Der heilige Papst Gregor VII., + 25.5.1085 - Fest: 25. Mai

 

Am ehesten kommt man an den heiligen Papst Gregor VII. heran, wenn man vom Kirchengebet im Schott ausgeht. Es heißt da nämlich, „Gott habe ihn mit ausdauernder Kraft gestärkt, damit er die Freiheit der Kirche schütze“. War denn die Freiheit der Kirche bedroht? Ja, die Kirche lag damals in Ketten. Das ist so zu verstehen, dass sich die Kaiser und Könige jener Zeit unerlaubterweise in die kirchlichen Angelegenheiten einmischten. Die weltlichen Herren maßten sich zum Beispiel das Recht an, in ihren Ländern die Bischöfe zu ernennen, obwohl es doch klar auf der Hand liegt, dass dieses Recht nur dem Papst als dem Nachfolger des heiligen Petrus zusteht, dem allein Christus das Hirtenamt übertragen hat.

 

Die Kaiser und Könige setzten sich also über das päpstliche Recht hinweg. Das wäre an sich noch nicht schlimm gewesen, wenn die weltlichen Herren gute, fähige, fromme und würdige Männer ohne Ansehen der Person zu Bischöfen ernannt hätten. Das taten sie aber teilweise nicht, vielmehr erhoben sie diejenigen zu den hohen Kirchenämtern, die sich am tiefsten vor ihnen duckten oder ihnen am meisten Geld für die Verleihung der Bischofswürde boten. Die kirchlichen Stellen wurden also regelrecht verschachert, und man schaute nicht einmal darauf, ob der Käufer überhaupt Priester war. Dass solche Mietlinge die Herde Christi nicht hüten konnten, ist leicht einzusehen, und dass sie ungeheures Unheil anrichteten, ist ebenso klar. Die Kirche war demnach ihrer Freiheit in der Besetzung der obersten Kirchenämter beraubt. Das war die Zeit, in der Gregor VII. lebte.

 

Hildebrand hieß Gregor VII., bevor er Papst wurde. Als Sohn eines Schreiners wurde er 1021 in Italien geboren und in Rom in einem Kloster erzogen. Später trat er in den Benediktinerorden ein. Bald tauchte er in der Umgebung des Papstes auf, und fünf Päpsten, die sich rasch nacheinander in der Leitung der Kirche folgten, diente er als Ratgeber und Gehilfe. Als einer von diesen fünf Päpsten, Gregor VI., nach Köln am Rhein verbannt wurde, aß auch der Mönch Hildebrand mit seinem Herrn das Brot der Fremde, bis er selbst am 22. April 1073 unter dem Namen Gregor VII. den päpstlichen Thron bestieg. Eine der ersten Amtshandlungen des neuen Papstes bestand darin, dass er alle diejenigen, die fürderhin ohne seine ausdrückliche Zustimmung kirchliche Amtsstellen verkauften oder kauften, mit dem Bann und mit dem Ausschluss aus der Kirche bedrohte. Es war eine mutige Tat, aber derjenige, der sie vollführte, hatte damit in ein Nest von Wespen gegriffen, die ihn, solange er lebte, nicht mehr zur Ruhe kommen ließen.

 

Gregors gefährlichster Widersacher war der deutsche König Heinrich IV., der sich in der Geschichte nicht des besten Rufes erfreut, denn er war ein leidenschaftlicher, hemmungsloser Mensch, der nicht immer gerade Wege ging. Dieser Mann kümmerte sich nicht einen Deut um die päpstliche Verordnung, sondern setzte nach wie vor Bischöfe ein und ab, und als der Papst väterlich mahnte und warnte, erhielt er von Heinrich einen groben Brief mit der verächtlichen Anschrift „An den Mönch Hildebrand“, und weiter standen in diesem Brief die bösen Worte: „Steig herab von deinem Sitz, ich befehle es dir.“

 

Was konnte der Papst da anderes tun, als den frechen Absender zu bannen? So geschah es auch. Heinrich IV. wurde von der Kirche ausgeschlossen, und die Untertanen kehrten sich von ihm ab. Da ging der König scheinbar in sich, reiste in höchster Not nach der Burg Canossa in Italien, wo sich Gregor VII. gerade aufhielt, und bat den Papst, ihn aus dem Bann zu lösen. Hochherzig wurde der Bitte entsprochen, aber Heinrich IV. meinte es anscheinend nicht ehrlich, denn als er nach Deutschland zurückkehrte, trieb er es ärger noch als vorher. Schließlich setzte er sogar den Papst ab und zog mit einem Heer gegen Rom, so dass Gregor VII. in die italienische Stadt Salerno flüchten musste, wo er im folgenden Jahr starb. Die letzten Worte des großen Mannes lauteten: „Ich habe die Gerechtigkeit geliebt und das Unrecht gehasst, deshalb sterbe ich in der Verbannung.“

 

Nach außen hin musste Gregor VII. seinen Zeitgenossen als ein Besiegter erscheinen, in Wirklichkeit aber war er doch der Sieger, denn heute ernennt einzig nur der Papst die Bischöfe, und damit ist ein für allemal auch die Gewähr gegeben, dass nur solche Männer zu den höchsten kirchlichen Würden emporsteigen, die des hohen Amtes würdig sind.