Der heilige Gangolphus, Jäger und Martyrer zu Varennes, Frankreich, + 11.5.760 - Fest: 11. Mai

 

Auf seiner Pilgerfahrten einer kam

Der heilige Gangolph in Kampanien

Zu einem Brunnen, kostete des Wassers,

Und lobte Gott! es war so kühl und klar.

 

Des Brunnens Eigener kam daher und sprach:

Um hundert Pfenning ist der Brunn mir feil.

Der Heil´ge gab die hundert Pfenninge.

Zog fröhlich seines Wegs, gelanget endlich

Zu seiner Heimat in Burgundia,

Und fand die Gattin vor der Türe sitzen.

 

Frau, sprach er, freue dich, was uns gefehlt,

Hab ich gefunden in Kampania,

Den schönsten Brunnen weit und breit im Reich.

Um hundert Pfenning hab ich ihn gekauft.

 

Tor, sprach das Weib, was hilft ein Brunnen uns,

Der dreißig Meilen weit von hier entspringt?

 

Ruhig sprach Gangolph: Hast du nicht gelesen,

Was Christus sprach: So einer Glauben hat,

Nur eines Senfkorns groß, und spricht zum Berge:

„Berg, hebe dich von hinnen!“ folgsam wird

Der Berg sich heben. Solchem Wort vertrauend,

Hab ich den Quell gekauft in fernem Lande.

 

So sprach der fromme Pilger, nahm den Stab,

Stieß kräftig in den Grund hin – und im Nu

Sprang klafterhoch der schöne Wasserstrahl

Empor, kühl, silberhell, krystallenklar.

 

Noch immer springt und rinnt die Quelle dort;

Doch in Kampania war sie verschwunden.

 

Es war dieser heilige Gangolphus der Sohn einer der edelsten Familien Burgunds. Seine Eltern erzogen ihn sorgfältig in der christlichen Tugend. Er liebte in seiner Jugend zwar die Jagd; sah aber diese Übung nur als ein Mittel zur Vermeidung des Müßiggangs an, dessen Folgen so verderblich sind. Da er von Natur mutvoll und tapfer war, trat er unter dem König Pipin in den Kriegsdienst. Die Furcht Gottes aber begleitete ihn überall und er erlaubte sich nie etwas, das den Lehren des Christentums entgegen gewesen wäre.

 

Seine Gattin war ihm ganz unähnlich, frech und sittenlos. Sie ergab sich der schändlichsten Ausschweifung und zwang ihren Gemahl, sich von ihr zu trennen. Nach diesem widmete er sich strengen Bußübungen und liebte die Armen so zärtlich, dass er einen großen Teil seiner Einkünfte zur Erleichterung ihrer Not verwandte. Die böse Frau fürchtete sich, ihr Ehegatte möchte sich vor der Obrigkeit beklagen. Sie bewog also den Gefährten ihrer Laster, den unschuldigen Gangolph umzubringen. Dieses vollbrachte der Ruchlose den 11. Mai im Jahr 760.