Der heilige Cyrill, Bischof und Apostel der Slaven, + 14.2.869 - Fest: 14. Februar

 

Was der heilige Bonifatius für die deutschen Stämme ist, das sind die beiden heiligen Brüder Cyrillus und Methodius für die große slawische Völkerfamilie. Da Papst Leo XIII. durch ein Rundschreiben vom 30. September 1880 ihr Fest auf die ganze Kirche ausdehnte, ist es geziemend, ihr Leben und Wirken näher kennenzulernen.

 

Die beiden Glaubensboten stammen aus einer reichen, hochangesehenen griechischen Familie zu Thessalonich (heute Saloniki) in Mazedonien. Methodius, der ältere, wurde im Jahr 827 geboren. Cyrillus, der ursprünglich Konstantin hieß, wahrscheinlich ein Jahr später. Die Studien begannen sie in ihrer Vaterstadt, die damals wegen ihres religiösen Sinnes, ihrer Kunstliebe und Pflege der Wissenschaft berühmt war. Frühzeitig begaben sie sich nach Konstantinopel, um sich den höheren Wissenschaften zu widmen. In kurzer Zeit machten sie große Fortschritte, besonders Cyrillus, dem sein außerordentliches Talent und seine Gelehrsamkeit den ehrenvollen Beinamen „der Philosoph“ erwarben. Er wurde Priester und erhielt das Amt eines Vorstehers der Bibliothek und Kanzlei des Patriarchen; später war er Lehrer der Philosophie und Theologie, bis er auf Betreiben des Patriarchen Ignatius von der Kaiserin Theodora um das Jahr 848 als Missionar zu den heidnischen Kazaren im südlichen Russland gesandt wurde. Er hatte dort große Erfolge. Während dieses Aufenthaltes fand er den Leib des heiligen Klemens, des Schülers und vierten Nachfolgers des Apostelfürsten Petrus. Klemens war dort im Jahr 101 in der Verbannung gestorben. Fortan behielt Cyrill diese Reliquie als kostbaren Schatz bei sich, bis es ihm gelang, sie nach Rom zu bringen. Nachdem er bei den Kazaren alles geordnet hatte, kehrte er nach Konstantinopel zurück und trat ein in die stille Zelle des Klosters Polychron am Berg Olympos, wo er seinen Bruder Methodius als Laienbruder traf. Dieser war zuerst Statthalter über verschiedene slawische Stämme gewesen, hatte aber dann den Staatsdienst aufgegeben und sich in das genannte Kloster zurückgezogen.

 

Inzwischen war das Gerücht über die Erfolge des Cyrillus bei den Kazaren bis an den Hof des mährischen Fürsten Rastislaw (846 bis 870) gedrungen. Sein Reich erstreckte sich weit über den Umfang des heute noch bekannten Mähren hinaus bis an die Donau und jenseits derselben. Er wünschte Missionare und wandte sich durch eine Gesandtschaft an den griechischen Kaiser Michael. Die beiden durch Kenntnisse und Tugenden ausgezeichneten Brüder Cyrillus und Methodius wurden nun zu dieser Mission bestimmt und in Mähren mit großer Freude aufgenommen. Da sie der slawischen Sprache mächtig waren, gelang es ihnen, viele zum Christentum zu bekehren. Cyrillus übersetzte auch die Heilige Schrift und die liturgischen Bücher und erfand dazu eine eigene Schrift. So wurde er Begründer der slawischen Literatur. Der gewöhnliche Sitz der Glaubensboten war wohl Welehrad, aus dessen Trümmern später Ungarisch-Hradisch entstanden ist. Auch weihte Cyrill sogleich die Kirche Sankt Peter in Ölmütz. Eifrig durchwanderten sie das ganze weite Reich, verkündeten überall die Frohe Botschaft des Evangeliums, unterrichteten das Volk, bekämpften die Laster und schritten gegen die abergläubischen, altheidnischen Gebräuche ein. Der Fürst selbst empfing die heilige Taufe, und das Christentum gelangte vollständig zum Sieg.

 

Als das Gerücht dieser Fortschritte nach Rom drang, lud Papst Nikolaus I. die seeleneifrigen Brüder zu sich ein. Gerne folgten sie diesem Ruf und nahmen die ihnen so teuren Reliquien des heiligen Klemens mit. Papst Hadrian II., der dem inzwischen gestorbenen Nikolaus gefolgt war, zog ihnen mit Klerus und Volk entgegen und nahm sie mit großen Ehrenbezeigungen auf. Nachdem die beiden Brüder über ihre Tätigkeit berichtet und geschworen hatten, dass sie im Glauben des heiligen Petrus und seiner Nachfolger beharrten, wurden sie von Hadrian zu Bischöfen geweiht (868).

 

Doch es war der Ratschluss der göttlichen Vorsehung, dass Cyrillus die Laufbahn seines Lebens in Rom beschließen sollte, mehr an Tugend als Alter reif. Er fühlte seine Kräfte schwinden und um sich echt christlich auf den Heimgang vorzubereiten, zog er sich wieder in die heilige Einsamkeit der Klosterzelle zurück, aus der ihn das Heidenapostolat herausgeführt hatte. Bei dieser Gelegenheit nahm er den Namen Cyrill an Stelle des bisherigen, Konstantin, an. Am 14. Februar des Jahres 869 verschied er selig im Herrn. Methodius wollte die Leiche auf den Berg Olymp heimführen, doch ließ er sich durch die inständigen Bitten der Römer bewegen, davon abzusehen. In der Ewigen Stadt, die er so liebte, an der Seite des Papstes, dessen Überreste er aus Cherson herbeigebracht hatte, sollte auch Cyrillus beigesetzt werden. In einem marmornen Sarg, unter Gesang von Hymnen und Psalmen, unter allgemeiner Beteiligung aller Klassen der Bevölkerung, wurde sein Leichnam zuerst in die Vatikanische Basilika von St. Peter und dann in die des heiligen Klemens gebracht. Das war kein Trauerzug. Dank gegenüber Gott war auf allen Gesichtern zu lesen. Ein Heiliger war gestorben. Die Verehrung Cyrills war seitdem mit der des Papstes Klemens unzertrennlich verknüpft. Im Jahr 1084 wurden beide Gräber unter den Ruinen der Basilika durch Robert Guiscard, dem Normannenherzog verschüttet, im Jahr 1863 aber wieder gefunden. Ein herrliches Gemälde in der Sankt-Klemens-Kirche erinnert heute noch an die heiligen Slawenapostel.

 

Methodius kehrte als Bischof nach Mähren und Pannonien zurück und setzte in diesen weiten Ländern sowie in den angrenzenden, Polen, Böhmen und Moskowien (Russland), Slawonien mit allem Eifer sein Apostolat fort. Er hatte vom Papst die erzbischöfliche Würde erhalten sowie den Titel und die Gewalt eines päpstlichen Legaten. Nach den Hauptländern seines Wirkungskreises wurde er ebensowohl Erzbischof des mährischen Reiches als Erzbischof von Pannonien genannt.

 

Der alte Feind alles Guten versuchte das so erfolgreiche Wirken des Heiligen zu verhindern, indem er Schwierigkeiten erweckte, wo man es am wenigsten erwarten sollte. Er nahm das Herz des Königs und einiger Bischöfe gegen Methodius ein, die sich in ihren Rechten beeinträchtigt glaubten. Eine Synode zu Regensburg verurteilte ihn und setzte ihn fast drei Jahre in Haft. Doch Papst Johann VIII. nahm sich des Bedrängten an und gab ihm seine Rechte zurück.

 

Als später wieder neue Klagen gegen Methodius erhoben wurden, kam er auf Wunsch des Papstes nach Rom, rechtfertigte sich und seine Predigt. In Friede und Liebe schied er vom Papst und setzte ungebrochenen Mutes seine apostolischen Arbeiten fort.

 

Am letzten Fest der Apostelfürsten, das er erlebte, weihte er die Kirche der Heiligen Petrus und Paulus zu Brünn. Am 6. April 885 schloss er, im 25. Jahr seines Amtes, sein tatenreiches Leben. Er wurde in seiner Haupt- oder Kathedralkirche, also in Welehrad, begraben; leider weiß man jetzt nicht mehr die genaue Stelle des Grabes.

 

Methodius und sein Bruder Cyrillus haben unter allen Missionaren am eifrigsten und mit dem größten Erfolg für die Ausbreitung und Befestigung des Christentums unter den Slawen gearbeitet. Sie sind das leuchtende Doppelgestirn, die wahren Väter und Hirten, die größten Wohltäter und Apostel der slawischen Völker. Mit dem Christentum dieser ist ihr Name für immer untrennbar verbunden. Sie schufen denselben auch die Schriftsprache und führten sie in die Reihe der gebildeten Nationen. Sind sie so mit Recht der Stolz der slawischen Welt, so sind sie vor allem der Ruhm der katholischen, der römischen Kirche. Von Rom haben sie ihre Sendung erhalten; nach Rom sind sie geeilt, um mit der Gewalt des Hirtenamtes bekleidet zu werden; in Rom wollte Cyrill bleiben, um an dieser heiligen Stätte seine Tage zu beschließen und seine letzte Ruhe zu finden. Rom prüfte das Bekenntnis ihres Glaubens und ihrer Predigt. In Rom suchte Method Trost und Ermunterung und Kraft gegen alle seine Feinde. Rom befreite ihn aus dem Kerker, schützte ihn mit der Macht seiner geistigen Waffen, übertrug und bestätigte ihm seine erzbischöfliche Würde und die eines päpstlichen Legaten. Rom hat ihr Fest in den allgemeinen Kirchenkalender eingetragen, und kein Geringerer als Papst Leo XIII. selbst hat bei diesem Anlass den Huldigungen und Gebeten der ganzen Kirche in den beiden Festhymnen würdigen Ausdruck gegeben:

 

„Besinget, Gläubige, der Kämpfer Brüderpaar, die der Himmel aufnahm in seine leuchtenden Sitze; besinget der slawischen Nation doppelte Stütze und Zierde.

 

Diese Brüder hat eine Liebe verbunden und der gleiche Seeleneifer hat sie der Wüste entführt, dass sie schleunig vielen des glückseligen Lebens Unterpfänder brächten.

 

Mit dem Licht, welches in des Himmels Räumen erstrahlt, haben sie die Regionen der Bulgaren, Mähren und Böhmen erfüllt; und die wilden Horden führten sie in zahlreichen Scharen zu Petrus hin.

 

Ihr traget die Krone, die euren Verdiensten gebührt, o lasst nicht ab, zu der Flehenden Tränen euch herabzuneigen; denn ihr müsset den Slawen die Gaben schützen, die ihr ihnen vor Zeiten gegeben.

 

Du jener edle Erdstrich, der zu euch ruft, möge die Reinheit des ewigen Glaubens bewahren; und das Heil, welches Rom zuerst gab, wird es immer geben.“