Der heilige Felix von Nikosia, Sizilien, Kapuziner, + 31.5.1787 – Fest: 31. Mai

 

Das Streben nach christlicher Vollkommenheit erscheint vielen oft als ein recht kompliziertes Zauberkunststück, und weil sie diese vermeintliche Geheimlehre nicht besitzen, lassen sie sich durch dies listige Trugspiel des Teufels ganz vom Tugendleben abschrecken. In Wirklichkeit stellen sich die gefürchteten „Höhenpfade“ der Heiligkeit als ein recht einfacher Weg zum Himmel in wahrer Nachfolge Jesu Christi dar, wie jedes Heiligenleben es erweist. Auf ein paar kurze Grundsätze lässt sich die praktische Gottesgelehrsamkeit der Wissenschaft der Heiligen zurückführen und diese heißen in der biblischen Dreizahl: Kämpfend vorwärts, betend aufwärts, stetig himmelwärts!

 

Kämpfend vorwärts hieß die geistliche Losung auch für den heiligen Felix zu Beginn seines Tugendstrebens. Wohl hatte der fromme junge Mann in stetem, opfervollem Kampf seine jugendlichen Leidenschaften der Herrschaft des Geistes und der Gnade unterworfen und galt allgemein als ein Muster der Sittsamkeit, Bescheidenheit und des religiösen Ernstes. Allein Gottes Vorsehung fügte es, dass er sich durch eine lange Geduldsprobe von acht Jahren seinen Beruf und die Aufnahme in den Kapuzinerorden durch beharrliches Bitten und einen musterhaften Lebenswandel erst erkämpfen musste. Endlich des kostbaren Gnadengeschenkes teilhaftig, wirkte Bruder Felix mit den Ordensgnaden getreulich mit, um in wehtuendem Untergehen immer mehr sich selbst und seinen bösen Neigungen abzusterben und in den Gnaden und ihren Tugendwirkungen eine geistige Auferstehung zu feiern. Nach drei Lebensgrundsätzen richtete er sein Tugendstreben ein: Das Herz los von der Welt – hin zu Gott, ohne Teilung, ohne Rückbehalt. Selbstverdemütigung und heilige Freude über die Verachtung von anderen. Ständige Abtötung und Buße, um dem gekreuzigten Heiland gleichförmig zu werden. – Gewiss widerstrebte dieser heroischen Selbstentäußerung der natürliche Mensch, suchte durch allerlei Kniffe seine niedere Eigenliebe durchzusetzen. Bruder Felix wusste, dass das Himmelreich Gewalt brauche und nur solche, die Gewalt anwenden, es erstürmen. Die innere und äußere Buße überwand bald in siegreichem Kampf die giftige Schlange der dreifachen bösen Begierlichkeit. Heilige Wachsamkeit und beharrliches Vorwärtsstreben vermieden jeden bewussten Fehler, verbesserten allmählich mit Zeit und Geduld und heiliger Energie auch die Unvollkommenheiten. Damit hatte sich die Seele des eifrigen Bruders den Aufstieg in die höheren Regionen des geistlichen Lebens erkämpft, wo Gottesgnade aufwärts trägt. Denn gerade im inneren Leben ist Menschenmühe das eine, Gottessegen das andere.

 

Betend aufwärts stieg der Heilige durch die verschiedenen Stufen und Grade der inneren Begnadigung. Wohl konnte die äußerlich erscheinende engelhafte Sammlung und Entrücktheit der Sinne während des Gebetes und der Betrachtung, der Geist der Andacht und der ständige Wandel in Gottesgegenwart bei der zerstreuenden Arbeit der Sammelgänge durch die Stadt Nikosia auf das hohe mystische Innenleben schließen lassen. Aus dieser geheimnisvollen Überwelt des Glaubens, der Gnade und Liebe Gottes trat dann gelegentlich der Heilige mit der Gabe der Weissagung und Wunder, selbst wieder sich verdemütigend, dass Gott ihn zum Werkzeug besonderer Gnadengeschenke gemacht.

 

Stetig himmelwärts! Die Beharrlichkeit entscheidet über die endgültige Siegeskrone im geistlichen Kampf. Wie viele Seelen haben sich schon zu hoher Stufe emporgearbeitet. Plötzlich ermattet und entmutigt sind sie langsam wieder erdwärts gesunken. Dieser großen Gefahr im Streben nach christlicher Vollkommenheit war sicher Bruder Felix wohl bewusst, und er suchte ihr zu begegnen durch viel Gebet, demütige Wachsamkeit gegenüber den geringsten Fehlern, durch heilige Freudigkeit und Dankbarkeit für Gottes Gnaden. Nach dreiundvierzig Jahren eines heiligmäßigen Lebens im Bußkleid des heiligen Franziskus sprach der Heilige das Schlussamen seines irdischen Gebetes, um es im ewigen Alleluja fortzusetzen.

 

Auch gutgewillte Seelen lassen sich oft von zwei Fehlern im geistlichen Leben schwer schädigen, der eine, mit dem auch der heilige Ignatius zu kämpfen hatte, ist die Furcht vor der langen Dauer dieses Strebens nach Vollkommenheit. Die Heiligen geben dafür den Rat, sich zu trösten, man habe ja bloß immer einen Tag vor sich, den man mit Gottes Hilfe gut zubringen sollte; jedem Tag genügt seine Plag. Der andere Fehler ist die schnellauftretende Entmutigung, wenn der Berg der Vollkommenheit nicht in einem Ansturm genommen werden kann. Hier gilt es eine gewisse demütige Selbstbescheidung anzuwenden, die sich trotz aller Energie und Opferwilligkeit bewusst bleibt, der Weg zum Himmel werde langsam und mühsam gegangen und wahr ist das Wort der Nachfolge Christi: „Wenn wir jedes Jahr nur einen Fehler beseitigten, wie bald wären wir vollkommen.“

 

 

Der Kapuzinerbruder Felix wurde am 12. Februar 1887 von Papst Leo XIII. selig- und am 23. Oktober 2005 von Papst Benedikt XVI. heiliggesprochen.