Die heiligen Martyrer von Gorkum, + 9.7.1572 - Fest: 9. Juli

 

Gorkum ist ein Städtchen in der Mitte des südlichen Holland, am rechten Ufer der Maas, wo sich der Rheinarm Waal mit der Maas vereinigt; es heißt im Holländischen Gorinchen. Es hatte einst starke Mauern und eine feste Burg, die 1420 von Wilhelm von Bayern gebaut worden war. In der Mitte befand sich der „blaue Turm“, ein prächtiger Rundbau aus Marmor, der Stadt und Land weithin beherrschte. Gorkum erlangte in der Kirchengeschichte Berühmtheit durch das Martyrium von 19 Priestern und Ordensleuten am 9. Juli des Jahres 1572.

 

Holland stand bis dahin unter spanischer Herrschaft. Im Jahr 1572 kam es aber durch die Geusen, das heißt „Bettler“, zum Abfall von Spanien. Die Geusen waren die Partei der unzufriedenen Edelleute, Kalviner und voll Hass gegen alles Katholische. Am 26. Juni gelang es ihnen, in Gorkum einzudringen. Ihr Anführer Marinus Brandt hatte den Bewohnern Schutz und volle Religionsfreiheit versprochen und feierlich versichert, auch die Geistlichen nicht zu behelligen. Der Befehlshaber der Stadt, Kaspar Türk, ein tüchtiger Kriegsmann und treuer Offizier seines Königs, war mit der Übergabe nicht einverstanden und zog sich mit seinen Soldaten in die Burg zurück, in die er auch die Geistlichen und einige Frauen aufnahm. Doch schon nach kurzem Widerstand musste er sich, da er zu wenig Soldaten zur Verteidigung hatte, zur Übergabe der Festung gegen freien Abzug aller Belagerten, Soldaten, Geistlichen und Bürger entschließen. Die Geistlichen ahnten, wie die Feinde den Vertrag halten würden. Sie beichteten und empfingen die heilige Kommunion, noch ehe die Geusen einzogen. Es sollte für die meisten von ihnen die heilige Wegzehrung und Stärkung für den schwersten Kampf sein.

 

Es waren 20 Priester und Ordensleute: sechs Weltpriester, dreizehn Franziskaner und ein Augustiner. Als nach Mitternacht des 26. Juni die Geusen in die Burg eindrangen, nahmen sie die Geistlichen sofort gefangen und ließen ihren Übermut an ihnen aus, besonders an den Franziskanern und ihrem Guardian P. Nikolaus Piek, einem Mann von hervorragenden Fähigkeiten und leuchtender Heiligkeit. Sie umschlangen ihn mit seinem Gürtel, hängten ihn über eine Tür, zogen ihn auf und nieder, bis der Strick riss und der Gequälte bewusstlos zu Boden fiel. Um zu sehen, ob er schon tot wäre, hielten sie ihm brennende Kerzen ins Gesicht, ja sogar in den gewaltsam geöffneten Mund. Als der Bekenner kein Lebenszeichen von sich gab, stießen sie den Körper in eine Ecke mit den Worten: „Es ist ja doch nur ein Mönch; wer wird danach fragen.“ Der Besinnungslose kam nach einigen Stunden wieder zu sich. Furchtbar war er entstellt, das ganze Gesicht verbrannt, der innere Mund ganz voll Wunden. Aber der Heilige klagte nicht, sondern ermunterte die Seinen, guten Mutes zu sein: er habe es nun erfahren, die Todespein sei kurz, seine Schmerzen seien bald vorüber gewesen.

 

Mit ähnlichen ausgesuchten Martern quälten die rohen Soldaten an den folgenden Tagen und Nächten ihre schuldlosen Opfer. Selbst einen neunzigjährigen Franziskaner, Willehald, einen Dänen, verschonten sie nicht. Ein Soldat schlug ihm wütend ins Gesicht, aber der ehrwürdige Priester flüsterte nur leise bei jedem Schlag ein „Deo gratias, Gott sei Dank!“

 

Zwei von den Weltpriestern wurden nach einigen Tagen gegen ein hohes Lösegeld freigegeben; einer wurde schwach und sagte sich los, dafür kam ein Dominikaner aus der kölnischen Ordensprovinz, namens Johannes, der in der Nähe eine Pfarrei versah und auf die Nachricht von der Gefangennahme aller Priester in die Stadt gekommen war, um zu taufen. Dabei wurde er von den Geusen überrascht und ins Gefängnis geschleppt.

 

Die drei Weltpriester, die zum Martertum standhielten, waren die beiden Pfarrer von Gorkum, Leonhard von Wechel und Nikolaus Janssen, genannt Poppel, zwei mustergültige, seeleneifrige Priester, und ein siebzigjähriger Greis, Gottfried van Duynen, ein ehemaliger Pfarrer in Frankreich; er war ein Freund der Kinder, eine Seele voll frommer Einfalt.

 

Dem Pfarrer Leonhard Wechel wurde gestattet, zwei zum Galgen verurteilte katholische Bürger auf ihrem letzten Gang zu begleiten und in sein Pfarrhaus zurückzukehren. Am 2. Juli konnte er sogar die Kanzel besteigen und predigen in Gegenwart vieler Geusen. Mit großer Beredsamkeit legte er die Berechtigung der Marienverehrung dar und bewies aus der Fülle seiner theologischen Kenntnisse gegen die Irrtümer der Neuerer die unversehrte Jungfräulichkeit der Gottesmutter. Dann erhob er seine Stimme zu einem gewaltigen Glaubensbekenntnis für die Lehre der katholischen Kirche und zu einer flammenden Mahnung an seine Pfarrkinder, treu auszuharren im Glauben der Väter und lieber Gut und Leben hinzugeben, als den heiligen katholischen Glauben zu verleugnen.

 

Niemand wagte ihn zu unterbrechen, die entschiedene Haltung der Katholiken zwang die Geusen, den Pfarrer in Freiheit zu lassen. Sie warteten aber nur eine andere Gelegenheit ab, Rache an ihm zu nehmen und ihn bald wieder gefangen zu setzen.

 

Inzwischen hatten die Gefangenen viel von den mutwilligen Soldaten auszustehen gehabt. Da der Rat der Stadt und Freunde der Priester sich um ihre Freigabe beim Prinzen Wilhelm von Oranien bemühten, sandte Graf Wilhelm von der Marck, gewöhnlich nach seinem Geburtsort Lumnius genannt, ein wütender Priesterfeind, den Johann von Omal, einen abgefallenen Priester, nach Gorkum, die gefangenen Geistlichen nach Brielle zu bringen; dort solle ihnen der Prozess gemacht werden.

 

Da ein gewaltsamer Widerstand der katholischen Bürger bei der Abführung der Gefangenen zu befürchten war, entschlossen sich die Geusen, das Werk der Finsternis in der Nacht vom 5. Auf den 6. Juli auszuführen. Nachdem man die Priester ihrer Oberkleider beraubt hatte, wurden sie je zwei aneinandergefesselt, auf einem Fahrzeug zuerst nach Dortrecht und dann nach Brielle abgeführt und öffentlich dem Gespött und der Wut der unsinnig gegen sie rasenden Soldaten preisgegeben. Während sie mit Schmach und Unbill gesättigt wurden, standen die Gefesselten, von denen mehrere über sechzig, einige über siebzig und einer fast neunzig Jahre alt waren, bis zur Brust unbekleidet, mit Striemen bedeckt und von Blut überströmt. Aber bei allen Schlägen und Qualen kam kein anderes Wort über ihre Lippen als Gebet für ihre Feinde, Lobpreis Gottes und herzlicher Dank oder Empfehlung ihrer Seele in die Hände des Heilandes und die Bitte um standhafte Ausdauer in ihrem harten Kampf.

 

In Brielle wurden sie nach vielen Qualen und Verhöhnungen in einen unterirdischen, schmutzigen Kerker geworfen, wo sie zwei Leidensgefährten, Pfarrer aus der Nähe, vorfanden. Zwei Prämonstratenser kamen noch hinzu, so dass 23 Menschen in dem schrecklichen Loch eingepfercht waren.

 

Am Nachmittag des 7. Juli wurden sie alle in das Rathaus zum Verhör geschleppt. Drei von ihnen ließen sich zum Abfall verleiten, die anderen blieben fest. Dann wurden sie in einen anderen Kerker geführt.

 

Tags darauf mussten die sieben angesehensten Priester von ihnen zu einem neuen Verhör erscheinen. Zwei kalvinische Prediger sollten die Bekenner zum neuen Glauben überreden; man bat und beschwor sie, öffentlich den Gehorsam gegen den Papst aufzukündigen und den Glauben an die Gegenwart Christi in der Eucharistie aufzugeben. Aber die Märtyrer wussten zu gut, dass Papsttum und Eucharistie zu den starken Pfeilern des katholischen Glaubens gehören; es wurde ihnen nicht schwer, diesen Glauben zu verteidigen.

 

Zwei Brüder des Pater Guardians Nikolaus Piek gaben sich alle erdenkliche Mühe, wenigstens diesen zum Abfall vom Papsttum zu bringen; ihre Bemühungen hatten keinen Erfolg.

 

Am Abend des 8. Juli gab der Admiral Graf Lumnius den Befehl, alle Gefangenen unverzüglich aufzuhängen, und übertrug die Ausführung dem Johann von Omal.

 

Mitten in der Nacht brachen die Soldaten in das Gefängnis ein und fesselten die Märtyrer. Als Ort der Hinrichtung wählten die Häscher das zerfallene Kloster Ten Rugge, dicht vor der Stadt, wo einer der Märtyrer, Johann von Ferweyk, Priester aus dem Augustinerorden, viele Jahre glücklich verlebt hatte. Jetzt stand nur noch eine Scheune, alles übrige war von den Geusen verbrannt worden. In der Scheune waren zwei Dachbalken, lang genug, um alle Gefangenen daran aufzuhängen.

 

Vor dem Ort der Hinrichtung angekommen, warfen sich die Märtyrer alle auf die Knie zum Gebet und ermahnten sich gegenseitig zur Standhaftigkeit. Zuerst ergriffen die Soldaten den Guardian, der seine Brüder umarmte und küsste und mit den kräftigsten Worten und glühendstem Eifer Mahnungen ihnen zurief, bis der Strick seine Stimme erstickte. Nach ihm traten die übrigen einer um den anderen heran. Die meisten bestiegen die Leiter unter Worten der Liebe zu Gott, des Trostes für die Gefährten und unter Gebeten für ihre Peiniger. Alle bis auf einen blieben standhaft. Es waren elf Franziskaner, darunter neun Priester und zwei Laienbrüder, zwei Prämonstratenser, ein Augustiner, ein Dominikaner und vier Weltpriester, zusammen 19, die für ihren Glauben ihr Leben hingaben.

 

Die Soldaten schändeten die Leichen der Märtyrer in unsagbarer Weise, bis es einigen Katholiken gelang, sie am Ort des Martyriums zu begraben. Dort blieben die Reliquien bis zum Jahr 1615, wo sie erhoben und nach Brüssel in die Kirche Sankt Gudula übertragen wurden. Drei Jahre später erfolgte ihre feierliche Beisetzung in der dortigen Franziskanerkirche.

 

Die vielen Wunderzeichen, durch die Gott sie verherrlichte, bewogen Papst Klemens X., sie im Jahr 1675 seligzusprechen. Papst Pius IX. erklärte im Jahr 1867 beim achtzehnten Jahrhundertgedächtnis der Apostelfürsten die standhaften Bekenner des päpstlichen Primates und der heiligen Eucharistie als „heilige Märtyrer“.

 

Die Heiligen von Gorkum sind wirkliche Märtyrer. Was ihre Verfolger in ihnen treffen wollten, war nicht ihre Treue gegenüber Spanien, sondern ihr geistliches Kleid, das sie als amtliche Vertreter der „verhassten alten Kirche“ kennzeichnete. Vielleicht hätte man das an ihnen noch ertragen, aber dass sie die von den Neuerern geleugneten beiden Grundwahrheiten des katholischen Glaubens, die wirkliche Gegenwart Christi im allerheiligsten Altarsakrament und den Vorrang des römischen Papstes bekannten und verteidigten, das gab die Entscheidung für ihre Gefangenschaft und damit für ihren Tod. So starben sie, während ringsum ein ganzes Volk seinen Glauben fallen ließ, treu ihrer Überzeugung und verklärten durch ihr Sterben noch die dunkelste Stunde in der Geschichte ihrer niederländischen Heimat. Ihre Standhaftigkeit inmitten der tiefsten Schmach und der ausgesuchtesten Qualen reiht sie ebenbürtig den glorreichen Blutzeugen der alten Kirche an. Ihre so rührend schlichte, aber gerade darum so ergreifende Glaubenstreue stellt sie für uns alle zum begeisternden Vorbild auf.