Die heilige Franziska von Rom, Witwe und Ordensstifterin, + 9.3.1440 - Fest: 9. März

 

Wie es dem lieben Heiland erging, der nach bitterem Leiden arm am Kreuz verschied, so ähnlich ergeht es ausnahmslos den Heiligen, denn nur in der Schule des Kreuzes kann man heilig werden.

 

Auch bei der heiligen Franziska Romana war das der Fall. Eigentlich hieß sie Franziska Bussi und stammte aus Rom, wo sie in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts geboren wurde. In Rom verbrachte sie das ganze Leben bis zu ihrem Todestag am 9. März 1440. Deswegen nennt man sie zum Unterschied von den vielen anderen Heiligen, die ebenfalls Franziska hießen, Franziska Romana, das heißt Franziska aus Rom.

 

Schön war Franziskas Kindheit, denn sie war die Tochter eines reichen Hauses und hatte eine gute christliche Mutter, von der sie früh Frömmigkeit und Wohltun lernte.

 

Allzugern wäre das junge Mädchen ins Kloster gegangen, um dem lieben Gott allein anzugehören, aber der Vater hatte die Tochter bereits einem adeligen jungen Mann versprochen, und da musste sie sich nach damaligem Brauch fügen.

 

Franziskas Gatte war zwar kein böser Mensch, aber ein Heiliger war er auch nicht. Dass sich trotzdem das Familienleben glücklich gestaltete, verdankt er einzig der Klugheit seiner Frau, die ihn stets als das Oberhaupt des Hauses achtete, ihn liebevoll und zuvorkommend behandelte, ihm nicht widersprach und ihm ruhig und vornehm und fein nur dann die Meinung sagte, wenn er gut gelaunt war. So kam es, dass es in dieser Ehe während vierzig Jahren nie Zank und Streit gab, obwohl Mann und Frau eigentlich nicht zueinander passten.

 

Darüber hinaus war Franziska auch eine tüchtige Hausfrau, die überall nach dem Rechten sah, die mit Sparsamkeit den Haushalt führte, bei allen Arbeiten selbst Hand anlegte und von früh bis spät mit unermüdlichem Fleiß sorgte und schaffte. Wohl besuchte Franziska täglich auf ein Stündlein die eine oder andere Kirche in Rom, um sich Sorgen und Kummer vom Herzen herunterzubeten, aber ihre Hausfrauenpflichten kamen dabei nicht zu kurz. Meisterlich verstand sie es, Gebet und Arbeit zu vereinen.

 

Franziska war also eine kluge Gattin und eine tüchtige Hausfrau. Da braucht man sich nicht zu wundern, dass die sechs Kinder, die ihr der liebe Gott im Lauf der Zeit schenkte, an ihr eine sehr gute und verständige Mutter hatten, die sie mit herzlicher Liebe umfing und an Leib und Seele treu für sie sorgte.

 

Eines Tages wurde Franziskas Gatte in einem Straßenkampf schwer verletzt. Als er endlich dank der aufopfernden Pflege der Gattin wiederhergestellt war, musste er Hals über Kopf vor seinen Gegnern flüchten. Der älteste Sohn geriet in jahrelange Gefangenschaft und wurde nach Neapel verschleppt. Ein weiterer Sohn, Johannes mit Namen, der Mutter Liebling, starb innerhalb von drei Tagen an der Pest, und ihm folgten mit kurzen Abständen die restlichen vier Kinder im Tod nach. Zu allem Unglück plünderten die Widersacher des Gatten die Wohnung vollständig aus. Da blieb von allem Glück nichts mehr übrig. Gottes Prüfungsstunde hatte ihr geschlagen, schwer und bang, und wenn in einer solchen Lage der Mensch nicht verzagt und versagt, so wird in der Schule des Kreuzes schnell ein Heiliger aus ihm.

 

Bei Franziska von Rom traf das zu. Die herrliche Frau hielt allen Schlägen tapfer stand. Wohl weinte sie manchmal, aber sie betete noch mehr, und im Gebet fand sie die Kraft, um sich herum eine neue Familie zu gründen, die Herrgottsfamilie der Kranken, Krüppel, Waisen und Armen, denen sie half, die sie pflegte, für die sie bettelte. Als ihr bei dieser Tätigkeit bald die Arbeit über den Kopf wuchs, gesellten sich ihr gleichgesinnte Frauen zu, die sich zu einem neuen Orden im Dienst der christlichen Nächstenliebe zusammenschlossen. So wurde die heilige Franziska Romana, die als Gattin, Hausfrau und Mutter sich glänzend bewährt hatte, auch noch Ordensstifterin. Der hellste Ruhm jedoch, der sie umstrahlt, rührt allerdings daher, dass sie in der Schule des Kreuzes eine Heilige wurde.

 

Es sei noch erwähnt, dass die heilige Franziska der Gnade gewürdigt wurde, ständig neben sich den Schutzengel zu sehen, der sie überallhin begleitete, in Zweifeln beriet, vor dem Bösen warnte, zum Guten anspornte und der sie am 9. März 1440 aufforderte, ihm in den Himmel zu folgen.

 

Gott belohnte die Demut der Heiligen durch Gesichte und durch die Gabe der Prophezeiung. Man liest in ihrem Leben und in dem Prozess ihrer Heiligsprechung über den, oben erwähnten, vertrauten Umgang mit ihrem Schutzengel.

 

Ihr Herz wurde jedes Mal tief ergriffen, wenn sie über das Leiden und Sterben unseres Heilandes Betrachtungen anstellte. Und während der heiligen Messe war sie so in Gott versenkt, dass sie, besonders nach der heiligen Kommunion, wie unbeweglich auf ihren Knien lag. Sie hatte eine zärtliche Andacht zum heiligen Johannes dem Evangelisten, aber eine noch größere zur allerseligsten Jungfrau, die sie zur Patronin ihres Ordens gewählt hatte.

 

Schließlich wurde Franziska selbst von einer schweren Krankheit befallen, an der sie starb. Sie sagte ihre letzte Sunde voraus, empfing die heiligen Sakramente und gab ihren Geist auf im Alter von 56 Jahren. Gott offenbarte ihre Heiligkeit durch Wunder, und zwar so, dass sie schon unmittelbar nach ihrem Tod öffentlich als eine Heilige verehrt wurde, obgleich ihre Heiligsprechung erst im Jahre 1608 erfolgte. Ihren Leib sieht man in Rom in einem prachtvollen Sarg und begeht dort ihr Fest mit großer Feierlichkeit.