Der heilige Franz Caracciolo, Priester und Ordensstifter von Neapel, + 4.6.1608 - Fest: 4. Juni

 

Franz, der mit dem Familiennamen Caracciolo – man sagt Karatscholo – genannt wurde, hatte in seiner Jugendzeit hochfliegende Pläne wie jeder andere junge Mensch auch, dass er nämlich etwas Großes werden wolle. Das ist später bei ihm auch eingetreten, aber anders, als er es sich gedacht hatte, denn nie war es ihm in den Sinn gekommen, Priester zu werden. Und dann ist er doch Priester geworden, ein Priester, der herrliche Taten der Nächstenliebe vollbracht hat.

 

Mit zweiundzwanzig Jahren erkrankte der junge Franz schwer, und die Ärzte sprachen bereits von seinem Lebensende. Er wollte jedoch nicht sterben. Mit aller Kraft sträubte er sich gegen den Tod. Als schließlich die Gefahr aufs höchste gestiegen war, machte Franz das Gelübde, Priester zu werden, falls er wieder gesund werde. Bald darauf wich wie durch ein Wunder die Krankheit von ihm. Es schien, als habe Gott auf das Versprechen des jungen Mannes gewartet, denn groß waren die Pläne, die er durch ihn verwirklichen wollte.

 

Franz war ein Mann von Wort. Gleich nachdem er gesund war, erfüllte er das Gelübde. Er trat in das Priesterseminar zu Neapel ein, studierte die heiligen Wissenschaften und empfing die Priesterweihe. Mit ganzer Seele übte er von Anfang an sein Amt aus, und der schwerste Posten, den es für einen Priester wohl gibt, war ihm gerade recht. Franz wurde nämlich Seelsorger auf den Galeeren.

 

Galeeren hießen zur damaligen Zeit die Kriegsschiffe. Dampfkraft und Elektrizität waren noch nicht entdeckt. Nur Ruder kannte man. Um solch ein schweres Schiff fortzubewegen, waren über zweihundert Ruderer erforderlich, die an beiden Schiffsseiten drei Stockwerke übereinander auf Bänken saßen und zu je fünf an einem der langen Ruder zogen. Es war eine unmenschlich harte Arbeit, die trotz hohen Lohnes niemand freiwillig verrichten wollte. Deshalb wurden die Verbrecher aus den Gefängnissen zum Dienst auf den Galeeren verurteilt, wo sie ohne Lohn bei wenig Essen und mit Ketten an den Füßen auf die Ruderbänke festgeschnallt wurden. Gewiss, Gerechtigkeit muss sein, aber es schneidet doch ins Herz, wenn man Menschen so bitter leiden sieht. Und Franz Caracciolo hatte ein sehr weiches Herz, das bei solcher Not wie Wachs zerfloss. Es war eben ein Priesterherz.

 

Was hat doch dieser Priester nicht alles getan, um seinen Schutzbefohlenen zu helfen! Tag und Nacht war er unterwegs, kletterte von einem Schiff auf das andere und lief sich die Füße wund, um bei den Behörden ein gutes Wort für die Gefangenen einzulegen. Als Bettler ging er in die Häuser und bat um Kleider und Wäsche für seine Freunde, wie er die Verbrecher nannte. Unglaubliche Mengen von Lebensmitteln trug Franz Caracciolo auf den eigenen Schultern zu den Sträflingen. Wie eine Mutter verband er ihre Wunden, und als barmherziger Samariter pflegte er sie in der Krankheit. Die Bedrückten tröstete er, und den Ratlosen half er, wo er nur konnte.

 

Die bittersten Stunden erlebte Franz Caracciolo jedes Mal dann, wenn er einen Verbrecher auf dem Gang zur Hinrichtung begleiten musste. Die Nacht vorher verbrachte er bei dem Verurteilten in der Gefängniszelle. Er weinte und betete mit dem Todgeweihten und nahm ihm die letzte Beichte ab. Auf dem Weg zur Richtstätte ging er Seite an Seite neben dem armen Menschen her und stärkte ihn für den furchtbaren Augenblick, der ihm bevorstand. Wenn dann das Urteil vollstreckt war, brach Caracciolo regelmäßig zusammen, denn solche Erlebnisse greifen das Herz an. Und weil das Herz dieses Priesters allzu weich war bei fremder Not, so versagte es auch viel zu früh. Bereits mit vierundvierzig Jahren starb Franz Caracciolo, der barmherzige Samariter der Galeerensträflinge am 4. Juni 1608, nachdem Gott durch ihn große Pläne zum Wohl der Ärmsten verwirklicht hatte.