Der heilige Franz von Sales, Bischof von Genf, Ordensstifter, Kirchenlehrer, Übertragung der Gebeine: 29.1., + 28.12.1622 – Fest: 24. Januar

 

Aus dem so reichen und tätigen Leben dieses Gottesmannes, der im Jahr 1567 von vornehmen Eltern geboren, fromm erzogen, im Alter von vierundzwanzig Jahren zum Priester geweiht, im Jahr 1602 zum Bischof von Genf konsekriert wurde und am 28. Dezember 1622 aus der Zeitlichkeit schied, kann und soll hier nur dasjenige ausgehoben werden, was zunächst auf die Andacht und Verehrung Bezug hat, die dieser Heilige der seligsten Jungfrau widmete. Die Lebensgeschichte selbst aber möge in einer Legende nachgelesen werde.

 

Franz von Sales kann in der Tat allen Marienverehrern als herrliches Muster und Vorbild dienen, denn von der Jugend bis zu seinem Lebensende war und blieb er Marien mit innigster Andacht und Liebe zugetan, worin er durch manche Lebensumstände noch mehr gekräftigt wurde.

 

Er befand sich der Studien wegen zu Paris und führte mitten in den Gefahren der Hauptstadt ein sehr gottseliges Leben. Aber ungefähr im siebzehnten Jahr seines Lebens verfiel er in einen Gemütszustand, dem auch sein junger, kräftiger Leib unterliegen zu müssen schien. Dichte Finsternis verbreitete sich in seiner Seele. An die Stelle des süßen Friedens trat eine gänzliche Trostlosigkeit. Diesen Zustand benützte noch überdies der Feind unseres Heils, ihm den martervollen Gedanken einzugeben, alles, was er für Gott tue, sei unnütz und sein ewiger Untergang schon entschieden und unvermeidlich. In seiner Lebensgeschichte wird erzählt, dass er in diesem qualvollen Zustand oft ausgerufen habe: „So soll ich denn, allerseligste Jungfrau, Mutter meines Gottes, Schönste aus allen Töchtern Jerusalems, so soll ich dich denn niemals dort im Himmel sehen.“

 

Endlich gefiel es Gott, ohne menschliche Beihilfe seinen Diener durch die mächtigste Trösterin der Betrübten, durch Maria, die er schon von Kindheit an so innig geliebt und der zu Ehren er bereits lebenslängliche Jungfräulichkeit gelobt hatte, den jungen Grafen von dieser schrecklichen Versuchung zu befreien. Er gab ihm den Gedanken ein, die nämliche Kirche zu besuchen, in der er das Gelübde der Keuschheit gemacht hatte. Der erste Gegenstand, der hier auf ihn Eindruck machte, war das Bild der Gebenedeiten. Dieser Anblick erneuerte in ihm das Vertrauen, das er immer auf ihre mächtige Fürbitte in seinem Herzen getragen wird. Er warf sich auf die Knie nieder, betete das bekannte Gebet des heiligen Bernardus: „Gedenke, o gütigste Jungfrau etc.“ und fügte, indem er das Gelübde der Keuschheit erneuerte, noch hinzu: „O meine Königin, sei du meine Fürsprecherin bei deinem Sohn, an den ich mich nicht zu wende wage. O meine Mutter, wenn ich denn so unglückselig sein sollte, in jener Welt meinen Heiland nicht lieben zu können, da ich doch erkenne, wie liebenswürdig er ist, so erlange mir die Gnade, dass ich ihn doch auf dieser Welt nach allen meinen Kräften liebe. Um diese Gnade bitte ich dich, und ich hoffe von deiner Güte ihre Gewährung.“

 

Sein Gebet fand Erhörung. Sein Herz war voll des süßesten Trostes, und mit dem inneren Frieden kehrte auch bald die Gesundheit des Körpers zurück, und seine Andacht zu Maria wuchs so sehr, dass er nicht müde wurde, sein ganzes Leben lang ihre Liebe und Barmherzigkeit in Gesprächen, Predigten und Schriften zu verkündigen.

 

Wenn er den Ketzern gegenüber die Lehren der Kirche verfocht, empfahl er sich stets der heiligen Jungfrau mit gänzlichem Vertrauen und mit den Worten, die die Kirche an sie richtet: „Du allein hast alle Ketzereien in der ganzen Welt vernichtet.“ Bei jeder Gelegenheit suchte er ihren Beistand und predigte allen dieses heilsame Vertrauen. „Alle meine Hilfe finde ich in dem allerheiligsten Sakrament und bei der Gottesmutter. „Ach, wie sehr fühle ich,“ fügte er hinzu, „welches Glück es ist, ein, wenn auch unwürdiges Kind einer so glorreichen Mutter zu sein. Lasst uns große Dinge unter ihrer Anrufung unternehmen, und wenn wir in der Liebe zu ihr zärtlich sind, wird sie uns alles erwirken, um was wir bitten.“

 

Als er eines Tages einen steilen Hügel, auf dem eine Kirche der heiligsten Jungfrau stand, mit so harter Mühe bestieg, dass ihm die Füße bluteten, wollten ihn seine Leute zurückhalten und bewegen, einen so schmerzlichen Gang aufzugeben. „Es ist war,“ entgegnete er ihnen, „dass ich sehr ermüdet bin. Allein wenn es für mich eine Beschämung ist, dass ich für den Dienst Gottes nicht genug an Mühsale gewöhnt bin, so ist es dagegen eine Freude für mich, im Dienst der Gottesmutter mein Blut vergossen zu haben.“ Die Hingabe dieses heiligen Bischofs für Maria war so groß, dass er in allen seinen Besprechungen darauf zu reden kam, wo sich ihm Gelegenheit bot.

 

Er predigte an allen ihren Festtagen, und die Inbrunst, die Lebendigkeit und die Fülle seiner Reden zeugten für seine inneren Gefühle. „Sie wissen,“ schrieb er an die heilige Chantal, „dass unsere glorreiche Königin mir stets einen besonderen Beistand leiht, wenn ich von ihrer göttlichen Mutterschaft rede. Ich flehe sie an, ihre Hand in die kostbare Seite ihres Sohnes zu legen, um daraus seine teuersten Gnaden zu schöpfen und sie uns in Fülle zu geben.“

 

Seine zärtliche Verehrung für Maria flößte ihm den Gedanken ein, dieser himmlischen Mutter seine Abhandlung von der Liebe zu Gott zu widmen, und man kann diese Widmung nicht lesen, ohne die heilige Glut seines Herzens für sie zu bewundern. „Heiligste Gottesmutter,“ redete er sie an, „liebenswürdigstes, liebevollstes und geliebtestes aller Geschöpfe, zu deinen Füßen auf mein Angesicht hingestreckt, widme und weihe ich dieses kleine Werk der Liebe der unermesslichen Hoheit deiner himmlischen Liebe. O Jesus, wem könnte ich die Werke deiner Liebe besser widmen, als dem liebenswürdigsten Herzen der Geliebten deiner Seele?“

 

 

Der Tag der unbefleckten Empfängnis Mariä war ein werter Tag für seine zarte Frömmigkeit. Obschon er mit der Leitung eines großen Bistums belastet, mit vielen Predigten beschäftigt, in der Führung der Seelen stets in Anspruch genommen war, und nebst dem noch die Kirche mit vielen Schriften bereicherte, unterließ er doch nie, täglich den heiligen Rosenkranz zu beten. Eines Tages, da er durch die vielen Geschäfte bis in die späte Nacht daran verhindert worden war, und sein Hausgeistlicher meinte, er könne ja, da er der Ruhe so sehr bedürfe, den Rosenkranz für den nächsten Tag versparen, entgegnete der heilige Bischof: „Mein Grundsatz ist, nie auf den künftigen Tag zu verlegen, was heute noch geschehen kann.“ Und er vollendete seinen Rosenkranz mit der gewöhnlichen Andacht.