Der heilige Godehard / Gotthard, Bischof und Bekenner von Hildesheim, + 5.5.1038 – Fest: 5. Mai

 

Gottes Vorsehung erwählt oft das Kleine, um damit Großes zu erreichen. Dies sehen wir recht deutlich im Leben des heiligen Godehard oder Gotthard. Er wurde um das Jahr 960 zu Reichersdorf in Niederbayern von frommen, aber armen Bauersleuten geboren. Frühzeitig schickten ihn seine Eltern in die Klosterschule von Niederaltaich, die wegen der Wissenschaft und Frömmigkeit seiner Bewohner in hohem Ansehen stand. Godehard zeichnete sich vor allen seinen Mitschülern durch Fleiß, Bescheidenheit, Sittsamkeit und tüchtige Fortschritte in den Wissenschaften aus. Alte Gemälde stellen ihn dar, wie er als Ministrant im Eifer des Gehorsams über die Wasser der ausgetretenen Donau trockenen Fußes gegangen sei und glühende Kohlen im Chorröckchen, ohne es zu verbrennen, herbeigeholt habe. Der Erzbischof Friedrich von Salzburg, der ein Stift vom Herzog von Bayern zu Lehen trug, nahm den vielversprechenden Jungen an seinen Hof und ließ ihn drei Jahre lang in den höheren Wissenschaften unterrichten.

 

Nachdem Godehard vom Bischof Pilgrin von Nassau zum Diakon geweiht war, kehrte er nach Altaich zurück und erhielt – so groß war die Liebe und das Vertrauen zu ihm – die Vorstandschaft an der Münsterkirche. Der Herzog Heinrich von Bayern wandelte im Jahr 990 Niederaltaich in ein Benediktinerkloster um. Sogleich nahm Godehard das Ordenskleid und zeichnete sich durch seinen strengen Bußeifer, durch Demut, Gottesliebe und Berufstreue so sehr aus, dass ihn seine Ordensbrüder nach dem Tod des ersten Abtes Erchanbert zu dessen Nachfolger erwählten. Unter seiner ebenso kräftigen als weisen Leitung entfaltete sich das Klosterleben in Altaich zur schönsten Blüte und ein solcher Segen wurde sichtbar, dass der Herzog und spätere Kaiser Heinrich II. in Verein mit den Bischöfen ihm die Reform der Klöster Tegernsee, Hersfeld und Kremsmünter übertrug. So schwierig diese Aufgabe war, so gelang es ihm doch durch Gottvertrauen, Gebet und erbauliches Beispiel die gesunkene Ordenszucht wiederherzustellen, die Missbräuche abzuschaffen, einen neuen Ordensgeist einzupflanzen und christlich-religiöse Bildung und Gesittung zu fördern. Vierundzwanzig Jahre rastloser Tätigkeit, vielfacher Sorgen und Kämpfe hatte Godehard mit dem glücklichsten Erfolg auf die Umgestaltung dieser Klöster verwendet. Er sehnte sich nach Ruhe, um seine letzten Lebenstage in der Stille seines geliebten Klosters Altaich sich auf einen seligen Tod vorzubereiten und für die Blüte in Kunst und Wissenschaften an seiner geliebten Klosterschule Sorge zu tragen. Allein Gott wollte den demütigen Nachfolger des heiligen Benedikt noch auf einen höheren Leuchter stellen.

 

Wie die Legende erzählt, hatte Godehard ein wunderbares Traumgesicht. Er sah sich selbst unter einem großen Ölbaum im eifrigen Lesen sitzen. Fremde, würdige Männer kommen im Namen des Königs, den Baum zu verpflanzen, aber je tiefer sie graben, desto tiefer und verzweigter finden sie die Wurzeln. Da hauen sie mit Äxten die Wurzeln ab, und plötzlich erwächst aus jeder Wurzelfaser, die stehen geblieben war, ein neuer Sprössling, dass ein Ölwald den ganzen Raum erfüllt und von nah und fern Leute kommen und Pflanzenreiser für ihre Gärten holen. Dieses Traumgesicht sollte bald zur Wahrheit werden. Der schon sechzigjährige Godehard wurde aus der Ruhe seines Klosters, an dem er mit unendlicher Liebe hing, noch einmal in ein neues Feld verpflanzt, doch sein geistiger Nachwuchs trieb üppig und freudig und seine Schüler trugen die Keime, die er gepflegt hat, und den Ruhm ihres Lehrers in die weitesten Kreise.

 

Der heilige Bischof Bernward von Hildesheim war im Jahr 1022 gestorben. Kaiser Heinrich II., der gerade in seiner sächsischen Pfalz Grona Hof hielt, lenkte sofort sein Auge auf seinen geliebten Abt Godehard, und obwohl dieser sich anfangs gegen eine so späte Versetzung in ein fremdes Land und einen neuen Wirkungskreis sträubte, so ließ er sich doch endlich durch den Wunsch des Kaisers und die Bitten der Bischöfe bewegen, die Wahl, die er für eine göttliche Bestimmung hielt, demütig anzunehmen. Der Mainzer Erzbischof Aribo weihte im Advent 1022 Godehard zum Bischof von Hildesheim.

 

Hatte Godehard schon als Abt seines lieben Klosters Altaich auf die Verbesserung der Schulen, auf den Eifer im Studium, auf die Zierde der Gotteshäuser durch christliche Kunstwerke großen Fleiß verwandt, so ließ er als Bischof das gleiche Ziel nicht aus den Augen. Viele Kirchen baute er neu auf, die alten und schmucklosen zierte er aus und befahl streng die Reinlichkeit in Tempeln, kirchlichen Geräten und Gewändern. Die Geistlichen hielt er zu wissenschaftlichem Streben, strenger Zucht und gediegener Frömmigkeit an. Für die Armen opferte er seinen letzten Heller. Das von ihm gegründete Spital besuchte er fleißig, tröstete die Gebrechlichen und stand den Sterbenden bei. Den Landstreichern und trägen Bettlern gestattete er aber höchstens zwei Tage Aufenthalt und mahnte sie ernst zu ordentlicher Lebensweise.

 

Aus seinem Antlitz leuchtete Gottesliebe, Menschenfreundlichkeit und Herzensreinheit, sein ganzer Lebenswandel war eine stumme, aber eindringliche Predigt an das Volk.

 

So liebreich und nachgiebig der heilige Bischof sonst war, so vergab er doch nichts von seinen Rechten. Als Aribo, der Erzbischof von Mainz, ihm die Gerechtsame über das Kloster Gandersheim streitig machen wollte, verteidigte Godehard sein Recht mit aller Entschiedenheit und Klugheit und brachte es dahin, dass Aribo sein Unrecht einsah und ihn um Verzeihung bat.

 

Siebzehn Jahre hatte Godehard den Hirtenstab geführt und unermüdlich gearbeitet. In einem Alter von 74 Jahren sehnte er sich nach nichts mehr, als aufgelöst zu werden und bei Christus zu sein. Nachdem er die vierzigtägige Fasten noch streng gehalten hatte, empfing er die heiligen Sterbesakramente, , ließ sich von vier Chorknaben die heiligen Tagzeiten vorsingen und gab während des Psalmengesanges am 5. Mai 1038 seinen Geist auf.

 

Seine Leiche wurde im Hildesheimer Dom beigesetzt.

 

War der heilige Godehard schon bei Lebzeiten durch die Gabe der Wunder von Gott ausgezeichnet, so wallfahrteten nach seinem Tod zahllose Menschen zu seinem Grab, um in ihren Anliegen durch die Fürbitte des Heiligen Erhörung zu finden. Papst Innocenz II. versetzte ihn im Jahr 1131 unter die Heiligen. Ihm zu Ehren erhob sich bald nach der Heiligsprechung im Süden der Stadt eine Benediktinerabtei mit herrlicher byzantinischer Kirche, die mit der Bernwardschen Michaelskirche im Norden der Stadt Hildesheim die alte Bischofsstadt gleichsam unter ihre schützenden Flügel nimmt.

 

Der Name des heiligen Godehard wurde weit über die Grenzen von Bayern und Sachsen hinaus gefeiert. Auf der Höhe des Gotthardpasses, der von ihm den Namen trägt, betete vor Zeiten der deutsche Kaufmann und Pilger in der ihm geweihten Kapelle. Im Dom zu Mailand hörte er an Godehards Namensfest sogar in einer eigenen Präfation seine Tugenden und Taten preisen, fand im Dom zu Genua eine Kapelle und eine Bruderschaft, die älteste der Stadt, zu Ehren des heiligen Bischofs. Ungarn, Polen und Holland errichteten Denkmale und Statuen zu Ehren des heiligen Godehard.