Der heilige Guinail, zweiter Abt von Landevenec in Bretagne, + 3.11.570 - Fest: 3. November

 

Der heilige Guinail, Romals und Lecticas Sohn, die beide von hohem Adel waren, wurde in dem Kloster Landevenec unter der Leitung des heiligen Winwaloeus, des ersten Abtes dieser Genossenschaft erzogen. Später widmete er sich in dieser Abgeschiedenheit dem beschaulichen Leben und wurde durch seinen Eifer ein Muster für alle seine Brüder. Der heilige Winwaloeus bestimmte ihn daher kurz vor seinem Tod zu seinem Nachfolger. Allein Guinail gab zu dieser Wahl nicht eher seine Einwilligung, bis man ihm versprach, nach sieben Jahren ihm seine Freiheit wiederzugeben.

 

Nach Verlauf dieser Zeit ging er mit 12 Ordensbrüdern nach England, in der Hoffnung, da den Menschen gänzlich unbekannt zu leben. Allein der Glanz seiner Tugenden und Wunder verbreitete sich bald weit umher. Er predigte an den Küsten von England das Evangelium und drang bis nach Irland vor, um auch da die Lehre Jesu Christi zu verkündigen. Es gelang ihm, viele Seelen den Finsternissen der Abgötterei zu entreißen und viele in das Laster versunkene Christen zur Besserung zurückzuführen. Ebenso stellte er in mehreren Klöstern die verfallene Zucht wieder her.

 

In der Folge kehrte er wieder nach Bretagne zurück, aus Furcht, sein hoher Ruf von Heiligkeit möchte in ihm eitle Gesinnungen erregen. Ein Edelmann aus dem Bistum Quimper, in dem die Abtei Landevenec lag, gab ihm einen Platz zur Erbauung eines Klosters. Nach diesem gründete er noch ein anderes auf der Insel Groie. Stets jedoch nach Verborgenheit strebend, entwich er auf die Insel Cornwall. Aber auch da wurde er entdeckt und genötigt Schüler aufzunehmen, denen er ein neues Kloster erbaute. An letzterem Ort starb er schließlich am 3. November im Jahr 570 und wurde in das Klosterbethaus, das eigentlich nur eine Einsiedelei war, begraben. Seine Ruhestätte verherrlichte Gott durch verschiedene Wunder. Drei Jahrhunderte danach wurde sein Leib erhoben und in der neuen Klosterkirche beigesetzt. Im Jahr 966 trugen die Ordensmänner, aus Besorgnis vor den mit dem Herzog der Normandie verbundenen Dänen, Misshandlungen erdulden zu müssen, die sterblichen Überbleibsel ihres geistlichen Vaters fort, und schlossen sich jenen an, die mit den Leibern des heiligen Maglorius und Samson u.a.m. nach Paris kamen, wo man alle der Kirche zum heiligen Bartholomäus anvertraute. Kurze Zeit später erhielt der Probst von Paris, Teugdon oder Theodulph genannt, den Leib des heiligen Guinail, den er in sein bei der Pfarrei Courcouronne, Bistum Paris, gelegenes Landhaus brachte. Dort erbaute man denn eine Kapelle unter der Anrufung des Heiligen. Aber da man diesen köstlichen Schatz an diesem Ort noch nicht sicher genug glaubte, trug man ihn nach Corbeil und legte ihn in eine Kapelle der Vorstadt St. Jakob. Im Jahr 1007 versetzte man diese Reliquien in eine Kirche derselben Stadt, die der Graf Buchard unter dem Namen des Heiligen hatte erbauen lassen. Diese Kirche bedienten vier Kanoniker, bis Ludwig der Dicke sie 1134 zu einem Priorat regulierter Chorherren, abhängig von der Abtei St. Victor in Paris, erhob.

 

Der heilige Guinail wird zu Vannes unter dem Namen St. Guenael verehrt, und der Dom dieser Stadt rühmt sich, zum Besitz eines Teils seiner Reliquien gelangt zu sein.