Der heilige Evermod, 1. Bischof von Ratzeburg, Prämostratenser, + 17.2.1178 - Fest: 17. Februar

 

Der heilige Evermod stammte aus Belgien. Er schloss sich 1120 dem heiligen Norbert an, als der in Cambrai predigte, und wurde sein Lieblingsschüler. Zu Prémontré in den Orden aufgenommen, begleitete er den heiligen Norbert nach Antwerpen zur Bekämpfung der Tanchelinischen Irrlehre und folgte ihm auch nach Magdeburg. Dort wurde er Propst des Marienstiftes und unterstützte den heiligen Norbert bei seinen apostolischen Arbeiten und Reformen. Auch in der letzten Krankheit wich er nicht von ihm und stand ihm bei bis zum Tod. Eine Zeitlang war Evermod auch Propst des Stiftes Gottesgnaden. Voll Eifer für Predigt und Seelsorge wurde er erster Bischof von Ratzeburg, wo er mit zwölf Prämonstratensern in das neugegründete Domstift einzog. Am 13. Juli 1154 wurde er zum Bischof geweiht und erhielt vom Herzog Heinrich dem Löwen die Investitur. Sein Bischofssitz war auf dem Georgsberg bei Ratzeburg. Er erscheint auf zwei Urkunden (18. Oktober 1163 und 9. September 1171) als Zeuge. Als Bischof Vicelin zu Faldera starb (12. Dezember 1154), hielt Evermod die Leichenfeier. Im Jahr 1172 weihte er mit dem Bischöfen Walo von Havelberg und Berno von Schwerin in Gegenwart des Herzogs am St. Johannistag den Bischof Heinrich von Lübeck.

 

Das strenge apostolische Leben des heiligen Evermod und seiner Ordensbrüder bewirkte, dass das halsstarrige heidnische Volk, das so oft zuvor die Bemühungen der christlichen Missionare mit blutiger Hand zunichte gemacht hatte, sich unter das christliche Gesetz beugte. Er soll auch mit Herzog Heinrich ins heilige Land gezogen sein und von dort Reliquien für die Domkirche in Ratzeburg mitgebracht haben. Durch sein eifriges Wirken vermehrten sich die Kirchen im Land der Polabeni. Evermod führte ein gottseliges Leben bis zu seinem Ende. Auch Wunder werden von ihm erzählt. Einst hatte Graf Heinrich von Ratzeburg zwei vornehme Friesen in Gefangenschaft. Da er sie auf tyrannische Weise quälte, hatte Evermod Mitleid mit ihnen und bat den Grafen, er solle sie frei lassen. Aber die Bitten waren vergebens. Unterdessen kam Ostern heran und die gefangenen Friesen wohnten dem Gottesdienst bei, jedoch in Fesseln und von Wächtern begleitet. Als nun der Bischof die Gemeinde mit Weihwasser besprengte, benetzte er mitleidsvoll die Fesseln der Gefangenen, indem er die Worte sprach: Der Herr richtet die Gebeugten auf, der Herr löst die Gebundenen. Und alsbald zersprangen die Fesseln mit großen Geräusch und die Befreiten priesen Gott. Ein anderes Mal war Evermod mit Erzbischof Hartwig von Hamburg in Diethmarsen bei einer Besprechung. Evermod feierte die Messe in Gegenwart des Erzbischofs. Zur selben Zeit verübte ein Einwohner einen Totschlag an einem Vornehmen. Als dies der Bischof Evermod erfuhr, versuchte er Versöhnung zu stiften, und zwar wie es damals Sitte war, bei der Messe und bat den, dessen Verwandter getötet worden war, flehentlich, er solle seinem Nächsten vergeben, indem er sich auf die Worte des Vaterunser berief: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Da jedoch der Mann nicht darauf achtete, schritt der Bischof von seinem Sitz herab und warf sich, die Reliquien in den Händen haltend, zu seinen Füßen. Da aber jener mit schrecklichen Eiden bei Gott, der seligsten Jungfrau und den Heiligen schwur, er werde nie verzeihen, gab der Bischof dem Widerspenstigen einen mächtigen Schlag auf die Wange. Da gewährte jener sogleich mit erhobenen Armen das Verlangen des Bischofs und versöhnte sich mit seinem Nächsten. Evermod starb am 17. Februar 1178 und wurde in der Domkirche zu Ratzeburg begraben.

 

Ein Mensch bewahrt Zorn gegen den anderen und von Gott verlangt er Heilung? Nichts fällt der Natur schwerer als zu verzeihen und die zu lieben, die uns Böses getan haben. Aber gedenke der Furcht Gottes und vergib dem Nächsten, dann wird auch dir vergeben werden.