Der heilige Eberhard, Erzbischof und Bekenner von Salzburg, + 22.6.1164 – Fest: 22. Juni

 

Fromme Eltern erfreuen sich gewöhnlich guter Kinder. Aus edler Saat ersprießt selten eine schlechte Frucht. Der Graf von Hilpoltstein und seine hochherzige Gattin waren musterhafte Christen, und besondere Verehrer der allerseligsten Jungfrau. Zu ihrer Ehre bauten sie in der Nähe ihres Schlosses eine Kirche, zu der die Gräfin barfuß stundenweit auf ihren Schultern die Steine herbeitrug.

 

Gott erfreute die gottesfürchtigen Eltern im Jahr 1085 mit einem Sohn, den sie in der heiligen Taufe Eberhard nannten. In frommen Tugendübungen wuchs das Kind zum jungen Mann heran und entwickelte seine herrlichen Geistes- und Herzensgaben unter der sorgfältigen Leitung der Benediktiner zu Bamberg. Kaum war er in den Priesterstand eingetreten, so nahm man ihn trotz seines demütigen Sträubens als Chorherrn im Domstift auf. Bald vertauschte er diese Würde mit dem Ordenshabit, aber das Domkapitel begehrte dringend den ausgezeichneten Priester zurück, und der Abt, sowie Eberhard, fügten sich dem ungestümen Drängen.

 

Zu seiner weiteren Ausbildung besuchte Eberhard die berühmte Hochschule zu Paris und machte glänzende Fortschritte in der Wissenschaft des Heils. Bei seiner Rückkehr bat er kniefällig den heiligen Bischof Otto von Bamberg, ihm den Eintritt in den Benediktinerorden gestatten zu wollen. Mit bischöflicher Genehmigung trat er in das neugestiftete Benediktinerkloster Prüfening bei Regensburg ein und übte unter der Leitung des vorzüglichen Abtes Erbo die Tugenden der Demut, der Abtötung und aller klösterlichen Zucht.

 

In dieser Zeit hatten seine drei Geschwister auf ihrem Besitztum Biburg bei Ingolstadt ein Kloster gegründet und begehrten ihren Bruder zum Abt. Eberhard sträubte sich jahrelang gegen diese Würde, bis ihm Papst Innocenz II. unter dem Gehorsam, sie anzunehmen, befahl. Als Eberhard mit dem Bischof von Bamberg auf seiner Romreise über die schneebedeckten Alpen ritt, traf er eine arme Bettlerfrau an, die vor Müdigkeit nicht mehr gehen konnte. Sogleich stieg er von seinem Pferd, setzte sie auf den Sattel und ging selber nebenher durch den Schnee.

 

Als Abt des Benediktinerklosters Biburg entfaltete Eberhard seine ganze geistige Kraft und seine schönen Eigenschaften des Herzens und verbreitete ringsumher so viel Tugendeifer, dass man seinen Namen überall mit Ehren nannte. Nach dem Tod des Erzbischofs Konrad von Salzburg wurde Eberhard einstimmig zu dessen Nachfolger erwählt, und obgleich sich seine Demut widersetzte, musste er dem allgemeinen Wunsch der Geistlichkeit und des Volkes nachgeben und empfing die Bischofsweihe am 13. Mai 1147.

 

In seiner hohen Stellung führte Eberhard das einfache und abgetötete Leben eines Mönches fort, benutzte aber die reichen Einkünfte, um Arme und Kranke zu unterstützen und überall Wohltaten zu spenden. Seine warme Nächstenliebe und sein Eifer für die Ehre Gottes wünschte nichts als alle Menschen wahrhaft glücklich zu machen, aber sein redliches Bemühen stieß auf manche Hindernisse. Kaiser Friedrich Barbarossa maßte sich Eingriffe in geistliche Angelegenheiten an, verfolgte den Papst Alexander III., setzte eigenmächtig einen Gegenpapst unter dem Namen Viktor IV. ein und wollte auch den einflussreichen Erzbischof Eberhard von Salzburg zwingen, den falschen Papst Viktor anzuerkennen. Treu gegenüber Gott und seinen rechtmäßigen Stellvertreter, duldete er die Unbilden und Verfolgungen und erklärte fest und starkmütig: „Ich will lieber den Kaiser, als Gott zum Feind haben.“ Seine Klugheit, Gewandtheit und Treue befähigten ihn vor allen zum Vermittler zwischen Kaiser und Papst. Zum Lohn für sein Friedenswerk erhielt er die Würde eines römischen Legaten von Deutschland.

 

Unbekümmert um den Lohn oder Tadel der Welt, wirkte Eberhard unablässig für das Heil der Seelen und für die Verherrlichung der Braut Christi, seiner heiligen Kirche. Seine Glaubensfreudigkeit, seine Gottesliebe und beharrliche Geduld nährte er besonders durch kindliche Verehrung der allerseligsten Jungfrau Maria. Dieses schöne Erbteil seiner frommen Mutter bewahrte er als das kostbarste Kleinod. Irdische Güter und Freuden galten ihm nichts, aber die Freude des innigen Verkehrs mit der Mutter aller Gnaden versüßte ihm alle Bitterkeiten und erleichterte ihm alle Mühsale seines hohen Amtes. Niemand schlug er etwas ab, der ihn im Namen Mariens bat.

 

Schon oft hatte Eberhard sich als glücklicher Friedensvermittler erprobt. Da vernahm er von einem Zwiespalt zwischen dem Markgrafen Ottokar V. und dem Schlosshauptmann von Leibnitz. Trotz seiner Körperschwäche und seines Alters von achtzig Jahren machte er sich sogleich auf den Weg nach Steiermark, und es gelang ihm vollständig, eine aufrichtige Versöhnung der Entzweiten zustande zu bringen. Auf der Rückreise erkrankte er und starb im Kloster Rain am 22. Juni 1164. Kurz vor seinem Tod sah eine fromme Nonne in einer Verzückung einen kostbaren Thron im Himmel, neben dem der heilige Petrus und der heilige Rupert standen, und hörte eine Stimme: „Dieses ist der Thron Eberhards, der für seine baldige Ankunft bereitet ist.“ Die Erde trauerte über den Tod des geliebten Oberhirten, der Himmel freute sich.