Der heilige Erpho, Bischof von Münster, Westfalen, + 9.11.1097 - Fest: 9. November

 

Außerhalb der alten Ringmauern von Münster in Westfalen breitet sich die Vorstadt St. Mauritz aus, deren Mittelpunkt die altehrwürdige Pfarrkirche gleichen Namens bildet. In dieser Kirche erhebt sich ein altersgraues Grabdenkmal, das die Gebeine des zweiten Gründers dieses Gotteshauses und des siebzehnten Bischofs von Münster, des heiligen Erpho, einschließt.

 

Erpho war in Thüringen oder Ostfalen von vornehmen Eltern geboren und ein naher Verwandter des Bischofs Friedrich von Münster. Seine Jugendbildung erhielt er in der berühmten Schule zu Goslar. Nach Vollendung seiner theologischen Studien wurde er nach Rheims in Frankreich berufen, wo ihm ein Kanonikat und die Oberleitung der Domschulen übertragen wurde. Als er einige Jahre dieses Amt mit Eifer und Klugheit verwaltet hatte, berief ihn sein Verwandter, der Bischof Friedrich, nach Münster, um in seinem hohen Greisenalter sich der Unterstützung des gelehrten und gewandten Kanonikus zu bedienen.

 

Nach dem Tod des Bischofs Friedrich wählte man zu seinem Nachfolger den verdienstvollen, reich begabten und liebenswürdigen Erpho im Jahr 1085. Gleich beim Antritt seines Oberhirtenamtes machte er es sich zum Gesetz, gegenüber allen Gütig und freigebig zu sein und drückte diese seine Gesinnung in einem Hirtenschreiben mit den Worten aus: „Ich wünsche, es möge zur Kenntnis aller Gläubigen gelangen, dass ich Erpho, durch Gottes Barmherzigkeit der siebzehnte Bischof von Münster, vorhabe, so viel in meinen Kräften steht, die Bitten der Gläubigen zu gewähren, den Unterdrückten zu helfen, die Betrübten zu trösten, die Niedergebeugten aufzurichten, denn dem Allmächtigen gefallen nur die, die Barmherzigkeit üben und anderer Glück nicht beneiden.“

 

Eine außerordentliche Freigebigkeit zeigte Erpho gegenüber Kirchen und Heiligtümern, so dass er von sich mit dem Propheten David sprechen konnte: „Herr, ich habe geliebt die Zierde deines Hauses und den Ort, wo deine Herrlichkeit wohnt.“ Die Marienkirche in Überwasser nebst Kloster, die 14 Jahre vorher bei einem Brand sehr gelitten hatte, stellte er mit neuem Glanz wieder her. Den bei der verheerenden Feuersbrunst im Jahr 1071 sehr beschädigten Dom baute er wieder auf und schenkte ihm zur Vermehrung der Einkünfte zwölf bedeutende Landgüter mit zwei Lehen, die Rimoldinghof genannt werden. Mit großer Feierlichkeit wurde die prachtvolle Kathedrale unter Assistenz des Erzbischofs Hermann von Köln und des Bischofs Heinrich von Lüttich am 2. November 1090 von Erpho eingeweiht.

 

Dem Nonnenkloster auf St. Mauritz, das sein Vorgänger Friedrich um 1070 gegründet hatte, zeigte er sich so freigebig, dass man ihn den zweiten Stifter dieser Kirche nannte. Aber seine außerordentliche Freigebigkeit beschränkte sich nicht auf die Stadt Münster und ihr Weichbild, sondern ergoss sich auch über andere Kirchen, besonders über das Frauenkloster Freckenhorst bei Warendorf. Zu jener Zeit litten die Nonnen große Not, wie er selbst schreibt: „Die Brote, die gegeben wurden, waren klein und schlecht, das Fleisch mager und kaum einen Finger lang. Fische wurden in der Fasten nicht gegeben, außer einem Salm am Gründonnerstag, und sie wussten nicht, wovon sie leben sollten, da sie doch dem Herrn dienten. Wein wurde ihnen gegeben, aber geringer und weniger als sie bedurften. Das Bier war sehr schlecht und kaum genießbar. Das Geld zur Bekleidung reichte kaum zur Hälfte hin.“ Um dieser Armut und Bedrängnis abzuhelfen, überwies der gütige Vater dem Stift reiche Zehnten und einige Landgüter und sorgte dafür, dass die Dienerinnen Gottes in der Folge ihr gutes Auskommen hatten.

 

Wie selbst die Sonne ihre Flecken hat, so blieb auch dieses Gestirn Westfalens nicht völlig fleckenrein, denn im Anfang seiner Herrschaft stand er einige Zeit auf Seite des gebannten Kaisers Heinrich IV. gegen Papst Gregor VII. Als er aber die falschen Beschuldigungen der Parteigänger des Kaisers durchschaut und die Unschuld des großen Gregor erkannt hatte, beweinte er mit bitteren Tränen und aufrichtiger Buße seine Verirrungen und unternahm zur Sühne seiner Schuld zugleich mit dem Grafen Bodo und Ludolph, Propst an St. Mauritz, am 12. Februar 1091 eine Wallfahrt zum Heiligen Land. Um von Gott eine glückliche Fahrt zu erflehen, versammelte er am Tag vor seiner Abreise das gläubige Volk im Dom, schwur öffentlich der Verbindung mit dem Schisma ab und verband sich und die Seinigen von neuem mit der wahren Kirche. Nach vielen Gefahren kamen die drei Gefährten zum Heiligen Land. Ludolph wurde dort am 8. November ermordet. Erpho kehrte glücklich im folgenden Jahr (1092) zu seiner Herde zurück. Von da an fuhr er fort, die ihm anvertrauten Schäflein gut zu weiden, bis er am 9. November 1097 sein tugendreiches Leben schloss. Sein Leichnam wurde in einer Kapelle der Mauritzkirche begraben. Die fanatischen Wiedertäufer des 16. Jahrhunderts zerstörten das Grabdenkmal, aber Jodocus von Werne, Scholaster an jener Kirche, ließ es im Jahr 1620 schöner wiederherstellen.

 

Als das Grab im Jahr 1620 geöffnet wurde, ereignete sich auf die Fürbitte des heiligen Erpho ein augenfälliges Wunder. Egbert von Clevorn zu Darvelt war schon lange Zeit an beiden Füßen gelähmt, so dass er nur mit zwei Krücken sich fortbewegen konnte. Bald darauf musste er sogar auf Händen und Füßen kriechen. Alle ärztliche Hilfe erwies sich als fruchtlos. Seine Gemahlin Elisabeth von Travelmann mahnte ihn wieder und wieder, seine Zuflucht zum heiligen Erpho zu nehmen, denn sie habe aus dem Mund des hochwürdigen Heinrich von Galen, der früher Propst in St. Mauritz war, öfters vernommen, dass an dem Grab des Heiligen schon von alters her viele Gebetserhörungen vorgekommen seien. Vielleicht würde auch ihm die Anrufung des Heiligen helfen. Der Kranke folgte dem Wink und wandte sich im inbrünstigen Gebet zum heiligen Erpho, während seine Gemahlin die Kirche besuchte, denn es war gerade Pfingsten. Kaum hatte seine Gemahlin eine pfündige Kerze geopfert und die Heilige Messe gehört, so verließ der Schmerz das linke Bein, dann das rechte und wich völlig aus allen Gliedern. Ankerfüllt kniete der plötzlich Geheilte nieder vor dem Bild des heiligen Erpho, dessen Überschrift lautet:

 

Pastor bonus et miles Christi,

Ein guter Hirt und Streiter Christi.