Die heilige Helena, römische Kaiserin, lebte lange in Trier, + 18.8.328 - Fest: 18. August

 

Es lebte einmal vor vielen hundert Jahren ein Mädchen, das Helena hieß und so arm war, dass es sich von Wasser und Brot und Hafergrütze ernähren musste. Helena war aber außergewöhnlich schön. Eines Tages kam ein vornehmer Reitersmann, verliebte sich in das Mädchen, heiratete es ziemlich schnell, und die beiden wurden sehr, sehr glücklich.

 

Die Geschichte klingt wie ein Märchen und ist doch kein Märchen, sondern wirklich wahr. Konstantius hieß der Reitersmann, der damals, als er das Dienstmädchen Helena heiratete, ein fähiger und hochangesehener General war. In der folgenden Zeit begleitete die schöne Gattin ihren Gemahl auf allen Kriegszügen und kam weit in der Welt herum. Auch schenkte Helena ihrem Mann einen Sohn, den sie Konstantin nannten. Von dem Tag an war das Glück der beiden vollkommen. Dazu stieg Konstantius auch in der beruflichen Laufbahn immer höher. Er wurde Generalfeldmarschall. Und zuletzt erhob ihn der Kaiser in Rom zu seinem Mitregenten mit dem Sitz in Trier, von wo er den ganzen Westen und Norden des gewaltigen Römerreiches regieren sollte. Da entstand in Trier, nicht weit vom Ufer der schönen Mosel entfernt, ein wirklich prachtvolles Schloss. Und darin lebte als Herrin und Hausfrau die ehemalige Dienstmagd Helena, die sich in der Jugend von Wasser und Brot und Hafergrütze ernähren musste.

 

Nach dem Sprichwort ist indessen kein Glück so groß, dass es nicht trägt ein Unglück im Schoss. Das sollte auch Helena erfahren. Ihr Mann wurde nämlich so machthungrig, dass es ihn nach der Kaiserkrone gelüstete. Da allerdings stand ihm seine nicht standesgemäße Gattin im Weg. Zwar liebte Konstantius Helena von ganzem Herzen, mehr aber noch galten in seinen Augen Kaiserglanz und Kaiserpracht. Und so verstieß er die rechtmäßige Gattin, um die Stieftochter des regierenden Kaisers zu heiraten. Zum Verständnis muss gesagt werden, dass Konstantius kein Christ war, ebenso wie Helena, die erst später Christin wurde.

 

Für Helena war das ganze natürlich ein Sturz aus steiler Höhe. Übergroß war ihr Leid. Konstantius indes wurde wirklich Kaiser, aber fern von ihm träumte und trauerte Helena dem verlorenen Glück nach. Sie war Witwe geworden, ohne Witwe zu sein. Es waren ganz bittere Zeiten für die Arme, der alle Tage, die kamen und gingen, die Tränen flossen, vierzehn Jahre lang. Dann starb Konstantius, und Konstantin wurde Kaiser. Da wendete sich wieder einmal ein Blatt in Helenas Leben. Eine neue Seite wurde aufgeschlagen, auf der mit goldenen Buchstaben geschrieben steht, dass Konstantin ein guter Sohn war, der die Mutter in den Glanz und die Pracht des Hofes zurückrief. Er verlieh ihr den Titel „Kaiserin“, ließ Münzen mit ihrem Bild prägen und umhegte und umsorgte sie, wie immer nur ein gutes Kind seine Mutter ehren kann.

 

Im Jahr 312 wurde schließlich noch einmal eine neue Seite in Helenas Leben aufgeschlagen, die schönste von allen. Kaiser Konstantin bekehrte sich zum Christentum. Seine Mutter empfing die heilige Taufe und entwickelte sich, durch das Leid und die Erfahrung des Lebens, zu einer vorbildlichen Christin. Sie führte ein heiliges Leben und Gott verlängerte ihre Lebenszeit, damit sie, die als erste Kaiserin dem gekreuzigten Jesus Christus die Ehre gab, durch ihren Glauben der Welt ein Beispiel vorlebe. Mit fürstlicher Freigebigkeit gab Helena den Armen mit vollen Händen, um deren Not zu lindern. In dem ehemaligen Schloss in Trier, in dem sie die glücklichste Zeit ihres Lebens verbrachte, ließ sie eine Kirche einrichten, aus der sich später der heutige Dom entwickelte. So ist es zu verstehen, dass man gerade in Trier das Fest der heiligen Helena am 18. August besonders feierlich begeht. In Köln entstand auf Helenas Betreiben und mit ihrer Hilfe die Kirche zum heiligen Gereon, in Bonn die heutige Stiftskirche, in Xanten am Niederrhein der herrliche Dom zum heiligen Viktor und in Rom das Gotteshaus zum Heiligen Kreuz.

 

Doch all das war der eifrigen heiligen Kaiserin noch nicht genug. Mit achtzig Jahren wallfahrtete sie nach Palästina, um dort die Heiligen Stätten zu verehren, wo der Erlöser lebte, litt und starb. Damals entdeckte sie das verlorengegangene Kreuz des Herrn. Auch in Jerusalem, auf dem Ölberg und in Bethlehem ließ die freigebige Kaiserin aus Liebe zu Jesus Christus neue Gotteshäuser erbauen. Dann kehrte die alte Frau heim zu ihrem großen Sohn, dem Kaiser Konstantin, und starb hochbetagt eines seligen Todes, um im Gedächtnis der Christenheit für immer weiterzuleben.