Der heilige Eucharius, Apostelschüler und 1. Bischof von Trier, 8.12.72 ? - Fest: 8. Dezember

 

Eine der ältesten Städte Europas, unstreitig die älteste Kirche diesseits der Alpen ist Trier. Schon zur Zeit der Geburt Christi, unter dem römischen Kaiser Augustus, war Trier eine wichtige Militärstation zum Schutz der Grenzen des Reiches gegen die deutschen Völkerstämme jenseits des Rheins, im Jahr 287 wurde es kaiserliche Residenz für das Abendland und mit aller Pracht und Herrlichkeit ausgestattet, was die Würde und der Luxus eines römischen Imperators jener Zeit einforderte. Ganz nach dem Muster von Rom erhielt es seinen Senat, Paläste, Tempel, Triumphbogen, Amphitheater, Bäder und Feste, so dass es „das zweite Rom“ genannt wurde. Der erste christliche Kaiser, Konstantin, und seine Nachfolger im 4. Jahrhundert, residierten zumeist in Trier. Bei dieser engen Verbindung Triers mit Rom war es nicht verwunderlich, dass schon die ersten christlichen Glaubensboten ihr Auge nach diesem lohnenden Ziel richteten.

 

Dem Auftrag des göttlichen Heilandes getreu: „Gehet hin in alle Welt, lehrt alle Völker und tauft sie.“ waren die Apostel Petrus und Paulus bis zur Weltstadt Rom gekommen und hatten dort eine Christengemeinde gegründet. Da sie indes dort gefangen gehalten wurden, so schickten sie ihre Jünger in nahe und entfernte Länder, um die Lehre Christi auszubreiten. Unter diesen Verkündigern des Evangeliums befand sich auch der heilige Eucharius, ein Schüler des heiligen Petrus und der Sage nach einer der 72 Jünger des Herrn.

 

Mit seinen beiden Mitarbeitern Valerius und Maternus kam Eucharius in das östliche Gallien und predigte im Elsass und an den Ufern des Rheins. Dann wandte er sich zur Mosel, um dorthin den Frieden und das Heil zu bringen, wohin die Römer den Krieg und den heidnischen Götzendienst überführt hatten. Auf dem Hauptplatz der Stadt Trier standen an hundert Bildsäulen heidnischer Götzen, denen das verblendete Volk göttliche Ehre erwies. Eucharius ermahnte das Volk, diesen törichten Götzendienst aufzugeben, und den einzig wahren Gott, den Schöpfer Himmels und der Erde, anzubeten, allein der Stolz und Reichtum der Bürger verschloss der Predigt des armen Fremdlings das Ohr. Der Eifer und Mannesmut des Glaubensboten ließ sich indes weder durch Misserfolge, noch durch Drohungen seitens der Götzenpriester einschüchtern. Eines Tages wollte er auf dem öffentlichen Markt vor dem versammelten Volk predigen. Da erhoben mehrere Männer Steine und spannten schon die Arme aus, um ihn zu steinigen. Der ehrwürdige Diener Gottes erhob indes Augen und Hände zum Himmel und betete unter Tränen, Gott wolle den verblendeten Menschen Herz und Sinn öffnen, die Wahrheit zu erkennen und das Heil zu suchen. Die Ruhe und Zuversicht des heiligen Mannes, die Kraft seiner Worte erschütterte die Umstehenden derart, dass sie die Arme sinken ließen, ihm zu Füßen fielen und ausriefen: „Zeige uns den Weg zum Heil! Sag an, was sollen wir tun, was sollen wir lassen, damit wir dazu gelangen?“

 

Mit glühender Begeisterung entwickelte nun Eucharius den Inhalt des christlichen Glaubens, die Lehre von der Schöpfung, vom Sündenfall unserer Stammeltern, von der Erlösung durch Jesus Christus, der von der reinsten Jungfrau Fleisch annahm und durch seinen Opfertod am Kreuz für die Sünden der Welt genugtat, die Macht der Hölle brach, vom Grab glorreich auferstand, seinen Aposteln den Auftrag erteilte, alle Völker zu lehren, zu taufen und dem Himmel zuzuführen und ihnen den Heiligen Geist sendete, damit er sie in alle Wahrheit einführe und alle Tage bei seiner Kirche bleibe bis ans Ende der Welt. Seine Rede schloss er mit den Worten: „Von den Jüngern Christi kamen Petrus und Paulus nach Rom, den Glauben an Jesus Christus standhaft und unermüdet zu lehren, und diese Stadt, die bisher in den Finsternissen des Irrtums dahinlebte, mit den Strahlen himmlischer Weisheit zu erleuchten. Wir aber sind nach Anordnung des Apostels in diese eure Gegenden abgesandt, auch euch eben denselben Glauben zu verkündigen und euch getreulich den Weg des Heils zu zeigen, der allein zum himmlischen Vaterland führt.“

 

Die Worte des gottbegeisterten Glaubensboten gingen seinen Zuhörern tief zu Herzen. Sie bekannten, dass sie nie etwas Herrlicheres gehört hätten.

 

Unter den Zuhörern des heiligen Eucharius befand sich auch eine vornehme und reiche Witwe, namens Albana. Ihr einziger Sohn lag zu Hause gefährlich krank. Sie hatte sich nur auf kurze Zeit von ihm entfernt, um die Predigt des Fremdlings zu hören, von dem sie viel Wunderbares vernommen hatte. Vergeblich hatte sie bei den Menschen Hilfe in ihrer Not gesucht, vielleicht fand sie Trost bei diesem heiligen Mann. Da überraschten sie ihre Diener mit der Trauerbotschaft: „Dein Sohn ist soeben gestorben.“ Sobald sie dies hörte, fiel sie dem heiligen Eucharius zu Füßen und rief unter lautem Jammer und heißen Tränen: „Ich bitte dich inständigst, erbarme dich einer armen Mutter! Habe Mitleid mit mir Unglücklichen, die zweifach bemitleidenswert ist! Denn erst vor wenigen Tagen verlor ich meinen Mann und heute – ach des Jammers! – wird mir nun noch mein einziger Sohn durch den Tod entrissen! Erwecke meinen Sohn! Sieh ich bin aufrichtig bereit, alle deine Lehren aufs willigste zu befolgen. Ich glaube an Jesus Christus, den du uns verkündest, ja auch mein Sohn und mein ganzes Haus werden an ihn glauben.“

 

Von dem Jammer der Mutter innigst gerührt, begab sich Eucharius mit Valerius und Maternus zu ihrer Wohnung. Eine große Menge Volkes folgte voll Erwartung. Eucharius trat mit der Mutter und seinen Gefährten in das Haus der Trauer, fiel auf seine Knie und betete lange. Dann stand er auf, trat zu dem Leichnam, fasste ihn bei der Hand und sprach: „Jüngling, im Namen Jesu Christi, der durch seine Allmacht den einzigen Sohn der Witwe von Naim vom Tod erweckt hat, sage ich dir: Kehre zurück in dieses Leben und lerne hier auf Erden noch deinen Schöpfer erkennen und mit aufrichtigem Herzen an ihn glauben!“ Der Jüngling stand sogleich auf und fing an, Gott zu loben und zu preisen. Eucharius stellte ihn dem versammelten Volk vor und alle riefen mit lauter Stimme: „Groß und mächtig ist der Gott der Christen, der durch seine Diener solche Zeichen und Wunder tut!“ Die beglückte Mutter Albana, ihre ganze Familie und eine große Menge Volkes ließen sich taufen.

 

Albana ließ ihr schönes Haus zu einer Kirche einrichten und vom heiligen Eucharius einweihen. Nach und nach bekannte sich fast die ganze Stadt zum Glauben an Jesus Christus. Eucharius wurde der erste Bischof dieser Christengemeinde, Valerius und Maternus seine Diakonen. Von Trier aus machte Eucharius seine Missionsreisen in der Umgegend weit und breit und bekräftigte sein Wort durch viele Wunder.

 

Nachdem Eucharius 23 Jahre der jungen Christengemeinde zu Trier als Bischofvorgestanden hatte, erschien ihm nachts ein Engel und sprach zu ihm: „Eucharius, du hast nach dem Befehl des Herrn dein Tagewerk getreulich vollendet und deinen Kampf auf Erden männlich durchgekämpft. Gehe nun ein in die verheißene Ruhe und empfange die unverwelkliche Siegeskrone!“ Eucharius rief seine Jünger zu sich und sprach: „Geliebteste! Ich weiß es nun gewiss, dass ich diese Welt bald verlassen und die Schuld der menschlichen Hinfälligkeit abtragen werde. Ich bitte euch daher noch um drei Dinge: Habt beständig einen festen Glauben, eine unerschütterliche Hoffnung und eine wahre, unverfälschte Liebe zu Gott, sowie untereinander. Gebt den Irrtümern, die vom Satan herrühren, niemals Gehör. Meinen Staub übergebt der Erde, meinen Geist aber empfehlt in Andacht und Liebe dem Herrn!“ Darauf ernannte er Valerius zu seinem Nachfolger und mahnte ihn dringend, die Talente, die ihm Gott anvertraut habe, zur Ehre Gottes und zum Heil der Seelen gewissenhaft zu verwenden.

 

Während er sprach, umgab ihn heller Lichtglanz und erfüllte die ganze Zelle. Noch einmal sagte er seinen Jüngern Lebewohl, blickte zum Himmel und schloss die Augen im seligen Tod am 8. Dezember des Jahres 72 nach Christi Geburt. Sein Leichnam wurde in der Matthiaskirche vor den Toren Triers feierlich zur Erde bestattet.