Der heilige Guarinus, Kardinal von Palestrina, + 6.2.1159 – Fest: 6. Februar

 

Der heilige Guarinus wurde am Ende des elften Jahrhunderts zu Bologna aus einer adeligen Familie geboren und erhielt von seinen frommen Eltern eine so gottesfürchtige Erziehung, dass er schon als zartes Kind alles Ansehen vor den Menschen und die irdischen Güter verachtete und nur nach Frömmigkeit und Tugend strebte. Nach dem Tod seiner Eltern beraubten ihn seine Blutsverwandten aller seiner Güter und zwangen ihn zum geistlichen Stand, obwohl er sich gemäß seiner tiefen Demut für zu unwürdig hielt, Gott am Altar zu dienen. Nach einer langwierigen Selbstprüfung erhielt er die heiligen Weihen und die Stelle eines Domherrn an der Kirche von Bologna; aber die freien Sitten und die weichliche Lebensart der dortigen Geistlichkeit erfüllte ihn mit einem solchen Widerwillen, dass er entfloh und in größter Armut teils in Einöden lebte, teils die einsamen Klöster besuchte, um sich durch das Beispiel und die frommen Gespräche gottseliger Ordensmänner immer mehr in seinem Vorsatz zu stärken, die Welt ganz zu verlassen und sich dem Dienst Gottes und dem Streben nach christlicher Vollkommenheit zu widmen. Diesen Entschluss führte er schließlich aus und wählte das Kloster Mortaria zu seinem Aufenthalt, wo er in einer armen Mönchskleidung eine Felsenhöhle bewohnte, in der er Tag und Nacht dem Gebet und der Lesung und Betrachtung der Heiligen Schrift oblag. Sein Gemüt wurde in dieser Zeit mit einem solchen himmlischen Trost erfüllt, dass er oft in der Folge unter Vergießung schmerzlicher Tränen versicherte, damals habe er die ganze Welt vergessen und seine Seele sei vollkommen mit Gott vereinigt gewesen.

 

Aus Gehorsam gegenüber seinen Oberen musste er schließlich seine Einsamkeit wieder verlassen und in seine Stelle als Domherr zurückkehren, wo sich bald der Ruf seines heiligen Lebens so sehr verbreitete, dass ihn die Geistlichkeit und die Gläubigen zu Pavia zu ihrem Bischof erwählten und ihn, weil es bekannt war, wie sehr er jede Würde und alles Ansehen floh, so lange in seiner Wohnung bewachen ließen, bis sie Anstalten gemacht hatten, ihn feierlich durch eine Gesandtschaft abholen zu lassen. Aber der demütige Diener Gottes entfloh seinen Wächtern dadurch, dass er bei Nacht durch ein Fenster stieg und wieder zu seinem Kloster eilte, das er endlich auf den ausdrücklichen Befehl des Papstes Lucius II. verlassen musste, indem er ihn im Jahr 1144 zum Cardinal-Bischof von Präneste ernannte, nachdem er vierzig Jahre lang als Ordensmann gelebt hatte. Weil der Papst als sein Landsmann die Armut des frommen Guarinus kannte, schenkte er ihm einen kostbaren Wagen mit prächtigen Pferden bespannt, samt dem ganzen Vorrat einer bischöflichen Einrichtung, damit er seiner Würde gemäß in Präneste seinen Einzug halten konnte. Aber der Heilige machte diese Geschenke zu Geld und verteilte es unter die Armen. Als Kardinal änderte er sein Leben nicht im Geringsten, als dass er noch demütiger und wegen der vielen kirchlichen Geschäfte noch wachsamer wurde. Als getreuer Nachfolger der Apostel, predigte er selbst seiner ihm anvertrauten Herde das Wort Gottes, spendete die heiligen Sakramente aus und tröstete die Kranken und Sterbenden auf ihren Schmerzenslagern. Mit eigenen Händen linderte er das Elend der Armen und deckte die Blöße der Witwen und Waisen. Kurz vor seinem Tod empfing er mit innigstem Verlangen nach der Vereinigung mit Jesus die heiligen Sterbesakramente und nachdem er seine Geistlichen, die sein Sterbelager umgaben, mit größter Rührung zu einem heiligen Lebenswandel ermahnt hatte, wurde er durch ein himmlisches Licht verherrlicht und seine reine Seele schied in das Reich der ewigen Seligkeit im Jahr 1159. Sein Leichnam wurde in der Kirche und neben dem Grab des heiligen Martyrers Agapitus beerdigt und Papst Alexander III. setzte ihn unter die Zahl der Heiligen.