Der heilige Germanus, Abt und Martyrer von Grandval bei Basel, + 21.2.666 – Fest: 21. Februar

 

In stiller Waldeinsamkeit erblüht manche schöne Blume, die dem Auge der Menschen verborgen bleibt, aber der Tau des Himmels begießt sie und die goldenen Strahlen des Tagesgestirns begrüßen sie und ruhen darauf mit innigem Wohlgefallen. Eine solche stille Waldblume war der heilige Germanus, ein Sohn des adligen und hochangesehenen Bürgermeisters Othmar von Trier. Von den vier talentvollen Söhnen Othmars bekleidete sein gleichnamiger Sohn eine hohe Stelle am Hof des Königs Dagobert, Sigebert widmete sich mit Auszeichnung dem Kriegsdienst, Numerian trat in den Orden des heiligen Benedikt, wurde später Bischof von Trier und ein großer Heiliger, der jüngste Sohn, German, zeichnete sich schon als Junge durch Demut, Gehorsam und Frömmigkeit aus.

 

Seiner frommen Eltern durch den Tod beraubt, verteilte der siebzehnjährige German sein reiches Erbe unter die Armen und suchte unweit Remiremont den heiligen Eremiten Arnold auf, der zuvor Bischof von Metz und Minister des Königs Dagobert I. gewesen war. Dieser Einsiedler prüfte den jungen Mann, der sein Schüler zu werden begehrte, mit strengen Bußübungen und riet ihm, das Ordenskleid des heiligen Benedikt im Kloster Remiremont zu nehmen. German fügte sich bereitwillig dem Rat des heiligen Einsiedlers und nahm so sehr an allen Tugenden zu, dass er seinen Ordensbrüdern zum Muster diente.

 

Einst besuchte ihn sein Bruder Numerian, der die Freuden des Lebens noch in vollem Maße verkostete. German redete ihm so liebevoll und eindringlich zu, dass er sich sofort entschloss, die Welt und ihre Freuden zu verlassen, um mit seinem Bruder innerhalb der Klostermauern nach Vollkommenheit zu ringen.

 

Um der Ehre zu entgehen, die ihm wegen seiner Anspruchslosigkeit und Demut zuteilwurde, verließ German Remiremont und bat um Aufnahme im Kloster Luxeul, dessen frommer und gelehrter Abt Walbert die seltenen Tugenden Germans bald entdeckte und ihn nötigte, sich zum Priester weihen zu lassen.

 

Als das Kloster Granfel am Fuß des Juragebirges von dem elsässischen Herzogs Gondon neu hergestellt wurde, schickte Walbert aus seinem Kloster mehrere Mönche dorthin und stellte ihnen den geliebten German als Abt vor. Zugleich übertrug er seiner Leitung noch die beiden Klöster St. Ursitz im Kanton Bern und St. Paul zu Schönenwerth im Kanton Solothurn. Durch seine kluge Umsicht und liebevolle Fürsorge brachte German die ihm anvertrauten Klöster zu hoher Blüte. Die Klosterbrüder und das benachbarte Volk ehrten ihn wie einen Vater.

 

Wie allen treuen Dienern Gottes, sollten auch dem hochverdienten Abt German schwere Prüfungen nicht erspart werden. Der Nachfolger des frommen Herzogs Gondon, der rohe und schwelgerische Herzog Bonifatius, beraubte die Kirchen und Klöster, die Städte und das Land. Unter erlogenen und nichtigen Vorwänden ließ er durch sein Raubgesindel das Münstertal verwüsten und ausplündern. Um der drohenden Gefahr zu entgehen, eilte German mit seinem Prior, dem heiligen Randoald, zum Herzog, um ihn durch Bitten, Vorstellungen und Geschenke zu bewegen, von seinen Ungerechtigkeiten abzustehen. Schon unterwegs wurden er und sein Begleiter von den Soldaten schwer misshandelt. Kaum gelang es ihm, zum Herzog zu kommen. Diesem klagte er freimütig die unerschwinglichen Brandschatzungen und Rohheiten seiner Söldlinge und beschwor ihn, Kloster und Volk zu schonen.

 

Der hinterlistige Herzog heuchelte Reue über das Geschehene, versprach Schadenersatz und entließ die Mönche mit scheinbarem Wohlwollen, aber auf der Rückkehr fielen die Soldaten über die beiden her, misshandelten sie mit teuflischem Mutwillen und durchbohrten sie mit ihren Lanzen am 21. Februar 666. Ihre Leichname wurden in der Klosterkirche beigesetzt und durch viele Wunder verherrlicht. Als in der Reformation 1531 das Kloster verwüstet wurde, flüchteten die Mönche und brachten die Reliquien des heiligen Germanus nach Delsberg im Berner Jura, wo sie in der Pfarrkirche noch heute verehrt werden.