Der heilige Damian Deveuster, der Apostel der Aussätzigen, aus der Kongregation von den heiligsten Herzen Jesu und Mariä, + 15.4.1889 - Fest: 15. April

 

Die neuere Zeit und, mit Freude und Genugtuung dürfen wir es sagen, unsere heilige Kirche hat der Welt einen Helden geschenkt, einen Helden der Nächstenliebe und Selbstaufopferung, bei dessen Tod eine noch nie dagewesene Bewegung der Verehrung sich aller Herzen bemächtigte. Nicht allein die religiöse katholische Welt hat dem Apostel der Aussätzigen auf Molokai den Herzenstribut dankbarer Huldigung und Ehrung dargebracht, schier noch größer war die Begeisterung und Bewunderung für den Heldenmut treuer Pflichterfüllung, die sich bei der Nachricht vom Tod Pater Deveusters unter den Andersgläubigen Bahn brach. Die Engländer kamen allen zuvor. In London wurde Pater Damians Bild mit den Verwüstungen des Aussatzes im Gesicht öffentlich ausgestellt. Es war hässlich anzuschauen; aber unter dem abstoßenden Äußeren entdeckten die Beschauer bald die Züge des edlen Priesters, der auf seiner einsamen Insel im Stillen Ozean unbekannt bleiben wollte, dessen Name aber doch in aller Munde war. Scharenweise drängte man sich heran, zu Tausenden wurde seine Fotografie gekauft. „In Birmingham“, so erzählt ein Augenzeuge, „wichen die ersten, die Pater Damians Bild in einem Schaufenster erblickten, zurück vor der entsetzlichen Hässlichkeit. Aber dies unwillkürliche Sträuben währte nur einen Augenblick. Als man den Helden der christlichen Liebe erkannte, umdrängte das Volk in solcher Zahl das Schaufenster, dass die Polizei wiederholt zur Aufrechterhaltung des Verkehrs einschreiten musste.“ Der Prinz von Wales, der spätere König Eduard VII. trat an die Spitze einer Vereinigung von Männern aus allen Konfessionen, die dem toten Freund der Aussätzigen ein Denkmal setzen wollten, wie denn auch tatsächlich zu Löwen und auf Molokai sein Andenken auf diese Weise verewigt wurde.

 

Was hat es nun mit diesem Mann, der eine so weitgreifende Bewunderung bei allen Nationen wachrief, für eine Bewandtnis?

 

Pater Damian, ein ernster, mitleidiger, tätiger Mann, ein liebenswürdiger Charakter von großer Stärke des Geistes, wurde durch Gottes weise Vorsehung von Jugend auf mit den erforderlichen Gaben des Körpers und Geistes ausgestattet, um den ihm einst zugewiesenen Beruf ganz erfüllen zu können. Joseph Deveusters Heimat ist Tremeloo in Belgien, nördlich von Löwen, wo er am 3. Januar 1840 geboren wurde. Seine Eltern, dem ländlichen Mittelstand angehörend, waren eifrige katholische Christen, die ihren Kindern eine gediegene Frömmigkeit und Liebe zu Gott einflößten. In dem „kleinen Schäfer“ begann frühzeitig eine große Hingabe für den Dienst Gottes, Liebe zum Gebet, Mitleid mit den Armen und Verständnis für eigene Überwindung, Entsagung und körperliche Abtötung Wurzel zu fassen. Mehrmals wurde er durch Gottes besonderen Schutz aus drohender Lebensgefahr errettet. Im achtzehnten Jahr hatte Joseph das Glück, einer Mission der Redemptoristen beizuwohnen, die entscheidend auf seine Standeswahl einwirkte. Von jener Hochherzigkeit beseelt, die nur den göttlichen Willen bestimmt zu erkennen braucht, um ihn ohne Verzug zu vollziehen, brachte er auch alsbald den Gnadenruf Gottes zum geistlichen Leben zur Ausführung. Sein älterer Bruder gehörte der neuen, 1817 approbierten Genossenschaft der heiligsten Herzen Jesu und Mariä, auch Picpus-Kongregation genannt, an. Als Joseph, zusammen mit seinem Vater, dem Bruder in Löwen einen Besuch machte, hielt er um Aufnahme in die Gesellschaft an, erhielt sie und blieb auch sofort im Kloster, um den Seinen den Schmerz des Abschieds zu ersparen. Für die Entschiedenheit des jungen, gottbegeisterten Mannes ist dies bezeichnend. Diese Energie und Entschiedenheit, verbunden freilich mit besten Geistesanlagen, vermochten viel im Leben unseres Jüngers der Liebe. Sie führten ihn zum priesterlichen und zum apostolischen Beruf. Josephs Bruder, Pater Pamphil, lehrte den Novizen, anfangs nur zur Zerstreuung und Unterhaltung in der Freiheit lateinische Worte und Sätze. Der Fortschritt des strebsamen Schülers war aber ein so staunenswerter, dass die Oberen den „Frater Damian“, der 1860 die feierlichen Ordensgelübde ablegen durfte, unter die Kandidaten des Priestertums einreihen konnten.

 

Ernst, Entschiedenheit und rastlose Tätigkeit fördern rasch die Entwicklung des jungen Ordensmannes weiter. Zum Gebet und zur Anbetung des Allerheiligsten verwendete er mit Vorliebe die Nachtstunden, was ihm bei seiner kräftigen Natur ohne Besorgnis erlaubt werden konnte. Eifer und Entschlossenheit führten den opferfreudigen Kleriker auch unverhofft rasch auf das Missionsfeld. Die Picpus-Kongregation hatte neben Abhaltung der Sühne-Anbetung und Mitwirkung an der Erneuerung des religiösen Geistes in der Heimat auch die auswärtigen Missionen als Arbeitsfeld erhalten. Die Sandwichinseln im Stillen Ozean, nordöstlich von Australien gelegen, waren ihr vom Heiligen Stuhl zugewiesen. Im Jahr 1863 sollte Frater Damians Bruder, Pamphilius, dorthin übersiedeln. Doch dieser erkrankte kurze Zeit vor der Abreise an Typhus. Da wandte sich Damian, kurz entschlossen, unmittelbar an den Generaloberen in Paris mit der Bitte, an seines Bruders Stelle treten zu dürfen, „damit das (bereits bezahlte) Fahrgeld nicht vergeudet sei“. Wirklich kam zur Verwunderung der Lokaloberen der Befehl, das Frater Damian abreise, obgleich er erst die niederen Weihen empfangen hatte. Nach fünfmonatiger Reise landete der begeisterte Missionar, am Fest des heiligen Joseph 1864, in Honolulu, der Hauptstadt des Inselreiches. Zu Pfingsten bereits erhielt Damian Deveuster vom apostolischen Vikar Maigret die Priesterweihe und sogleich den drei Tagereisen umfassenden Bezirk Puna als ersten Missionsposten. Hier hieß es, neu aufbauen. Noch nicht einmal eine Kapelle war vorhanden. Die wenigen Katholiken waren weit auf den Dörfern zerstreut, überdies von der Irrlehre des Kalvinismus bedrängt. Schon bei der ersten Runde gab der Herr des Weinberges dem neuen Arbeiter neunundzwanzig Seelen zur Wiedergeburt im Wasser der heiligen Taufe. Glücklich und zufrieden, inmitten von Mühen und Sorgen, umgeben, geliebt von den armen Einheimischen, arbeitete Pater Damian rastlos an ihrem Seelenheil. Als der eifervolle Hirte aber sah, dass einer seiner Mitbrüder in Kohala noch schwerer zu arbeiten hatte und dabei weniger kräftig war, bat er seinen Bischof, dorthin versetzt zu werden. In den vier Jahren der Missionstätigkeit in diesem Bezirk baute der damals ruhende Diener des Herrn vier neue Kirchen und erneuerte eine alte, wobei er selbst das Amt des Zimmermanns und Baumeisters übernahm.

 

Doch so aufopferungsvoll und segensreich auch Pater Damians Tätigkeit in der Mission war, Gott, der Herr, hatte für ihn noch ein anderes, ganz außergewöhnliches Arbeitsfeld bereit, indem er nicht nur Gut und Kraft, Zeit und Freiheit, sondern buchstäblich Blut und Leben einsetzte und hinopferte. Das war seine Tätigkeit, sein Opferleben unter den Aussätzigen.

 

Das entsetzliche Übel des Aussatzes war vor mehr als fünfzig Jahren, wahrscheinlich von Asien her, auf den Sandwichinseln eingeschleppt worden. Die geselligen, gastfreundlichen Eingeborenen, die keine Furcht vor Ansteckung kannten, beobachteten auch keine Schutzmaßregeln. So konnte die unheilvolle Krankheit festen Fuß fassen und auf allen Inseln sich ausbreiten. Erst im Jahr 1865 griff die Regierung mit Schutzgesetzen ein. Alle Aussätzigen sollten von der übrigen Bevölkerung abgesondert und auf die nördliche Insel Molokai zusammengebracht werden. Da fristeten nun die Unglücklichen ein trauriges Dasein. Im Norden schied sie das Meer, im Süden eine gewaltige Felswand von der übrigen menschlichen Gesellschaft. Sie waren sich ganz selbst überlassen. Wohl sorgte die Regierung für ihren Unterhalt, aber das, was auch das Schwerste erträglich macht, die mitleidsvolle Liebe, fehlte. Die Lage der Armen war eine tieftraurige. Die entsetzliche Krankheit ließ den Leib der Befallenen, Glied um Glied, der Fäulnis anheimfallen. Für das Diesseits war ihnen jede Hoffnung auf Glück entschwunden. Ihre Leiden trieben sie vielfach zur Verzweiflung, und so ergaben sie sich allen Lastern. Hierdurch entschwand ihnen aber auch die Hoffnung auf ein besseres Jenseits, das einzige, was sie mit ihrem schlimmen Schicksal aussöhnen konnte.

 

Nun vergaßen freilich die katholischen Missionare ihre unglücklichen Brüder auf Molokai nicht. Sie kamen zeitweilig hinüber, um ihnen die Erfüllung der notwendigsten religiösen Pflichten zu ermöglichen. Zur Gründung einer eigenen Seelsorgestation war aber ihre Zahl zu beschränkt. Im Jahr 1872 gelang es wenigstens, unter Beihilfe der Vereinigung zur Verbreitung des Glaubens in Rom, ein Kirchlein zu erbauen. Und schon hatte die göttliche Vorsehung auch den Geistlichen hierfür bereit. Bei einer Versammlung von Missionaren zur Einweihung einer Kapelle auf der Insel Maui, im Jahr 1873, klagte Bischof Maigret, dass er noch immer wegen Priestermangel den Verbannten auf Molokai keinen Seelsorger geben könne. Pater Damian hörte den Wunsch seines Oberhirten, und sofort entschlossen und zum größten Opfer bereit, sprach er: „Hochwürdigster Herr! Hier sind die neuangekommenen Missionare. Gestatten Sie einem von ihnen meine Pfarrei zu übernehmen, und erlauben Sie mir, nach Molokai zu gehen, um für die armen Aussätzigen, deren geistiges und leibliches Elend mir unzählige Male zu Herzen ging, nach Kräften zu arbeiten. Gern will ich lebendig mich begraben mit den unglücklichen Opfern der Seuche, von denen mir manche persönlich bekannt sind.“ Das hochherzige Anerbieten wurde angenommen. Eben lag ein Schiff bereit, um fünfzig Aussätzige hinüberzuführen. Ihnen schloss sich Pater Damian an, ohne auch nur von seinen Freunden Abschied zuu nehmen. So ist es echte Apostelart.

 

Als der neue Aussätzigenseelsorger nach Molokai kam, belief sich die Zahl der unglücklichen Ausgestoßenen auf über achthundert. Die Hälfte davon waren Katholiken. Mit unbeschreiblichem Mitleid schickte er sich an, ihr sittliches und körperliches Elend zu mildern. In der Tat war Deveuster auch seiner körperlichen Beschaffenheit nach äußerst geeignet für seinen schweren, selbst gewählten Beruf. Er stand im Alter von dreiunddreißig Jahren. Kräftig gebaut, die Farbe blühender Gesundheit im Antlitz, Jugendkraft im Auftreten, versprach er Ausdauer und Leben inmitten von wandelnden Leichen. Arme und Herz öffnete nun der katholische Priester nicht nur seinen Glaubensgenossen, nein, allen ohne Unterschied. Alle sollten seine hilfreiche Hand, seine maßlose Hingebung erfahren. Der Retter war da. Wer beschreibt den Eindruck, den sein Erscheinen auf die unglücklichen Bewohner der Toteninsel machte! Die zerknickten Herzen erbebten vor Freude, das gebeugte Haupt richtete sich empor, die müden Augen leuchteten auf in Hoffnung. Kann auch der Gottesmann den Tod nicht bannen, er wird es verstehen, seine Bitterkeit zu mildern. Des Priesters Wort und Segensvermittlung wird denen, die für die Erde nichts mehr zu hoffen haben, wenigstens die gewisse Aussicht auf ein seliges, ewiges Leben erschließen.

 

Es war ein ununterbrochenes Opferleben, ein wunderbares Liebeswerk, das der heldenmütige Apostel auf seinem damals wohl einzigen Posten vollführte. Nur etwa achtzig Aussätzige waren in einem Hospital untergebracht, die übrigen hatten sich aus Zweigen und Blättern elende Hütten gebaut. Hier musste Pater Deveuster stundenlang bei den Kranken und Sterbenden, denen meist jede Pflege und ärztliche Behandlung fehlte, verweilen. Starben doch jede Woche zehn bis zwölf Aussätzige. Der Atem der Kranken ist ein Pesthauch, der die Luft vergiftet und sich in die Kleider einfrisst. Die aufbrechenden Geschwüre, das faulende Fleisch, das nach und nach besonders an Händen und Füßen abfällt, verbreitet einen ganz unerträglichen, abscheulichen Geruch. Den natürlichen Ekel zu überwinden, sich an eine solche Atmosphäre zu gewöhnen, kostet eine übermenschliche Überwindung. Wenn der selbstlose Priester Sterbenden oder Beichtenden das schwarze Blut auffing, das bei Husten- und Erstickungsanfällen dem unförmlichen Leib entquoll, wenn er die vielen Würmer ihre schauerliche Zerstörungsarbeit unaufhörlich vollbringen sah, da war er oft genötigt, wieder an die frische Luft zu treten, und das stürmisch pochende Herz und den sinkenden Mut wieder mit Gewalt aufzuraffen. Mit den Aussätzigen wurde er selber zum Aussätzigen. Darum hatten seine gründlichen religiösen Belehrungen, die er täglich nach der heiligen Messe für alle gab, die Worte der Güte und Barmherzigkeit, die am Krankenlager das Ohr verstockter Sünder trafen, so günstigen Erfolg, dass die Unglücklichen zu christlicher Gesittung zurückkehrten, ihre schlechten Gewohnheiten aufgaben und ihr hartes Geschick mit Geduld und frommer Ergebung zu tragen lernten. Auch Heiden und Irrgläubige, Kalvinisten und Mormonen achteten ihn als gemeinsamen Vater. Im ersten Jahr schon konnte er über hundert Personen die Taufe spenden und viele in der Taufunschuld der ewigen Vergeltung zuführen. Tausende der armen Ausgestoßenen der Menschheit verdanken ihm allein Zufriedenheit im Leben und Seligkeit im Tod. Es gab solche, die gar nicht mehr geheilt zu werden verlangten, wenn sie dann Molokai verlassen müssten.

 

Der unermüdliche Bote der christlichen Liebe tat aber auch alles, um neben den geistlichen Bedürfnissen seiner armen Herde auch ihre vielseitige leibliche Not möglichst zu lindern. Er, der nie an sich und seine Bequemlichkeit dachte, der in den ersten Monaten ohne Obdach war und im Freien unter einem Pandanenbaum nächtigte, - zur Herstellung einer Hütte hätte ihm nicht nur die Zeit, sondern auch das Material gefehlt – ruhte nicht, bis die Regierung das Nötigste sandte, um gesunde, feste Wohnungen zu errichten, sorgte zu allererst unter größten Anstrengungen für gutes Trinkwasser, verbesserte das Vorhandene und baute ein neues Spital und ein Waisenhaus, ruhte nicht, bis ein Arzt sich niederließ, Krankenschwestern und brauchbare Wärter angestellt, eine Apotheke errichtet wurde. Wie vielen Toten hat er eigenhändig den Sarg gezimmert und das Grab geschaufelt! Dass ihn der Bau von Kirchen unablässig beschäftigte, braucht gar nicht eigens hervorgehoben zu werden. Dass er dabei aber seine Kenntnisse in mancherlei Handwerk persönlich betätigen musste, zeigt nur von der Vielseitigkeit dieses einzigartigen Mannes. Der Gottesdienst wurde mit größter Feierlichkeit abgehalten. Sängerchöre und Musikerkapellen fehlten dabei nicht und waren aus den Aussätzigen selbst zusammengestellt. Nicht nur die Fronleichnamsprozession, selbst die so häufigen Leichenbegängnisse wurden zu erhebenden Schauspielen. So gewann das Leben der armen Insulaner auf der gemiedenen Todesinsel eine zuversichtliche, menschenwürdige, ja frohe Stimmung. Was der Mann der Liebe und der entschlossenen Tat auf Molokai geschaffen, wird für immer gerühmt werden in der Geschichte der Menschheit und ist ewig eingeschrieben im Buch der Lebendigen. Die unbestreitbar unglücklichsten aller vernünftigen Wesen glücklich zu machen, ist eine Heldentat, die nur mit Gottes Gnade einem vollendeten Mann des Glaubens und der Liebe gelingen konnte.

 

Zwölf Jahre lang war der in Arbeit und Mühen sich aufreibende Jünger der Liebe augenscheinlich durch höhere Hilfe vor Ansteckung bewahrt geblieben. Doch gefiel es Gott, das bewunderungswürdige Opferleben durch den Opfertod zu krönen. Täglich musste Pater Deveuster gewärtig sein, die Spuren des furchtbaren Übels an seinem Leib zu entdecken. Erst im Jahr 1884 vermutete er sein Vorhandensein, das Schwinden des Gefühls an den Füßen brachte ihm ein Jahr darauf gelegentlich eines heißen Fußbades die Gewissheit. Das trübte ihm nicht die Ruhe der Seele. „Ich habe keinen Zweifel mehr über die wahre Natur meiner Krankheit“, so meldete er selbst seinem Oberen, „doch ich bin ruhig, ergeben und glücklich inmitten meines Volkes. Gott der Herr weiß am besten, was zu meiner Heiligung dient. Ich sage darum täglich mit bereitwilligen Herzen: „Herr, dein Wille geschehe!“ In gewohnter Weise arbeitete er weiter. Nachdem er in den letzten Jahren für die entferntere Station einen Gehilfen in der Seelsorgearbeit erhalten hatte, war es jetzt sogar wieder zeitweilig nötig, an den Sonntagen zweimal Messe zu lesen, viermal zu predigen und zweimal Segensandacht zu halten. Doch der Kräfteverfall und die Entstellung des Äußeren schritt unaufhaltsam fort. Ein überaus großer Trost war es für den Todgeweihten, dass seine Finger und die innere Fläche der Hände, an welchen Stellen bekanntlich der Priester bei der Weihe mit heiligem Öl gesalbt wird, vom Aussatz nicht ergriffen wurden. Das setzte ihn in den Stand, beinahe bis zuletzt das heilige Opfer zu feiern. Dieser Umstand ist umso auffallender, als bei den meisten Aussätzigen gerade die Finger und Hände zuerst zerfressen werden. Am 30. März 1889 musste der Nimmermüde sich aufs Ruhe-, aufs Sterbebett legen. Strahlend vor Glück und Freude bereitete er sich auf den Hingang vor. Zwei seiner Mitbrüder konnten ihn öfters mit dem Brot der Starken rüsten. Am 15. April vollendete der gute Hirte sein Opferleben. Beinahe sechzehn Jahre hatte er inmitten der Schrecken des Aussatzes in treuer Hirtenliebe ausgeharrt.

 

Wo ist die Quelle eines so heroischen Opfermutes? Der heilige Aussätzigenapostel, der würdige Kongreganist der heiligsten Herzen Jesu und Mariä sagt es uns selbst: „Ohne das heiligste Sakrament wäre eine Stelle wie die meinige unerträglich. Aber da ich den Herrn in meiner Nähe habe, bin ich immer heiter und arbeite mit Freude an der Erziehung und Unterstützung der armen Kranken.“

 

Damian Deveuster wurde am 4. Juni 1995 durch Papst Johannes Paul II. selig- und durch Papst Benedikt XVI. am 11. Oktober 2009 heiliggesprochen.