Die heilige Febronia, Jungfrau und Martyrin von Sibapolis, Mesopotamien, + 25.6.304 - Fest: 25. Juni

 

Unter der Regierung des Kaisers Diocletian lebte in Sibapel, einer Stadt Syriens, eine christliche junge Frau, namens Febronia. Sie wohnte mit mehreren anderen Mädchen ihres Alters in dem Haus ihrer Base, der gottesfürchtigen Frau Brienna, durch die sie zur Tugend und Frömmigkeit angeleitet wurde. So lernte sie frühzeitig die Güter der Welt verachten und ihr Herz Gott zuzuwenden. Von der Natur mit besonderer Schönheit ausgestattet, versuchte sie diese durch strenges Fasten und anhaltende Bußübungen zu verändern, um nicht den Augen der Menschen ein Gegenstand des Gelüstes zu sein und sich selbst oder anderen Gelegenheit zur Sünde zu geben. Aber je mehr sie ihren Leib züchtigte, desto mehr nahm ihre Schönheit zu. Um nun einen festen Schild gegen die Verführungen der Welt zu haben, legte sie in ihrem glühenden Verlangen, allein dem Heiland anzugehören, das Gelübde der Jungfräulichkeit ab und wurde so die Braut Christi.

 

Febronia hatte das neunzehnte Jahr erreicht, als Lystimachus und Selanus, des Kaisers Bevollmächtigte, nach Syrien kamen, um die grausamen Befehle, die ihr Gebieter gegen die Christen erlassen hatte, in Vollzug zu bringen. Erschrocken suchten viele der Gläubigen ihr Leben durch die Flucht zu retten. Brienna gab ihren Pflegbefohlenen die Freiheit zu gehen wohin sie wollten, setzte aber hinzu, dass sie für ihre Person im Haus bleiben und erwarten werde, was Gott über sie verhänge. Wie hätte Febronia die gute Base verlassen können? „Ich werde nicht fliehen“, sagte sie entschlossen, „ich werde hier bleiben unter dem Schutz meines himmlischen Bräutigams und seiner jungfräulichen Mutter. Mit Jesu Gnade vermag ich alles. Dem ich mein Herz geschenkt, dem will ich auch mein Leben schenken. Bin ich auch schwach an Kräften, so habe ich ja einen Gott, der mich stärken kann.“ Diese Worte ermutigten auch die übrigen jungen Frauen, auszuharren und die Verfolgungen um Christi willen der feigen Flucht vorzuziehen.

 

Es dauerte nicht lange, so kamen die Häscher in das Haus, um die Bewohnerinnen gefangen zu nehmen. Aber überrascht von Febronias ungewöhnlicher Schönheit und der heiligen Würde, die aus ihrer Miene und ihrem ganzen Äußeren hervorleuchtete, ließen sie von ihrem Vorhaben ab und gingen hin, ihren Obern erst Bericht zu erstatten von dem, was sie gesehen. Selanus gab Befehl, ihm die Jungfrau vorzuführen, die seinen Dienern solche Ehrfurcht eingeflößt hatte. Als die Häscher wieder kamen, um sich Febronias zu bemächtigen, wollten Brienna und die übrigen ihr in den Gerichtssaal folgen, aber die Soldaten ließen es nicht zu. Da umarmte Brienna ihre Pflegetochter, gab ihr den Friedenskuss und sprach: „Gib mir in meinem Leben noch den Trost, dass ich eine Martyrin zur Tochter habe. Harre aus und zeige dich des Erlösers würdig.“ Und Febronia antwortete: „Sei ohne Sorge, Mutter! Nichts in der Welt wird mich von Jesus Christus scheiden.“ Daraufhin ging sie getrost mit den Häschern fort und lobte und pries Gott auf dem Weg.

 

Selanus konnte sich beim Anblick der Jugend und Schönheit Febronias der Rührung nicht erwehren und redete ihr eifrig zu, dass sie sich den Verordnungen des Kaisers fügen und den Göttern opfern möge. „Die ersten Männer des Reiches“, setzte er schmeichelnd bei, „werden sich um die Hand einer so schönen und wohlerzogenen Jungfrau streiten, und du hast die Wahl, ob du einen Feldherrn oder einen Großen aus dem Rat des Kaisers zum Gatten nehmen willst.“ Zugleich gebot er den Häschern, der jungen Frau die Fesseln abzunehmen. Sie aber hielt die Ketten fest und sprach: „Ich bitte dich, beraube mich nicht des schönsten Schmuckes, den ich jemals an meinem Leib getragen habe. Was deine vornehmen Werber betrifft, so erfahre, dass ich die Braut des Königs der Himmel bin und darum alle Großen der Erde gering achte. Ich bin eine Christin und bete nur den einen wahren Gott an. Nie wirst du mich dahin bringen, diesen zu verlassen und deinen Götzen zu huldigen. Willst du mich dazu durch Martern zwingen, so sei es! Je mehr mich deine Schergen peinigen, desto größer wird die Ehre meines Herrn Jesus Christus sein, desto glorreicher mein Sieg.“

 

Der Stolz des kaiserlichen Bevollmächtigten wurde durch diese Rede der jungen Frau tief verletzt und sein Mitleid wandelte sich in Zorn um. Er ließ Febronia mit Ruten und Bleikolben schlagen und dann auf die Folter spannen und ihren Leib mit eisernen Krallen zerreißen. Diese Qualen, so schmerzhaft sie waren, vermochten der standhaften Bekennerin nicht das geringste Zeichen von Furcht oder Kleinmut abzunötigen. Sie verkündete mit lauter Stimme das Lob Gottes und flehte, ihm zu Liebe noch mehr leiden zu dürfen. Selanus, wütend, eine Frau nicht besiegen zu können, ließ einen eisernen Rost herbeibringen und die Jungfrau mit Ketten an die Stäbe fesseln. Darauf mussten die Schergen Feuer anschüren und das Eisen glühend machen, so dass die Martyrin bei lebendigem Leib langsam verbrannte. Viele der Zuschauer entsetzten sich über diesen Anblick und flohen vom Richtplatz hinweg. Nur die Heilige blieb unerschrocken und fuhr fort in ihren Dankgebeten und Lobgesängen. Was vermag die Gnade Gottes nicht auch bei körperlich Schwachen, wenn nur der Mensch um sie bittet und nach seinen Kräften mitwirkt! Endlich als die Henker auf den Befehl ihres Herrn der Jungfrau auch noch Zahn um Zahn ausgeschlagen, ermüdeten sie und gaben ihr den Todesstreich mit dem Beil. Febronia wird von der Christenheit mit Recht neben Agnes und Agatha als eine der glorwürdigsten Bekennerinnen verehrt.