Der heilige Franziskus Bernardone von Assisi, Diakon, Ordensstifter, + 4.10.1226 - Fest: 4. Oktober

 

Wie war die Jugend des heiligen Franziskus? Dass das einzigste Kind des reichen Kaufmanns Bernadone ebenfalls Kaufmann wird, war für den Vater eine ganz klare Sache. Zumal sich der Sohn durch eine angeborene ungezwungene Liebenswürdigkeit im Umgang mit Menschen für den Kaufmannsstand sehr gut eignete. So stand der junge Franz Bernadone hinter dem Ladentisch, ging mit Maß und Schere um, verkaufte Nähgarn, Samt und Seide. Aber sein Herz war von all dem weit entfernt, denn nicht Arbeit und Verdienst lockten ihn, ihn zog es vielmehr mit allen Sinnen, mit Auge und Ohr und Herz, zum Leben und zur Lust. So verlief für Franz Bernadone die Jugendzeit.

 

Dann kam eine andere Zeit für ihn, die war überreich an Freuden. Da kleidete sich der Kaufmannssohn von Assisi prächtig und prunkvoll. Um Freunde brauchte er nicht besorgt zu sein, denn viele kamen, weil seine Tasche immer mit Geld gefüllt war. Mit einer Gitarre im Arm und mit einem Lied auf den Lippen zogen sie scherzend und lachend über die Berge. Die Abende verbrachten sie bei Wein und Tanz in den Schenken der Weingärten. Die Eltern drückten beide Augen zu, denn sie freuten sich, dass der Sohn wie ein König unter den Gleichaltrigen geehrt wurde. Bemerkenswert ist es, dass sich Franz bei aller Lust am Feiern, mit der er das Leben in vollen Zügen genoss, der Armen annahm und sie reich beschenkte. Schön wie ein Lied war für Franz Bernadone dieses Leben.

 

Aber schon früh änderte sich sein Leben. Schwere Krankheit und kurze Kriegsgefangenschaft bildeten den Anfang. Von Äußerlichkeiten, von Spiel und Zeitvertreib, flüchtete sich der junge Mann in die Einsamkeit zum Gebet vor den stillen Kapellen an den Wegen und in den Weinbergen. Und als er einmal vor einem Kreuzbild in einem zerfallenen Gotteshaus kniete, glaubte er die Stimme des Gekreuzigten zu hören, der ihn aufforderte, die einstürzende Kirche wieder aufzubauen. Der Auftrag war bildlich gemeint, denn Franz hat später durch seinen Orden die Kirche Gottes auf Erden vor dem Zerfall gerettet. Im Augenblick verstand er aber den Befehl jedoch wörtlich. Mit eigener Hand trug er Steine und Mörtel herbei, um das Kirchlein draußen vor den Toren Assisis wiederaufzurichten. Und das Geld, das er für den Kirchbau brauchte, holte er sich aus der reichen Kasse daheim. Als ihn der Vater daraufhin enterbte, gab ihm der Sohn auch die Kleider zurück, die er am Leib trug, und zog die Lumpen an, die ihm ein Bettler schenkte. Nun stand Franz Bernadone, bisher der Liebling aller, im Gelächter aller.

 

Am 24. Februar 1208 hörte Bernadone bei einer Verlesung des Evangeliums jene Stelle, in der Jesus seine Jünger mahnt, dass sie weder Gold noch Silber noch zwei Röcke noch Schuhe noch Stab besitzen sollten. Wieder verstand Franz die Worte wörtlich. In der gleichen Stunde vermählte er sich mit der Armut um Christi willen. Bettelarm wurde er und nannte sich ab jetzt Bruder Franziskus, der die Sterne und die Blumen und die Tiere und alle Menschen, die Armen besonders, seine lieben Brüder und Schwestern nannte.

 

Doch aus dem scheinbar dürren Stamm zu Assisi keimte und wuchs neues Leben. Durch sein Beispiel zog der Heilige Männer und Frauen an. Drei Orden, die größten, die es je gegeben hat, bildeten sich, aus denen im Laufe der Zeit noch viele andere entstanden, so dass der Baum, der Franziskus ist, heute schon siebenhundertfünfzig Jahre lang die Kirche Christi auf der Erde stützt.