Der heilige Felicianus, Martyrer von Mentana, Italien, + 9.6.286 - Fest: 9. Juni

 

Primus und Felicianus, ein edles Brüderpaar aus Rom, führten ein erbauliches Leben, ermunterten sich gegenseitig zur Übung aller Arten guter Werke und nahmen sich besonders der verfolgten Christen an, die sie auf das Liebevollste unterstützten und auf jede Weise im Glauben zu befestigen versuchten. Tage und Nächte brachten sie in den Gefängnissen zu, um den Bekennern alle Dienste zu erweisen. Sie wagten es sogar, auf den öffentlichen Marterplätzen zu erscheinen, wo sie die Bekenner zur Standhaftigkeit ermunterten und die Abgefallenen dem Heiland wieder zu gewinnen sich bemühten. Trotz dieses offenkundigen Eifers entgingen sie mehreren blutigen Verfolgungen und hatten unangefochten bereits ein hohes Alter erreicht, als es dem Herrn gefiel, auch sie zur Marterkrone zu berufen.

 

Die Götzenpfaffen, aufgebracht über die ungemeine Verbreitung der christlichen Religion, beklagten sich bei den Kaisern Diokletian und Maximian, wie die Götter erzürnt seien, keine Orakelsprüche mehr gäben und ihre Wohltaten zurückhielten, weil das ihnen verhasste Geschlecht der Christen von Tag zu Tag zunähme. Vorzüglich erklärten sie Primus und Felicianus der Rache der Götter verfallen und forderten zur strengen Bestrafung derselben auf. Sogleich wurden die beiden Brüder ergriffen und vor den Prätor von Rom geschleppt, der sie, als sie seinem Befehl, den Götzen zu opfern, nicht gehorchten, an Händen und Füßen gefesselt ins Gefängnis werfen ließ. In der Nacht aber erschien ihnen ein Engel des Herrn, tröstete sie und löste ihre Bande, und voll Dankes sangen sie das Lob Gottes und baten um seine Gnade zu dem bevorstehenden Kampf.

 

Tags darauf wurden sie bis auf das Blut gegeißelt und dann nach Nomento abgeführt, wo Promotus, ein wilder Christenfeind, Statthalter war. Der übergab sie den Händen der Henker, die sie auf das Grausamste folterten, aber durch alle ihre Kunstgriffe sie nicht zum Abfall bringen konnten. Der Statthalter meinte nun eher zum Ziel zu gelangen, wenn er die Brüder voneinander trenne und jeden einzeln vornehme. Daher ließ er Primus in das Gefängnis abführen und behielt nur Felicianus bei sich. Diesem redete er zu, dass er seines hohen Alters schonen und nicht mutwilliger Weise sich den schrecklichsten Peinigungen aussetzen möge. Der Martyrer aber entgegnete: „Ich zähle jetzt achtzig Jahre, und dreißig sind es, seitdem ich Gottes Wahrheit erkannt und mich Jesus dem besten Herrn, als Diener untergeben habe. Jetzt wo ich so nahe daran bin, den Lohn ausbezahlt zu bekommen, soll ich meinem Herrn untreu werden? Verfahre mit mir, wie du willst, Promotus! Aber zu einer solchen Torheit wirst du mich nie verleiten.“ Daraufhin ließ ihn der ergrimmte Heide an einem Pfahl aufziehen und drei Tage lang ohne Nahrung schmachten.

 

Nun kam die Reihe an Primus. Diesem spiegelte der Statthalter mit arger List vor, als hätte sein Bruder sich dem Befehl der Kaiser gefügt und den Götzen geopfert, und ermunterte ihn, nun auch solchem Beispiel zu folgen und durch gleiche Willfährigkeit an der Huld der Kaiser teilzunehmen. Der Heilige, der durch höhere Erleuchtung von dem herrlichen Bekenntnis seines Bruders Kunde hatte, antwortete dem Nichtswürdigen: „Schäme dich der Lüge! Felicianus bleibt seinem Heiland treu und wird für ihn sterben; das will auch ich.“ Im höchsten Zorn ließ jetzt der Statthalter den Martyrer schlagen, dass die Haut in Fetzen vom Leib fiel, und dann die Wunden mit Fackeln anbrennen. Unter diesen Penigungen rief Primus mit dem Psalmisten aus: „Du hast uns geprüft, o Herr, durch Feuer geläutert, wie man läutert das Silber. Wir gingen durch Feuer und Wasser, aber du führtest uns heraus in die Erquickung.“ Damit Felicianus Zeuge der Qualen seines Bruders sei, ließ ihn der Statthalter aus dem Kerker herbeiführen, und er musste zusehen, wie man Primus geschmolzenes Blei in den Mund goss. Aber durch ein Wunder Gottes brannte das Blei nicht und schien dem Martyrer vielmehr mildes Öl zu sein, und freudig rief dieser aus: „O mein Bruder, sieh die Macht unseres Gottes, der dem Feuer seine Kraft nimmt und siedendes Metall in einen Labetrank verwandelt!“

 

Der Statthalter hatte aber seine Grausamkeit noch nicht erschöpft. Er ließ zwei ungeheure Löwen, deren Brüllen schon die Herzen der Zuschauer entsetzte, gegen die beiden Bekenner los. Aber die blutdürstigen Bestien legten sich gleich zahmen Lämmern zu den Füßen der beiden nieder, und gleiches taten zwei wilde Bären, die man ihnen nachsendete. Da riefen die heiligen Brüder mit lauter Stimme dem wütenden Statthalter zu: „Unseliger, erkennst du noch nicht die Macht und Herrlichkeit unseres Gottes? Sieh die Tiere geben von ihm Zeugnis und gehorchen seinen Dienern! Willst du noch länger verstockten Herzens bleiben?“ Auf das Volk machte der wunderbare Vorfall einen solchen Eindruck, dass viele, den Gott der Christen preisend, sich zum Glauben bekehrten. Promotus aber, wilder als die Tiere der Wüste, blieb verhärtet und ließ die edlen Brüder durch das Schwert hinrichten – am 9. Juni 286. Die Christen bemächtigten sich insgeheim ihrer Leiber und begruben sie in einer Sandgrube bei Nomento. Im siebenten Jahrhundert wurden ihre Reliquien auf Befehl des Papstes Theodorus nach Rom gebracht und in der Kirche des heiligen Stephan auf dem Berg Cölius beigesetzt.