Der heilige Dominikus, Abt und Bekenner von Silos, Spanien, + 20.12.1073 - Fest: 20. Dezember

 

Dominikus war der Sohn armer, aber sehr gottesfürchtiger Landleute aus dem spanischen Dörfchen Cannas und hütete in seiner Jugend die Schafe. Dieses Geschäft war freilich nicht geeignet, ihm eine höhere Bildung zu geben, aber mit dem frommen, sanften und unschuldigen Jungen war die Gnade Gottes, und wenn er auch in der Weisheit der Welt zurückblieb, nahm er umso mehr zu in der Wissenschaft des Heils. Allem Mutwillen sich enthaltend, der unter den jungen Hirten gang und gäbe ist, verwendete er seine Freizeit zum Gebet und zur Betrachtung der himmlischen Dinge. So entbrannte in ihm das Verlangen, dem Herrn mit Zurücksetzung aller zeitlichen Sorge in der Abgeschiedenheit zu dienen. Er beriet sich mit seinen Eltern, die meinten, es könne wohl der Geist Gottes dies ihrem Sohn eingegeben haben, und baute sich dann mit ihrer Zustimmung eine Klause im Wald. Dort brachte er mehrere Jahre in strenger Abtötung zu, und es wurde ihm, dem Ungelehrten, im beständigen Umgang mit Gott gar manches Geheimnis erschlossen, was den Doktoren der Weltweisheit ewig verborgen bleibt. Indes war es nicht seine Bestimmung, als Einsiedler zu sterben, denn der Herr wollte die Talente seines Dieners zum Besten der Menschheit benutzen. Deshalb gab er ihm ein, es sei ersprießlicher für ihn, auf dem Weg der Vollkommenheit in Gemeinschaft mit anderen und unter der Leitung eines weisen Oberen zu leben, als für sich nach eigenem Gefallen. Da verließ Dominikus seine Einöde und wallte zu dem benachbarten Kloster St. Ämilian, wo er auf sein Bitten unter die Jünger des heiligen Benedikt aufgenommen wurde. Dem scharfen Blick des Vorstehers entging nicht lange, dass der neue Bruder neben einer gereiften Tugend herrliche Geistesgaben besitze, denen aber noch die wissenschaftliche Ausbildung fehle, und er trug nun Sorge, dass diese Lücke ergänzt werde. In überraschend kurzer Zeit holte Dominikus die mangelnden Kenntnisse nach und wurde nun der Priesterweihe für würdig erachtet. In der Folge trat er sogar als Abt an die Spitze der Genossenschaft, und diese war unter seiner weisen und eifrigen Führung nahe daran, ihre höchste Blüte zu erreichen, als die Habsucht eines Großen der Welt mit roher Faust störend eingriff.

 

Den König Garcia von Navarra, in dessen Gebiet das Kloster lag, gelüstete es seit langem schon nach den Schätzen, die die Frömmigkeit der Gläubigen in der Kirche des heiligen Ämilian niedergelegt hatte. Ihrer habhaft zu werden, bestellte er den Abt zu sich und versuchte ihn anfänglich mit guten Worten zur Herausgabe zu bringen. Als aber Dominikus festen Sinnes erklärte, er wolle eher das Leben opfern, als auch nur einen Heller von dem Eigentum Gottes zu nehmen, schritt der verblendete Fürst zur Gewalt und sandte seine Kriegsknechte aus, das Kloster zu besetzen und die Mönche zu vertreiben. Diese suchten Zuflucht bei Ferdinand I., dem König von Kastilien und Leon, der sie bereitwillig aufnahm und ihnen das ehedem berühmte, damals aber in Verfall geratene Kloster Silos einräumte. Im Namen des Herrn bezog Dominikus mit seinen Gefährten die neue Wohnstätte und richtete sie bald wieder auf das Beste ein. Sein über ganz Spanien sich verbreitender Ruf zog viele heilsbegierige junge und selbst gereifte Männer herbei, um unter seiner Anleitung den Weg der Vollkommenheit zu betreten. Je reicher die Mönche von Silos an Tugenden wurden, desto mehr segnete sie der Herr auch im Zeitlichen, und das Einkommen des Klosters wurde in den 23 Jahren, während der Dominikus hier als Abt waltete, weit bedeutender, als es je gewesen war. Den Überschuss wendete der Heilige den Notleidenden aller Art, besonders den in der Gefangenschaft der Mauren schmachtenden Christen zu. Diese zu erlösen gab er nicht nur von dem Eigenen große Summen hin, sondern bettelte auch bei den Großen und Reichen ansehnliche Beisteuern zusammen. Daneben opferte er für sie Gott viele Gebete, heilige Messen und Bußwerke auf, und es war weniger das leibliche Elend, das auf den unglücklichen Sklaven lastete, als vielmehr die Gefahr, in der ihr Seelenheil unter den Ungläubigen schwebte, was ihn zu diesen Werken der Barmherzigkeit drängte. Bald erfuhren die Gefangenen, welch gütigen und besorgten Vater sie an Dominikus hätten, und viele setzten ein solches Vertrauen auf ihn, dass sie ihn, obwohl er noch lebte, wie einen schon verklärten Himmelsbürger um seine Fürbitte bei Gott anriefen. Die Chroniken des Benediktinerordens berichten, dass auf diese Weise mehrere wunderbarlich ihre Freiheit erhielten und dann zum Zeichen des Dankes ihre Ketten im Kloster des Heiligen niederlegten.

 

Wie im Leben, so war auch im Sterben der ruhmwürdige Abt den seinigen ein Vorbild. Während seiner letzten Krankheit ließ er das Kruzifix fast nie aus den Händen, küsste es vielmals auf das Andächtigste und gab in Umfangung desselben den Geist auf – am 20. Dezember 1073.