Der heilige Gordius, Römischer Hauptmann und Martyrer von Cäsarea, + 3.1.304 - Fest: 3. Januar

 

Der heilige Basilius der Große hielt an einem 3. Januar eine Rede an seine Christengemeinde, in der er den Martertod des heiligen Gordius auf folgende Weise erzählte. Gordius war zu Cäsarea in Cappadocien gebürtig und hatte sich durch seine ausgezeichneten Tugenden und durch seinen Heldenmut bis zur Würde eines Hauptmanns beim kaiserlichen Kriegsheer aufgeschwungen. Galerius Maximian hatte nach dem Tod des Diokletian die Alleinherrschaft des morgenländischen Kaisertums an sich gerissen, und weil ihm von jeher die Religion Jesu verhasst war, beschloss er eine der grausamsten Verfolgungen gegen ihre Bekenner und ließ das Gesetz öffentlich bekanntmachen, dass bei Todesstrafe alle seine Untertanen Jesus verleugnen und die Götzenbilder anbeten sollten. Zugleich wurden alle christlichen Kirchen zerstört, die Altäre und heiligen Gefäße mit unheiligen Händen zerschlagen und alle standhaften Glaubensbekenner unmenschlich gemordet.

 

Mit blutendem Herzen sah Gordius diesen Gräuel der Verwüstung, und weil er den verfolgten Christen auf keine Weise ihr hartes Schicksal lindern konnte, tat er Verzicht auf seine Würde und Reichtümer, verließ die Stadt und floh in eine Wüste, wo er sich ganz dem Dienst Gottes und den Betrachtungen über göttliche Dinge weihte. Nachdem er sich durch Fasten und Gebet zum bevorstehenden Todeskampf gestärkt hatte, trat er aus seiner Einsamkeit hervor und erschien zu Cäsarea an eben dem Tag, wo auf dem Marsfeld feierliche Spiele zur Ehre der Götter gehalten wurden. Auf Befehl des Kaisers musste alles Volk dabei erscheinen und Heiden, Juden und Christen füllten den Schauplatz. Schon hatten die Spiele ihren Anfang genommen, als Gordius – ein schrecklicher Anblick! – mit verwildertem Angesicht, in zerrissenen Kleidern und einen großen Knotenstab in den Händen, mitten unter den Zuschauern auf einem erhöhten Platz erschien und laut Stillschweigen gebot. Dann trat er mutig zu dem Sitz des heidnischen Richters und sprach: „Ich bin Gordius, ein Hauptmann des Kaisers! und kehrte aus dem Ort meiner Zuflucht zurück, um Jesus öffentlich zu bekennen, und dir zu zeigen, dass ich deine Befehle verachte. Da ich hörte, dass du an Grausamkeit alle wilden Tiere weit übertriffst, so mache deinen Versuch an mir.“

 

Der Richter brannte vor Zorn und schrie wütend: „Henker, bereitet alle Arten von Marterwerkzeugen! Zündet Scheiterhaufen an und lasset die wilden Tiere los!“ Ihm entgegnete der heldenmütige Bekenner: „O wenn ich tausendmal sterben könnte zur Ehre meines Jesus, wie gerne wollte ich dies! denn Gott ist mein Schutz, und so fürchte ich die Übel nicht, die mir Menschen zufügen können.“ Mehrere Heiden, als sie den braven Hauptmann erkannten, redeten ihm zu, er möchte seinen Glauben verleugnen und den Göttern opfern. Ja selbst der Richter wendete alle seine Beredsamkeit an, ihn von seinem Vorhaben abzubringen und dem Heidentum den Sieg zu verschaffen. Aber der Heilige schrie, erfüllt vom sehnlichsten Verlangen, mit Jesus vereinigt zu werden, laut auf: „Warum zaudert ihr Unmenschen, mich zu morden! Zerstückelt meinen Körper zu kleinen Teilen und raubet mir meine selige Hoffnung nicht. Je mehr ich leide auf dieser Welt, desto größer ist mein Lohn jenseits.“ Als er schließlich die Christen zur Standhaftigkeit und die Götzendiener zur Bekehrung zum wahren Gott rührend ermahnt hatte, bezeichnete er sich mit dem heiligen Kreuz und ging mit heiterer und freudiger Miene dem Richtplatz entgegen, wo er nach vielen Martern schließlich enthauptet wurde am 3. Januar 304.