Der heilige Constantius, Bischof und Martyrer von Perugia, Italien, + 161-180 – Fest: 29. Januar

 

Im Anfang des 2. Jahrhunderts lebte zu Perugia in Hetrurien eine adelige Familie, die sich durch hohe Geburt sowohl als Reichtum, noch mehr aber durch Frömmigkeit vor allen übrigen auszeichnete. Constantius war der einzige Sohn dieser gottseligen Eltern, für dessen fromme Erziehung und wissenschaftliche Bildung sie ihre größte Sorgfalt verwendeten und schließlich gottselig starben. Mit Furcht betrachtete der verwaiste Sohn die ihm hinterlassenen Reichtümer und genoss nicht eher den Seelenfrieden, als bis er sie als Hindernisse, zur christlichen Vollkommenheit zu gelangen, unter die Armen verteilt hatte. Dann widmete er sich dem Dienst Gottes mit reinem Herzen, empfing die heiligen Weihen und wurde im dreißigsten Jahr seines Lebens wegen seiner hohen Tugenden zum Bischof von Perugia gewählt. Er erhielt und bekräftigte seine Christen in der heiligen Religion nicht bloß durch seine Predigten und Ermahnungen, sondern vorzüglich durch das Beispiel seines frommen, gottseligen Lebens. Beinahe alle Heiden seines Sprengels hatte er zur Anbetung des wahren Gottes geführt und seine Wohnung war die Zuflucht der Armen und Trostlosen. Gott verherrlichte ihn mit der Gabe der Wunder und der Ruf seiner Heiligkeit verbreitete sich in den entferntesten Gegenden und von allen Seiten strömten Menschen herbei, um entweder seinen Rat in ihren Anliegen oder seine Hilfe in ihren Bedrängnissen zu erflehen. Unter den vielen Unglücklichen, die der heilige Oberhirt durch sein Gebet von Krankheiten befreite, befand sich auch eine Frau, Attasia mit Namen, die schon mehrere Jahre blind war. Vertrauensvoll warf sie sich dem Diener Gottes zu Füßen und sprach: „Erbarme dich meiner; denn weder die Kunst der Ärzte, noch die Opfer, die ich den Göttern brachte, heilten mich von meiner Blindheit!“ Constantius erwiderte ihr: „Frau, da du die Nichtigkeit der heidnischen Götter einsiehst, glaubst du an Jesus Christus, den Heiland und Erlöser?“ Unter vielen Tränen antwortete die Unglückliche: „Ja, ich glaube an den wahren Gott.“ Der Heilige bezeichnete sie nun mit dem heiligen Kreuz und zum Staunen aller Anwesenden öffneten sich ihre Augen und wurde nebst einhundertfünfzig Heiden auf der Stelle getauft.

 

Damals verfolgte der Kaiser Marcus Aurelius die Christen heftig und weil er von den Wundertaten und vielen Bekehrungen des Bischofs in Perugia gehört hatte, sendete er den Lucius, einen eifrigen Götzendiener, als Richter mit dem Auftrag dahin, alle Christen, die sich weigern würden, den Göttern zu opfern, hinrichten zu lassen. Sogleich wurde Constantius vor Gericht geschleppt, und da er nicht zum Abfall gebracht werden konnte, grausam geschlagen und dann in das Gefängnis geführt. Da bekehrte und taufte er in der ersten Nacht die Kerkerwache, die aus fünfzig Soldaten bestand, die in ihn drangen, mit ihnen zu entfliehen und sie in der christlichen Lehre zu unterrichten. Nachdem er sie im Glauben gestärkt hatte, wurde er erneut von den Heiden ergriffen, zu den fürchterlichsten Qualen verurteilt und schließlich enthauptet am 29. Januar im Jahr 175.