zum Bau einer Kirche und die erforderlichen Einkünfte zum Unterhalt der Geistlichen anweisen wolle. Auch Karl der Große verhieß dieser Kirche verschiedene Schenkungen, sobald die Zeiten nach den beständigen Unruhen friedlichere würden. Sehr gern fand sich Hercumbert bereit, Widukind nach Westfalen zu begleiten, denn er sah voraus den großen Vorteil für die Kirche, wenn ein so berühmter Mann treu in der eben angenommenen christlichen Religion beharrte.

 

Deshalb begleitete Hercumbert den Herzog Widukind auf seiner Rückreise nach Westfalen, fest entschlossen, sein Leben für Christus zu opfern oder die wilden Scharen der Heiden zum ewigen Heil zu führen. Sein erster Aufenthalt soll in der Widukindsburg an der Weser gewesen sein. Um anzudeuten, dass der Platz und das Bistum beiden gemeinsam sein sollte, nannte Widukind die Stätte „Myn dyn“, d.h. „Mein dein“, wovon die Stadt Minden ihren Namen erhalten haben soll.

 

Von dort aus durchzog der seeleneifrige Bischof die ganze Umgegend, unterrichtete das Volk im christlichen Glauben und frommen Übungen und erreichte die glücklichsten Erfolge, denn nach dem Beispiel ihres hochverehrten Herzogs strömten viele Sachsen herbei, um sich taufen zu lassen. Seine Hauptsorge wandte er Widukind und dessen Haus zu, den er durch öftere Unterredungen und Ermahnungen so sehr im Glauben befestigte, dass er von der Zeit an ebenso eifrig auf das Wohl der Kirche und Förderung des christlichen Lebens bedacht war, wie er früher Aufruhr erregte.

 

Unter verschiedenen Tugenden Hercumberts wird besonders seine Freigebigkeit gerühmt. Außer vielen anderen Schenkungen gab er dem Kloster Fulda 253 Knechte, 23 Dörfer, 170 Joch Ackerland zum Geschenk. Nachdem er sein bischöfliches Amt ruhmvoll und segensreich verwaltet hat, starb er am Anfang des neunten Jahrhunderts am 9. Juni, dem Fest der heiligen Märtyrer Primus und Felician.