Der heilige Gregor der Wundertäter, Bischof von Neucäsarea im Pontus, + 17.11.271 - Fest: 17. November

 

Der Beiname des heiligen Gregor deutet darauf hin, dass wir es hier mit einer echten Legende zu tun haben. Gregor ist allerdings eine geschichtliche Person, er lebte im 3. Jahrhundert, war von Geburt kein Christ, bekehrte sich als junger Mann zum Christentum, wurde Priester und später der erste Bischof in seiner Heimatstadt Neu-Cäsarea am Schwarzen Meer. Bischof Gregor war ein gelehrter Mann, der auch Bücher geschrieben hat, die noch vorhanden sind und aus denen hervorgeht, dass er klug und ernst war und genau den Glauben besaß, der nach den Worten von Jesus Christus Berge versetzen kann.

 

Mit einem versetzten Berg beginnt denn auch die eigentliche Legende des Heiligen. Die Geschichte ereignete sich folgendermaßen. Gregor wurde, wie erwähnt, der erste Bischof in seiner Vaterstadt. Als er das hohe Amt antrat und seine Christen zählte, stellte es sich heraus, dass es ganze siebzehn waren. Selten hat ein Bischof eine solch kleine Herde zu hüten gehabt, aber was klein ist, kann wachsen, und so ging es auch mit dem Senfkörnlein der jungen Christengemeinde in Neu-Cäsarea. Durch die Wohltätigkeit, die Liebenswürdigkeit und die Predigt des Bischofs nahm die Zahl der Gläubigen schnell zu, und bald ergab sich die Notwendigkeit, eine größere Kirche zu errichten, die Raum für alle bot.

 

Man begann also mit dem Bau. Und während man baute, vervielfältigten sich die Bekehrungen derart schnell, dass das neue Gotteshaus, wenn man so weiterbaute, bei der Fertigstellung bereits wieder zu klein gewesen wäre. Notgedrungen musste man daher den Bau noch während des Baues erweitern. Das war leicht gesagt, aber schwer zu bewerkstelligen, denn ein angrenzender Berg stoppte alle Vergrößerungspläne. Da war wirklich guter Rat teuer.

 

Bischof Gregor überlegte mit dem Baumeister und sprach mit den Maurern, aber alle erklärten ihm nur, dass man entweder auf den Erweiterungsbau verzichten oder den Berg verschieben müsse. Weil letzteres nach menschlichem Ermessen undenkbar war, lächelten die Handwerker spöttisch, als sie diese unmögliche Möglichkeit erwähnten. Der Bischof lächelte nicht, vielmehr kam ihm plötzlich der Gedanke an die Worte von Jesus Christus in den Sinn, von denen das Evangelium berichtet. Es heißt da:

 

Habt Glauben an Gott! Wahrhaft, ich sage euch, wer zu diesem Berg sagt: „Heb dich hinweg und stürz dich ins Meer!“ und wer dabei in seinem Herzen nicht zweifelt, sondern glaubt, dass alles, was er sagt, geschehen werde, dem wird es in Erfüllung gehen. Darum sage ich euch: Bei allem, was ihr auch im Gebet erflehen möget, glaubt nur, dass ihr es erhaltet, so wird es euch zuteilwerden.

 

An diese Worte dachte Bischof Gregor in seinen Bausorgen, und gleich war es ihm klar, dass gebetet werden musste. Da betete er, betete aber nicht so oberflächlich, sondern betete, wie Heilige beten, ohne Unterlass und mit einem Vertrauen, das noch fester war als Felsgestein. Er betete, in seinem Zimmer auf den Knien liegend, die ganze Nacht hindurch und erinnerte Jesus Christus an sein Wort, dass ein vertrauensvolles Gebet Berge versetzen könne. Erst als der Morgen graute, erhob sich der stürmische Beter, feierte in der gleichen Meinung die heilige Messe und legte sich anschließend nieder, um nach der durchwachten Nacht ein Stündchen zu ruhen.

 

Kaum jedoch lag Gregor im ersten Schlaf, da wurde er plötzlich geweckt. Es klopfte einer draußen an der Zimmertür so heftig und laut, dass man meinen konnte, es donnere, und eine Stimme – es war die Stimme des Baumeisters – rief: „Herr Bischof, komm, komm schnell! Es hat sich etwas Seltsames zugetragen! Herr Bischof, komm, komm schnell!“

 

Gregor aber beeilte sich gar nicht, denn was geschehen war, wusste er bereits. Als er mit dem Baumeister den Bauplatz erreichte, sah er, dass sein Gebet Wirklichkeit geworden war. Der Berg hatte sich zurückgeschoben und sogar noch mehr Platz freigegeben, als eigentlich nötig war. Die Maurer lächelten nicht mehr spöttisch, und alle Leute aus der Stadt waren gekommen, und auf das Wunder hin bekehrten sich bis auf siebzehn, die nicht Christen werden wollten. So mussten die Pläne noch einmal vergrößert werden, und es stellte sich heraus, dass der Berg so weit zurückgegangen war, wie es der zweimal vergrößerte Bauplan verlangte.

 

Noch andere Wunder von ähnlicher Art wirkte Bischof Gregor in Menge. Daher heißt er auch Wundertäter. Das schönste Wunder jedoch, das er vollbrachte, war das Wunder von dem versetzten Berg.