Der heilige Heinrich II. von Sachsen, Deutscher Kaiser, + 13.7.1024 - Fest: 13. Juli

 

Der heilige Heinrich

 

Unter allen Heiligen gibt es meines Wissens nur einen einzigen Kaiser. Es ist Kaiser Heinrich II., den Gott, wie es im Kirchengebet heißt, von der Höhe der irdischen Kaiserwürde in das himmlische Reich versetzte.

 

Als des Bayernherzogs Heinrich ältester Spross und Stammhalter kam Heinrich auf einem Schloss in der Nähe von Regensburg am 6. Mai 972 zur Welt. Der Vater führt in der Geschichte einen zwar nicht gerade entehrenden, aber immerhin aufschlussreichen Zunamen, denn man nennt ihn heute noch Heinrich den Zänker. Das kleine Beiwort sagt sehr viel. Ständig lag sich der Mann mit dem Kaiser in den Haaren, weil es ihn selbst nach der Krone gelüstete. Da gab es Krach und Krieg, und des Sohnes Kindheit war überschattet mit Flucht und Verbannung. Weil aber nichts von ungefähr, sondern alles von oben her kommt, hatte auch Heinrichs unerfreuliche Jugend den Vorteil, dass er, fern der Heimat, in Hildesheim bei dem vortrefflichen Bischof Bernward eine gediegene Erziehung erhielt. Ein zweiter heiliger Bischof, Wolfgang von Regensburg, hat nachher Heinrichs Ausbildung vollendet.

 

Später heiratete Heinrich die Grafentochter Kunigunde von Luxemburg, auch eine Heilige, und mit dreiundzwanzig Jahren wurde er Herzog der Bayern, der im Gegensatz zu seinem verstorbenen zänkischen Vater ein treuer Reichsvasall war und seinem Vetter, dem Kaiser Otto III., durch dick und dünn Gefolgschaft leistete. Als aber Otto kinderlos starb, wusste Heinrich seinen berechtigten Erbanspruch auf den Kaiserthron schnell und entschlossen gegen zwei Mitbewerber durchzudrücken, und am 8. September 1002 bestieg er im Dom zu Aachen den Krönungsstuhl Karls des Großen. Einige Zeit danach setzte ihm der Papst zu Rom auch die Kaiserkrone aufs Haupt.

 

Zweiundzwanzig Jahre lang leitete Heinrich die Geschicke der deutschen Volksstämme, und man kann wohl sagen, dass er in dieser Zeit kaum aus dem Sattel kam, denn er nahm die Herrscherpflichten ernst, und überall war gerade damals eine starke Hand nötig, weil das Reich wegen der Uneinigkeit der Fürsten auseinanderzufallen drohte. Auf diese Stunde warteten längst an den Landesgrenzen, Gewehr bei Fuß, die Feinde, um in Deutschland einzurücken. Auch an persönlichen Bitterkeiten fehlte es dem Herrscher nicht, er musste gegen die eigenen Brüder und Schwäger zu Feld ziehen, und falsche Freunde erfüllten sein Herz mit schmerzvollem Argwohn gegen die heilige Gattin Kunigunde. Kein Heiliger hat es im Leben leicht, selbst dann nicht, wenn er Kaiser ist. Wohl ist Heinrich der Schwierigkeiten, die sich ihm entgegentürmten, kraftvoll Herr geworden, aber man kann verstehen, dass er zuweilen den Kopf hängen ließ und, dem frommen Zug des Herzens folgend, gern den goldenen Kaisermantel mit einer schwarzen Mönchskutte vertauscht hätte.

 

In einer solchen Stimmung der Niedergeschlagenheit übernachtete Heinrich einst in einem Kloster, und es überkam ihn bei dieser Gelegenheit die Sehnsucht nach Ruhe mit solcher Wucht, dass er inständig um die Aufnahme in den Orden bat und keine Einwendungen gegen den Plan zulassen wollte. Da rief der Abt die Brüder zusammen und fragte, wie es Brauch ist, in ihrer Gegenwart den Kaiser, ob er bei seinem Entschluss beharre und nach der Vorschrift der Regel unbedingten Gehorsam gelobe. Laut und freudig gab Heinrich sein Jawort, und dann sagte der Abt, und es war sehr klug, was er sagte, dann also sagte er: „Wohl, ich nehme dich als Bruder Heinrich in unsere Gemeinschaft auf, aber zugleich befehle ich dir, in der Welt zu bleiben und das Reich zu regieren, das Gott deiner Sorge anvertraut hat.“ So musste auch Heinrich wie jeder andere den eigenen Kreuzweg bis ans Ende gehen.

 

Kaiser Heinrich war also ein guter, tüchtiger Herrscher, bedächtig und überlegt, sanft, mild und leutselig. Wo aber Unrecht geschah, konnte er ohne Erbarmen richten und strafen, wie es sich gehört. Der lieben Mutter Gottes war er innig zugetan. Viele Kirchen hat er errichtet, unter denen der Dom zu Bamberg und das herrliche Münster zu Basel die schönsten sind. Kaiser Heinrich der Heilige, der am 13. Juli 1024 starb, wird für immer eine Zierde Deutschlands sein.

 

Die heilige Kunigunde

 

Luxemburg, früher Lützelburg genannt, ist nicht nur eine sehr schöne, sondern auch eine sehr alte Stadt. Mitten darin findet man, an einem Abhang gelegen, die letzten Überreste eines Turmes aus grauer Zeit. Weil die Ruine in ungeheurer Vergrößerung ziemlich Ähnlichkeit mit einem eingestürzten Zahn aufweist, heißt sie im Volksmund „der hohle Zahn“. Dort stand vor über tausend Jahren das Stammschloss der mächtigen Grafen von Luxemburg. Dort wurde Kunigunde als die Tochter des Grafen Siegfried geboren, wurde fein und vornehm erzogen, und als sie mit der Zeit zu wunderbarer Schönheit erblühte und ins heiratsfähige Alter kam, stellten sich bei ihr mehr Freier ein, als sie Finger an beiden Händen hatte.

 

Die schöne luxemburgische Grafentochter brauchte also nur zu wählen, und man kann nicht sagen, dass ihr die Wahl eine Qual bereitete. Mit sicherem Griff zog sie aus der Menge der Bewerber sofort den besten heraus, den Bayernherzog Heinrich, der nach außen hin zwar etwas rau tat, inwendig aber wie reines Gold war. Der heilige Erzbischof Willigis traute das fürstliche Paar, und kurze Zeit später krönte der gleiche Willigis in Paderborn Heinrich zum deutschen König und Kunigunde zur Königin. Das geschah im Jahr 1002, und zwölf Jahre später empfingen beide in Rom aus der Hand des Papstes die Kaiserkrone. Damit war die Grafentochter aus dem Felsenhorst in Luxemburg zur höchsten Frau in Deutschland emporgestiegen. Zwanzig Jahre lang zierte eine Heilige den deutschen Kaiserthron. Wo aber Heilige leben und wirken, da gedeiht das Gute zu hundertfältiger Frucht.

 

Es ist das unbestrittene Verdienst der heiligen Kaiserin Kunigunde, dass sich an ihrer Seite auch der Gemahl zum Heiligen entwickelte; denn Heinrich wurde später als einziger aus allen deutschen Kaisern von der Kirche heiliggesprochen.

 

Kunigundes und Heinrichs Heiligkeit zeigte sich aber weniger in dicken Gebetbüchern mit großen Kreuzzeichen als vielmehr in christlichen Werken. Landauf und landab wanderte das heilige Kaiserpaar pflichtgemäß von Stadt zu Stadt durch ganz Deutschland. Während Heinrich als Herrscher und oberster Richter überall nach dem Rechten sah und für Frieden und Eintracht unter dem Volk sorgte, ging Kunigunde in die Spitäler und Schulen und übte mit königlicher Freigebigkeit die Nächstenliebe. Von dem hohen Sinn der Kaiserin legt auch die Tatsache ein glänzendes Zeugnis ab, dass sie im deutschen Land an die tausend Kirchen entweder neu errichtete oder wiederherstellte. Kunigunde war nicht nur von Herzen gläubig, sondern auch durch die Tat.

 

Da es aber manche Menschen lieben, das Strahlende schwarz zu machen und das Große in den Staub zu ziehen, wagten sich auch an die hohe, heilige Kaiserin Verleumder heran und bezichtigten sie in hinterhältiger Weise der Treulosigkeit gegen den Gemahl. Und der glaubte sogar eine Zeitlang dem gemeinen Geschwätz. Das waren bittere Tage und Wochen für die beiden heiligen Ehegatten. Kunigunde betete viel und forderte schließlich von sich aus zum Beweis ihrer Unschuld ein Gottesurteil, wie es damals Sitte war. Man legte zehn glühende Pflugscharen nebeneinander, und die Kaiserin schritt mit bloßen Füßen darüber hinweg, ohne sich auch nur im geringsten zu verbrennen. Da galt ihre Unschuld als erwiesen. Als aber der Kaiser daraufhin die Verleumder zum Tod verurteilte, setzte sich Kunigunde so lange für sie ein, bis ihnen Heinrich Leben und Freiheit zurückschenkte. Auf diese Weise übte die heilige Kaiserin christliche Rache, die nach dem Vorbild des gekreuzigten Heilandes darin besteht, dass man allen Feinden von Herzen verzeiht.

 

Die heilige Kunigunde überlebte den heiligen Gemahl noch um viele Jahre, die sie in christlicher Trauer um ihn und in Werken der Nächstenliebe verbrachte, bis auch sie die irdische Krone mit der weit kostbareren Himmelskrone vertauschen durfte.