Der heilige Claudius, Erzbischof und Bekenner von Besancon, Frankreich, + 6.6.696 - Fest: 6. Juni

 

Der heilige Claudius wurde in Salins im heutigen Frankreich im Jahr 603 geboren. Er zeichnete sich schon in der Schule durch seine Fortschritte in den Wissenschaften und später als Soldat durch sein sittliches Verhalten aus. Fromm waren seine Reden und Gespräche, die er führte, und fromm die Bücher, die er las. Besonders gerne las er die Beschreibungen der Heiligenleben. Er wurde dann Chorherr an der Domkirche zu Besancon und führte auch als Domherr das strenge Leben eines Mönches. Er war das Muster und Orakel aller Priester weit umher. Im Jahr 685 wurde er, schon 83 Jahre alt, zum Bischof gewählt. Die Furcht vor den schweren Pflichten des Oberhirtenamtes bewog ihn, die Flucht zu ergreifen und sich zu verbergen. Aber man entdeckte ihn und ein Befehl des Papstes nötigte ihn, das hohe Amt, das für seine Demut so fürchterlich war, zu übernehmen. Er verwaltete sein Bistum mit dem Eifer eines Apostels, aber nach sieben Jahren gelang es ihm, die hohe Würde niederzulegen. Er zog sich nun in das Kloster des heiligen Eugendus im Jura zurück und zog das Ordenskleid an. Bald musste er auch hier das Amt des Abtes auf sich nehmen. Wegen seines Eifers für die evangelische Vollkommenheit wurde er mit dem heiligen Antonius dem Großen verglichen, dem Vater der Einsiedler, und seine Mönche wurden mit den Einsiedlern Ägyptens verglichen, weil sie, wie diese, mit der Handarbeit das Stillschweigen, das Gebet, die geistliche Lesung, strenges Fasten, vieles Nachtwachen und alle Tugenden verbanden. Vier Tage vor seinem Tod überfiel ihn eine leichte Krankheit. Er aber erkannte, dass er daran sterben werde, und bereitete sich um so eifriger auf den Tod vor. Am letzten Tag ging er noch in die Kirche, um die heiligen Sakramente zu empfangen, kehrte dann in seine Zelle zurück und starb im Sitzen, die Augen und Hände zum Himmel erhoben im Jahr 696. Sein Leib wurde in der Kirche seines Klosters begraben. Man fand ihn noch im Jahr 1243 und legte ihn in einen silbernen Sarg, wo er ohne das Zeichen der mindesten Verwesung jetzt noch gesehen wird.

 

Früh fing dieser Heilige an, sich Gott und allen geistlichen Übungen hinzugeben, und nahm bis in das höchste Alter von 93 Jahren immer noch mehr zu. Darum gelangte er auch zu so großer Heiligkeit. Wer im Guten nicht zunimmt, der nimmt ab. Wer im Wechsel bald zu-, bald abnimmt, der wird das Ziel nur schwer oder gar nie erreichen. Wenn wir nicht wachen und den Eifer nicht immer in Glut zu erhalten versuchen, können wir an Frömmigkeit in kurzer Zeit wieder verlieren, was wir in langer Zeit errungen haben. Lasst uns also wohl zu Herzen fassen, was der Apostel sagt: „Seid standhaft und unbeweglich; seid voll des Eifers im Werk des Herrn allezeit, da ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist.“ 1 Kor 15,58. „Nicht wer angefangen, sondern wer bis zum Ende wird ausgeharrt haben, der wird selig werden.“ Hl. Bernhard.

 

Bewahre mich davor, o Gott, dass ich mir jemals einbilde, dass ich das Ziel schon erreicht habe und dass ich schon vollkommen bin. Lass mich vielmehr einsehen, wie ich noch voll Sünden bin und noch gar wenig Gutes an mir habe. Darum hilf, o Vater, dass ich vergesse, was hinter mir ist, und dass ich mich nach dem ausstrecke, was vor mir ist; dass ich dem vorgestreckten Ziel der Tugend zueile und den Preis des ewigen Lebens erlange. Ich bitte dich darum durch Jesus Christus unseren Herrn. Amen.