Der heilige Dominikus Savio, Salesianer Seminarist von Turin, + 9.3. 1857 - Fest: 11. März

 

Das größte Gotteshaus, das es in der Welt gibt, ist die Peterskirche in Rom. Am 6. März 1950 war der gewaltige Dom voll von Menschen. Fast nur Jungen waren es, dreißigtausend an der Zahl, die aus allen Ländern hergereist waren, um an einem einzigartigen Fest teilzunehmen. An diesem Tag wurde nämlich einer ihresgleichen, ein fünfzehnjähriger Junge, feierlich von der Kirche seliggesprochen. Dominikus Savio hieß er.

 

Dominikus Savio war der Sohn eines italienischen Dorfschmieds. Geboren wurde er im Jahre 1841. Weil er einen hellen Kopf hatte, lernte er spielend. Bald wurde er Messdiener. Das hatte seine Schwierigkeiten, denn Dominikus war damals noch so klein, dass er das Messbuch nur dann fassen konnte, wenn er sich ganz vorn auf die Fußzehen stellte. Umso besser aber wusste er die Messgebete. Nicht den geringsten Fehler machte er da. Langsam, klar und deutlich sprach er Wort für Wort so aus, dass der Priester, dem er bei der heiligen Messe diente, nie über ihn zu klagen brauchte.

 

Zu der Zeit, da Dominikus Savio jung war, herrschte noch der Brauch, dass die Kinder erst mit zwölf Jahren zur ersten heiligen Kommunion geführt wurden. Weil Dominikus aber über sein Alter klug und fromm war, machte man bei ihm eine Ausnahme, und so empfing er schon mit sieben Jahren die erste heilige Kommunion. Sein Erstkommuniontag war und blieb für ihn zeitlebens der schönste Tag. Treu hat er die Vorsätze gehalten, die er sich damals aufschrieb; denn diesen Vorsätzen gemäß ist er oft zu den heiligen Sakramenten gegangen, hat den lieben Heiland und die Mutter Gottes alle Tage innig verehrt und wollte lieber sterben, als eine schwere Sünde tun. Ob er vielleicht gerade deswegen schon mit so jungen Jahren ein Heiliger geworden ist?

 

Dominikus Savio wollte Priester werden, und obwohl er nie Priester wurde, weil er zu früh starb, ist er doch schon Priester gewesen dadurch, dass er unter seinen Mitschülern wie ein Priester gewirkt hat.

 

Da kamen eines Tages zwei Kameraden heftig in Streit. Der eine hatte den andern schwer beleidigt. Beide verabredeten sich zu einem regelrechten Zweikampf. Jeder sollte fünf schwere Steine auf den Gegner werfen dürfen. Dominikus Savio wurde gebeten, den Schiedsrichter zu spielen. Gern war er dazu bereit, allerdings nur unter der Bedingung, dass jeder der beiden Streithähne zuerst auf ihn einen Stein werfe, und zwar müssten sie beide auf seinen Kopf zielen. Diese Bedingung wirkte auf die Heißsporne wie ein kalter Wasserstrahl, sie nahmen Vernunft an und versöhnten sich. So wirkte Dominikus Savio, obwohl er nicht Priester war, doch schon wie ein Priester; denn wer dafür sorgt, dass Streitende sich wieder vertragen, der ist wie ein Priester.

 

Als einmal das Allerheiligste Sakrament zu einem Kranken getragen wurde, knieten sich alle Leute, wie es sein soll, auf der Straße nieder. Nur ein Soldat blieb stolz und steif stehen. Allzugern hätte Dominikus es gesehen, dass auch dieser Mann sich niederkniete und dem Heiland im Sakrament seine Verehrung bezeigte. Doch wie konnte er, der Junge, dem Soldaten Vorschriften machen! Was tat er? Er nahm sein Taschentuch, breitete es auf dem Boden aus und lud den Mann mit einem Blick ein, sich niederzuknien. So freundlich benahm er sich dabei, dass der Soldat tatsächlich seiner Aufforderung nachkam.

 

Es ist eigentlich zu bedauern, dass Dominikus nicht Priester wurde, sondern mit fünfzehn Jahren bereits gestorben ist. Er war wohl zu gut für die Welt, aber vom Himmel aus wirkt er heute noch dadurch weiter, dass er durch sein Beispiel zeigt, wie auch Kinder gleich einem Priester wirken können.