Der heilige Fridolin, Missionar und Gründer von Kloster Säckingen, + 6.3.540 – Fest: 6. März

 

Der erste Apostel des Schwabenlandes ist der heilige Fridolin. Er stammte aus einem berühmten Adelsgeschlecht Südschottlands, erhielt früh einen gründlichen Unterricht in den Wissenschaften, entsagte allem irdischen Reichtum und Ansehen, wurde Priester und zog predigend durch die Städte und Dörfer seiner Heimat. Seine Bemühungen waren mit Segen gekrönt und überall fand er Liebe und Bewunderung. Da Fridolin befürchtete, dass so viel Lob den Ehrgeiz und Hochmut in ihm erwecken könnte, so verließ er seine Heimat, um in einem fremden Land Gottes Ehre und der Menschen Heil zu fördern.

 

Nach längerer Wanderung nahm er seinen Aufenthalt zu Poitiers in Frankreich, wo einst der große Kirchenvater Hilarius gelebt und gewirkt hatte. Das Kloster lag seit der Völkerwanderung in Trümmern und selbst die Reliquien des Heiligen waren unter den Trümmern begraben. Fridolin wünschte nichts mehr, als die Wiederauffindung der Reliquien und die Wiederherstellung der Kirche des heiligen Hilarius. Nach langem, inbrünstigem Gebet kündigte ihm der Heilige in einer nächtlichen Erscheinung die baldige Erfüllung seines Wunsches an. Der Bischof unterstützte bereitwillig seine eifrigen Bemühungen, ernannte ihn zum Abt des verfallenen Klosters, und beide baten den König Chlodwig I. um Unterstützung ihres Unternehmens. Der König gewährte ihre Bitte und beschenkte sie reichlich. Friedolin war so glücklich, die Reliquien des heiligen Hilarius im Schutt zu finden und Kirche und Kloster wieder herzustellen.

 

Nachdem Fridolin geraume Zeit dem Kloster zu Poitiers vorgestanden hatte, erschien ihm der heilige Hilarius und forderte ihn auf, das in Poitiers begonnene Werk seinen zwei Neffen zu überlassen, er selbst soll mit einem Teil der gefundenen Reliquien nach Alemannien wandern, dort sei eine vom Rhein umflossene Insel das von Gott bestimmte Ziel seiner apostolischen Reisen.

 

Unter Trauer und Klagen des Volkes und der Mönche verließ Fridolin die Stadt, kam an die Mosel und erbaute das Hilariuskloster Helera (jetzt Eller bei Cochem). Darauf ging er nach dem Elsass und gründete zu Straßburg ebenfalls eine Hilariuskirche. Nach langem Umherwandern in Burgund und der Schweiz, wo er überall das Wort Gottes verkündigte und eine blühende Christengemeinde unter dem Schutz des heiligen Hilarius (abgekürzt Glarus) gründete, fand er endlich die ersehnte Rheininsel an der Stelle, wo jetzt Säckingen liegt. Die Bewohner benutzten die Insel als Weideplatz für ihr Vieh. Während Fridolin einen Platz für die Kirche und das Kloster suchte, fassten die Leute Argwohn, die Fremden möchten ihre Herden stehlen, fielen mit Stöcken über sie her und jagten sie fort.

 

Fridolin flüchtete sich zum Frankenkönig, der ihm durch eine Schenkungsurkunde die Insel überwies und jedem mit dem Tod drohte, der dem Missionar feindlich entgegentrete. Mit diesem Sicherheitsbrief versehen, kehrte der Heilige mit einigen Jüngern zurück und begann den Bau eines Klosters. Bei einem wohlhabenden Mann jener Gegend suchte er Obdach, aber die Frau des Mannes verweigerte ihm der schlechten Zeiten wegen die Unterkunft. Während Fridolin die Zankrede über sich ergehen ließ, kam der gütige Hausherr Wacher herbei, gebot seiner Frau Schweigen und nahm Fridolin gütig auf. Kurz darauf gebar die Frau ein Töchterlein, zu dem der Fremdling als Pate bestellt wurde trotz des Widerspruches der Frau. Je mehr sie aber Fridolin kennen lernte, desto höher achtete sie ihn, ja sie bat ihn sogar, dass er ihre heranwachsende Tochter unterrichte. – Diese Tochter war die erste, die in das später dort errichtete Frauenkloster eintrat und ihre väterliche Mitgift für das Kloster verwandte.

 

Nach dem Tod des Königs Dietrich bereiteten die Bewohner des linken Rheinufers dem Abt Fridolin neue Schwierigkeiten und beanspruchten die Insel, die sie bei niedrigem Wasserstand watend erreichen konnten, als ihr Eigentum. Sie bestellten aus ihrer Mitte Schiedsrichter, von denen Fridolin kein günstiges Urteil hoffen durfte. Vertrauensvoll legte er seine Sache in Gottes Hand, kniete in der Nacht vor dem Urteilsspruch am Ufer nieder und betete, Gott möge den Strom auf die linke Seite wenden. Als am anderen Morgen die Richter und das Volk erschienen und die wunderbare Veränderung sahen, erkannten sie, dass Fridolin von Gott gesandt sei, baten ihn um Verzeihung und behandelten ihn fortan mit Ehrerbietigkeit.

 

Nachdem die Hindernisse überwunden waren, baute Fridolin zwei Klöster für Mönche und Nonnen, nahm Novizen auf, sorgte für strenge Zucht und pflegte den Geist der Frömmigkeit und Tugend bei seinen Untergebenen durch Wort und Beispiel. Wie die vormals wüste Insel sich in einen anmutigen, fruchtbaren Garten verwandelte, so wuchs die ausgestreute Saat des göttlichen Wortes herrlich in den Seelen der Landesbewohner weit und breit, denn Fridolin durchpilgerte den Schwarzwald, Baden und Württemberg um das Christentum überallhin zu verbreiten. Das Volk wallfahrtete gern zum Kloster Fridolins, manche ließen sich dort nieder und so entstand die Stadt Säckingen. Das Kloster Fridolins war das erste in Schwaben und wurde eine Pflanzschule der christlichen Lehre für weite Kreise.

 

Für den Unterhalt der Gründung hatte der kinderlose Ursus von Glarus Fridolin zum Erben seines Vermögens eingesetzt. Nach Ursus Tod wollte dessen Bruder Landolt das Vermächtnis nicht anerkennen, obwohl er es früher getan hatte. Fridolin forderte sein Recht, aber der Richter verlangte vom Kläger lebende Zeugen für die Gerechtigkeit seiner Ansprüche. Fridolin versprach sie ihm. Er eilte nach Glarus, ließ in Gegenwart vieler Menschen das Grab des Ursus öffnen und befahl dem Toten im Namen Gottes aufzustehen. Ursus richtete sich sogleich auf und ging mit Fridolin zum Gericht. Todesschrecken durchschauerte alle, als der Auferstandene mit hohler Stimme sprach: „Bruder Landolt, warum raubst du mein Eigentum, das ich mit deiner Zustimmung dem Abt Fridolin geschenkt habe?“ Landolt erwiderte zitternd: „Verzeihe mir, bester Bruder! Nicht nur dein Eigentum will ich vollständig zurückgeben, sondern auch mein ganzes Vermögen dazu.“ Er hielt Wort. Gott preisend führte Fridolin den Toten zu seiner stillen Gruft zurück und wirkte ungehindert Großes und Unvergängliches, bis er hochbetagt sein Leben am 6. März 540 beschloss. Durch die Fürbitte des Heiligen geschahen viele Wunder, und zahllose Menschen pilgerten zu seinem Grab in Säckingen. Der Kanton Glarus verehrt ihn dankbar als seinen Landespatron und führt im Wappen sein Bild, das ihn als Pilger im Mönchsgewand auf sprossenden Rosen wandernd darstellt, ein passendes Sinnbild für seine vielseitige Wirksamkeit, da er nicht nur die Wildnis in blühendes Land verwandelte, sondern auf die Herzen roher und heidnischer Völker zu den schönsten Blüten christlicher Tugenden heranbildete. Der heilige Fridolin gibt uns einen schlagenden Beweis, wieviel ein einziger Mensch zu erreichen vermag, wenn eine flammende Gottesliebe sich mit mächtiger Tatkraft und unbeugsamer Ausdauer verbindet.

 

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Wie erschrak das anwesende Volk, als auf das Gebet des heiligen Fridolin die Totengruft des Ursus sich öffnete, die modernde Leiche neues Leben erhielt und an der Hand des Heiligen zum Gerichtshof eilte, um Zeugnis für die Wahrheit abzulegen! Wie entsetzte sich Landolt, als er seinen längst verstorbenen Bruder leibhaftig vor sich stehen sah und aus seinem Mund die bittersten Vorwürfe wegen seiner Ungerechtigkeit hörte! Weit grauenvoller wird das Weltgericht werden, wo sich auf den Schall der Posaune alle Gräber öffnen und alle Völker aller Zeiten vor dem Richterstuhl des Allgerechten und Allwissenden erscheinen müssen, wo die Sünden eines jeden Menschen offenbar werden vor der ganzen Welt und das Endurteil gesprochen wird. Stellen wir uns dieses Weltgericht unserem Geist vor!