Der heilige Eberhard von Maria-Einsiedeln, Schweiz, 1. Abt von Einsiedeln, + 14.8.958 – Fest: 14. August

 

Nach der Ermordung des heiligen Meinrad blieb seine Zelle im finstern Wald 46 Jahre unbewohnt, wurde aber häufig von andächtigen Pilgern besucht. Einer seiner eifrigen Verehrer, der gottselige Domherr Benno von Straßburg, besuchte im Jahr 907 die geheiligte Stätte, baute die bald zerfallene Kapelle und Zelle Meinrads wieder auf, errichtete neue Zellen, rodete einen Teil des Waldes und machte den Boden urbar, um sich durch seiner Hände Arbeit die nötigen Nahrungsmittel zu verschaffen. Einige Einsiedler schlossen sich ihm an, vereinigten sich zu gemeinsamer Andacht vor dem Gnadenbild der allerseligsten Jungfrau und nannten den Ort Maria-Einsiedeln. Dem Beispiel des heiligen Benno folgend, ließ der Propst Eberhard von Straßburg im Jahr 940 über der kleinen Kapelle Meinrads eine größere Kirche und daneben ein Kloster bauen, in dem fortan die Einsiedler unter der Regel des heiligen Benedikt zusammen wohnten. Ihr erster Abt war der heilige Eberhard.

 

Eberhard entstammte einem fränkischen Grafengeschlecht und war mit dem Herzog Hermann von Schwaben blutsverwandt. Der Reichtum seines Wissens und seiner Frömmigkeit überwog den Glanz seiner irdischen Stellung. Deshalb wählte er den Priesterstand und wurde schon früh wegen seiner hervorragenden Geistesanlagen zur Würde eines Dompropstes erhoben. Aber seiner tiefen Demut sagte die Ehre vor der Welt nicht zu. Deshalb ergriff er den Pilgerstab und suchte seinen Freund Benno im finstern Waldgebirge der St. Meinradszelle auf.

 

Mit dem Erscheinen Eberhards entfaltete sich ein neues Leben an der heiligen Stätte. Mit der reichen Erbschaft seiner Eltern und mit bedeutenden Unterstützungen seiner Verwandten und Freunde baute er eine prächtige Kirche und ein umfangreiches Kloster, dem zunächst der heilige Benno vorstand. Nach seinem Tod wussten seine Klostergenossen keinen würdigeren, frömmeren und weiseren Vorsteher zu wählen, als Eberhard. Unter seiner Leitung blühte die junge Ordensgenossenschaft so herrlich auf, dass Grafen und Herzoge ihre Söhne zur Ausbildung dorthin sandten und dass viele von ihnen das Ordenskleid wählten, um die höchste Stufe der Vollkommenheit zu erstreben.

 

Als der Bau der Kirche in Einsiedeln vollendet war, bat der heilige Abt Eberhard den heiligen Bischof Konrad von Konstanz, die Tempelweihe vorzunehmen. Außer ihm folgten der heilige Bischof Ulrich von Augsburg, zahlreiche Kirchenfürsten, Äbte und Adelige der Einladung zur Festfeier. In der Nacht vor dem 14. September 948 brachte der heilige Bischof Konrad mit mehreren Klostergeistlichen unter inbrünstigem Gebet in der Kirche zu. Plötzlich ertönt ein lieblicher Engelgesang von der Kapelle her, Jesus Christus erscheint in himmlischem Lichtglanz, von Engeln und Heiligen umgeben, die heilige Jungfrau steht strahlend auf dem Altar, und der ewige Hohepriester weihte ganz nach den Vorschriften und Zeremonien der Kirche die Meinradskapelle ein.

 

In der Frühe des Morgens strömte das gläubige Volk zusammen, um der Weihe beizuwohnen. Der Bischof Konrad erzählte, was er in der Nacht gesehen und weigerte sich, das zu beginnen, was Christi Hand vollendet hatte, aber die anwesenden Bischöfe und Äbte erklärten das Vernommene für ein Traumgesicht und nötigten ihn, dass er zunächst die Weihe der Kapelle vornehme. Aber in dem Augenblick, da er die Zeremonie beginnen wollte, ertönte eine mächtige Stimme vom Himmel: „Halt ein, halt ein, Bruder, die Kapelle ist von Gott geweiht!“ Alle Anwesenden hörten diese Stimme dreimal und überzeugten sich von der Wahrheit der Aussage des heiligen Bischofs. Lob- und Danklieder erschallten aus dem Mund des erstaunten Volkes. Dann weihte Konrad die große Kirche zu Ehren des heiligen Mauritius und seiner thebaischen Legion.

 

Papst Leo VIII. ließ sich vom heiligen Bischof Konrad über diese wunderbare Begebenheit genauen Bericht erstatten, bestätigte durch eine besondere Bulle vom 3. November 964 das Wunder als ein echtes und beschenkte die frommen Pilger und Besucher der Gnadenkapelle mit Ablässen. Diese wurden von mehreren Päpsten bestätigt und bereichert. Zu dem Gnadenbild wallen alljährlich mindestens 300 000 Pilger und unzählige von ihnen können bezeugen, dass die Mutter Gottes heute noch die Trösterin der Betrübten, die Zuflucht der Sünder und die Retterin der Bedrängten ist.

 

Nach dieser einzig in der Geschichte dastehenden Kirchweihe lebte der heilige Eberhard noch zehn Jahre, hochgeehrt von seinen Klosterbrüdern, zu Rate gezogen von Fürsten und Kaisern, geliebt von allen, die ihn kannten. Sein Tod erfolgte am 14. August 958. Sein Leichnam wurde vor der Gnadenkapelle beigesetzt, wo er im Leben so gern gebetet, über die er einen so prachtvollen Tempel erbaut hatte, und wo ihm schon im Leben so viele Gnaden gewährt worden waren.