Der heilige Evodius, 1. Bischof von Puy, Frankreich, + 6. Jahrhundert - Fest: 11. November


Die Stadt Ruessium, der Hauptort der alten Vellaver, nennt ihren Apostel und ersten Bischof den heiligen Georg, der von Rom aus seine Sendung erhalten hatte. Er wird am 10. November verehrt. Am 29. Dezember wird aber das Fest der Übertragung seiner Reliquien nach Puy begangen, wo sie in einem Sarg in der Kirche seines Namens beigesetzt wurden. Am 24. Februar feiert man das Fest des heiligen Paulin, des 6. Nachfolgers des heiligen Georg, der der Patron der Kirche ist, wo seine Gebeine ruhen. Von ihm hat die alte Stadt Ruessium den Namen St. Paulin erhalten. Allein ihr Glanz ging bald auf Puy über. Der heilige Evodius, Paulins Nachfolger, erbaute zwei Meilen davon auf dem Berg Anis oder Anicium eine Kirche unter Anrufung der allerseligsten Jungfrau, die sehr berühmt wurde, und wohin er den bischöflichen Sitz im 6. Jahrhundert (560 oder 570) verlegte. Dies ist der Ursprung der Stadt Puy, des Hauptortes der Landschaft Velay. Die Kirche von Puy war von den frühesten Zeiten her durch Vorrechte und köstliche Denkmäler ausgezeichnet. Man weiß nicht, in welchem Jahr der heilige Evodius starb. Er wird am 11. November verehrt. Seine Reliquien wurden in einer Kirche von Puy, die seinen Namen trug, in einem Sarg beigesetzt.

 

(Der Bischof von Puy hat das Recht das Pallium zu tragen. Die Bulle Leos IX. vom Jahr 1050 gewährt dies den Bischöfen. Einige Bischöfe der letzten Jahrhunderte hatten dieses Vorrecht nicht gekannt oder vernachlässigt. Aber kurz vor der französischen Staatsumwälzung (Revolution) hat Bischof Galard von Terraube es wieder hergestellt.

Die Kirche von Puy war keinem Metropolitansitz unterworfen, sondern stand seit den frühesten Zeiten unmittelbar unter dem Heiligen Stuhl. Leo IX. in der oben erwähnten Bulle setzt diese Freiheit als schon lange bestehend voraus.

Das Sonderbarste, wie das älteste Vorrecht der Kirche von Puy, ist der ihr zugestandene Ablass, wenn das Fest Mariä Verkündigung auf den Karfreitag fällt. In den Archiven dieser Kirche lag eine Urkunde Bernards von Ventadour, Bischof von Puy, der ein Jahrgedächtnis für die Seelenruhe derer stiftete, die, durch den Ablass und die Gegenwart Ludwigs des Heiligen in diese Kirche herbeigezogen, Opfer ihrer frommen Neugierde geworden waren. Diese Urkunde ist vom Jahr 1254.

Was das Alter der Kirche von Puy beweist, ist der in ihr bis zur französischen Revolution bestehende Gebrauch einer Pfründe für einen Priester, der die Kinder aller Pfarreien der Stadt, in einer an die Kathedrale angebauten und von ihr abhängigen Kapelle, taufen musste. Auch sah man da bis in die letzten Zeiten das Gefäß und den Behälter, deren man sich in den ersten Zeiten des Christentums zum Taufen durch Eintauchen bediente.

Die Kanoniker trugen Mitern, wenn sie an hohen Festen am Altar dienten, und ein Ceremoniale aus dem 13. Jahrhundert spricht unter anderem auch von diesem Gebrauch, als von einem schon lange bestehenden. Im Jahr 1426 verlieh Ludwig XI. den Kanonikern das Recht, den Hermelinpelz im Chor als Wintermäntelchen zu tragen. Der Ursprung des kleinen Scapuliers, das die Kanoniker während der Osteroktav trugen, ist unbekannt. Es scheint, dass diese Auszeichnung aus dem 11. Jahrhundert stamme als Erinnerung an Aymard von Monteil, der als apostolischer Legat den Kreuzzug begleitete.

Die Kirche von Puy zählte unter ihre Kanoniker die Könige und Dauphins von Frankreich. Karl VII. wohnte, als er im Schloss Espaly bei Puy zum König ausgerufen war, der ersten Vesper des Festes Christi Himmelfahrt im Chorkleid bei. Ludwig XI., sein Sohn Karl VIII., Franz I. wohnten dem Gottesdienst in eben dieser Kirche und auf dieselbe Weise bei.

Unter den Reliquien dieser Kirche verdient bemerkt zu werden der Dorn aus der Krone des Erlösers, von Ludwig dem Heiligen, dessen Brief sorgfältig aufbewahrt wurde; die Gebeine des Priesters Tertullian von Rom, die in einem herrlichen Reliquienkasten eingeschlossen waren, der nach einer sehr alten Inschrift vom König Lothar gegeben worden ist; Clemens IV., Johannes XXII., Karl der Große, Philipp der Schöne uvam. hatten diese Kirche ebenfalls mit prachtvollen Reliquienkästchen bereichert. Von Philipp dem Kühnen wurde ein goldenes Kreuz mit einem Stück des wahren Kreuzholzes als Geschenk da aufbewahrt.

Als Denkmäler besaß die Kirche von Puy eine Urkunde von Karl dem Großen, der daselbst auf ewige Zeiten sechs Pfründen de pauperie stiftete; eine von Theodulf, Bischof von Orleans geschenkte Bibel, auf Velin in Gold- und Silberbuchstaben; ein griechisches Neues Testament aus dem höchsten Altertum; man glaubt, es sei vom heiligen Hieronymus, wenigstens sind die Schriftzüge aus jenem Jahrhundert; eine goldene Krone von Margarethe von Provence, Gemahlin des heiligen Ludwig; eine goldene Krone von Karl dem Großen, mit merkwürdigen Verzierungen; die Kapelle aus vergoldetem Silber von Karl von Bourbon; die Krone des Johannes Stuart, des Herzogs von Albanien; und mehrere Fahnen, die Karl VII. nach seinem Sieg über die Engländer dahin schenkte.)