Die heilige Dorothea, Jungfrau und Martyrin von Cäsarea, + 6.2.304 - Fest: 6. Februar

 

Am 6. Februar des Jahres 304 nach Christi Geburt erlitt die heilige Dorothea den Martertod. Vorher hatte man sie bereits wegen ihres mutigen Bekenntnisses des christlichen Glaubens auf alle mögliche Weise erfolglos gequält und drangsaliert. Zuletzt übergab man sie ihren beiden leiblichen Schwestern Christa und Kallista. Diese beiden hatten sich durch die Androhung von Folter und Pein bewegen lassen, vom Glauben abzufallen. Die beiden sollten nun auch ihre Schwester Dorothea dazu bringen, den gleichen Schritt zu tun. Das Gegenteil jedoch trat ein, denn Dorothea führte die beiden zu Christus zurück. Darauf geriet der heidnische Richter dermaßen in Wut, dass er Christa und Kallista kurzerhand hinrichten ließ.

 

Es herrschte strenger Winter, als dieses geschah. Heute noch heißt eine Bauernregel: „Sankt Dorothe gibt den meisten Schnee.“ So war es damals auch. Fußhoch lag der Schnee. Frostig und schneidend blies der Wind. Der Himmel war mit grauen Wolken verhangen. Öde, trostlos und leer war der Tag, an dem Dorothea das Blutzeugnis für Christus ablegte.

 

Um die zehnte Stunde am Morgen holten die Henker das mutige Mädchen aus dem Gefängnis und führten es auf den öffentlichen Richtplatz. Viele Leute säumten den Weg und schlossen sich dem Zug an, so dass zuletzt wohl an tausend Menschen dabei waren. Dorothea aber befand sich in fröhlicher Stimmung wie eine Braut, die am Hochzeitstag dem Bräutigam freudig entgegengeht. Im scherzenden Ton sagte sie zu den Anwesenden:

 

„Kalt ist die Welt und freudenleer. Deshalb bin ich von Herzen froh, dass ich in jenes Land gehen darf, wo es keinen Winter und keinen Schnee gibt, wo die Sonne nie untergeht, wo allezeit die Felder grünen, wo im Garten meines Bräutigams Lilien und Rosen immer blühen und die schönsten Früchte das ganze Jahr hindurch reifen. Wie freue ich mich doch auf das Paradies!“

 

So sprach Dorothea an der Richtstätte. Es war da aber ein junger und reicher Mann anwesend, der Theophilus hieß, was auf Deutsch Gottlieb bedeutet. Auch er hörte die Rede der Blutzeugin. Und beim Hören lachte er laut auf, und mit spöttischen Lippen rief er über den Platz:

 

„He, du schönes Mädchen, sei doch so gut und schicke mir einige Rosen und Äpfel aus dem Garten deines Bräutigams! Es sollte mich freuen, wenn du es tätest, und gern würde auch ich dir dann in dein Paradies folgen.“

 

Als Dorothea die Worte hörte, schaute sie den Sprecher bedeutsam an und sagte, das wolle sie wohl tun, nur müsse er dann auch zu seinem Wort stehen.

 

Daraufhin entfernte sich Gottlieb eiligst, um seinen Freunden zu erzählen, welch einen lustigen Scherz er eben erlebt habe. Dorothea indessen nahm die Sache sehr ernst, und bevor sie ihr Haupt auf den Richtblock legte, betete sie ein Weilchen, und da stand auch schon ein überirdisch schöner Junge neben ihr, der ihr in einem Körbchen drei prächtige Rosen und drei eben gereifte rotwangige Äpfel brachte, mitten im Winter, in Eis und Schnee. Dorothea lächelte glücklich und schickte den Himmelsboten zu Gottlieb, während sie selbst tapfer den Todeshieb empfing.

 

Kaum war das geschehen, da stürmte Gottlieb heran, die Rosen und die Äpfel hatten ihm die Augen geöffnet. Mutig stand er zu seinem gegebenem Wort und bekannte laut vor dem Richter und vor allem Volk, dass auch er sich zu Christus bekenne und um den Martertod bitte. Sogleich wurde ihm die Bitte erfüllt, und wenige Augenblicke später folgte Gottlieb, durch die Bluttaufe von aller Schuld gereinigt, Dorothea ins Paradies.

 

Die Rosen und die Äpfel in der Legende sind ein Sinnbild der Gnaden, die Gott auf die Fürbitte der Heiligen hin den Menschen schenkt.

 

Dorothea und Theophilus

 

Gleich wie ein fruchtbarer Regen

Ist der Martyrer Blut,

Und Frucht durch Gottes Segen

Reichlicher bringen tut.

 

Durch`s Kreuz die Kirche bringet,

Und wächst ohn` Unterlass,

Durch Tod zum Leben dringet,

Wer herzlich glaubet das.

 

Aus guter Zucht und Namen

Sich gute Art erschwingt;

Von Gott die Frommen kamen,

Zu Gott der Fromme dringt.

 

Ist Dorothea geboren

Von Eltern keusch und rein,

So geht sie nicht verloren,

Und bleibt sie auch allein.

 

Die Heiden wollten zwingen

Sie zur Abgötterei;

Dem Feind wollt`s nicht gelingen

Christum bekennt sie frei.

 

Ein Urteil ward gefället:

Verdient hätt` sie den Tod.

Ritterlich sie sich stellet,

Vertrauet froh auf Gott.

 

Und Theophil dem Kanzler

Dem jammert die Jungfrau sehr;

Er sprach: "O schon dein Leben,

Verlass die falsche Lehr`,

 

Und rett` dein junges Leben!"

D`rauf Dorothea spricht:

"Ein bessres wird er geben,-

Und das vergehet nicht.

 

Zum schönen Paradiese

Komm ich nach meinem Tod,

Christo zu Ehr und Preise

Steh`n da viel Röslein rot;

 

D`raus wird mir Christ mein Herre -

Machen einen Ehrenkranz;

Der Tod geliebt vielmehre,

Als so ich ging zum Tanz."

 

Das Fräulein war gerichtet,

Da klopft es an sein Haus,

Der helle Morgen lichtet,

Ein Knäblein stehet draus.

 

Geschwingt mit golnen Flügeln

Reicht`s Rosenkörbchen dar,

Verschwindet auf den Hügeln,

Von wo es kommen war.

 

Und auf den Rosenblättern

Da steht geschrieben klar:

"Mein Christus ist mein Retter,

Und er mir gnädig war;

 

Ich leb` in Freud und Wonne,

In ew`ger Herrlichkeit!" -

"Mein Irrtum ist zerronnen!"

Theophilus sagt mein Freund.

 

Bald fing er an zu preisen

Dich Christus wahren Gott,

Und ließ sich unterweisen

Wohl in des Herrn Gebot;

 

Hat heil`ge Tauf empfangen

Und Christum frei bekennt,

Zur Marter ist gegangen

Und mit der Ros` verbrennt.