Der heilige Chrodegang, Bischof und Bekenner von Metz, + 6.3.766 – Fest: 6. März

 

Einer der verdientesten und ausgezeichnetsten Männer seiner Zeit war der heilige Chrodegang. Er war um das Jahr 712 im Haspengau im Bistum Lüttich aus einem der vornehmsten fränkischen Familien geboren und im königlichen Palast erzogen. Zu St. Trond in der Abtei des heiligen Trudo ausgebildet, stand er im Ruf höchster Gelehrsamkeit und Frömmigkeit. Er erwarb sich so sehr das unbegrenzte Vertrauen des allgewaltigen Frankenherzogs Karl Martell, dass er ihn zum Reichskanzler und im Jahr 737 zum ersten Minister erhob. Obgleich er am Hof zu leben genötigt war, führte er dennoch ein strenges, von jeder weltlichen Genusssucht weit entferntes Leben. Er wurde, während er sich nur das Unentbehrlichste gestattete, der Wohltäter jedes Hilfsbedürftigen und ein Vater der Armen. Nach der Schilderung seines Biographen war er „ein in jeder Hinsicht hervorragender Mann, von schöner Gestalt, beredsam, der vaterländischen wie der lateinischen Sprache gleich mächtig, ein Förderer des Klosterlebens, ein Tröster und Beschützer der Witwen und Waisen.“

 

Nach dem Tod Karl Martells wurde Chrodegang am 1. Oktober 742 zum Bischof von Metz erwählt, doch musste er Pipin dem Kurzen das Versprechen geben, dass er seine Dienste als Staatsminister fortführe. Der heilige Mann wusste beide Würden miteinander aufs Beste zu vereinigen und blieb in seiner doppelt hohen Stellung ein Beispiel der Demut, der Einfachheit und Gottesfurcht, ein ebenso treuer Diener der Kirche wie des Staates. Als Pipin den Königsthron der Franken bestiegen hatte, sandte er Chrodegang an Papst Stephan III., der von den Langobarden schwer bedrängt wurde, um ihn einzuladen, in Frankreich so lange eine Zufluchtsstätte zu nehmen, bis er den Übermut der Langobarden gebeugt hätte. Glücklich geleitete Chrodegang den Heiligen Vater über die Alpen nach der Champagne, wo ihn Pipin mit seiner ganzen Familie und den Großen des Reiches ehrfurchtsvoll empfing und ihm das Kloster St. Denis bis zum glücklichen Ausgang seiner Angelegenheit zur Verfügung stellte. Pipin, den der Papst zum König salbte, sandte im Jahr 753 den Bischof Chrodegang zum Langobardenkönig Aistulph, um ihn zu beschwören, seine Feindseligkeiten gegen Rom einzustellen und dem Heiligen Stuhl die ihm entrissenen Besitzungen zurückzugeben. Chrodegang entledigte sich seines Auftrages mit der vollen Kraft seiner Beredsamkeit, doch vermochte er nichts gegen den unbeugsamen Aistulph. Da ließ Pipin den wortbrüchigen Langobarden die volle Schwere seines sieggewohnten Armes fühlen, zwang ihn zur Herausgabe seines Raubes und gab dem Heiligen Vater sein rechtmäßiges Besitztum zurück.

 

Während der umsichtige Bischof und Kanzler Chrodegang für das Wohl der Kirche und des Staates mit gleichem Eifer sorgte, lag ihm besonders die Herstellung einer strengen Kirchenzucht am Herzen, und nichts schien ihm geeigneter, die Wissenschaft und Frömmigkeit unter der Geistlichkeit zu fördern, als das gemeinschaftliche Leben. Nach dem Beispiel der heiligen Bischöfe Eusebius Vercelli und Augustinus von Hippo versammelte Chrodegang die Geistlichkeit von Metz um seine bischöfliche Kirche zu einem gemeinschaftlichen, kanonischen Leben, errichtete geräumige Gebäude in der Nähe der Kathedralkirche, in denen die Geistlichen, Kanoniker genannt, unter der unmittelbaren Aufsicht des Bischofs gemeinschaftlich ihr Brevier beteten, gemeinschaftlich aßen und wohnten und sich mit Wissenschaften beschäftigten. So verwandelte er das Kapitel seiner Kathedrale in eine religiöse Genossenschaft, für die er eine eigene, aus 34 Kapiteln bestehende Regel schrieb, deren erstes die Demut als die Grundfeste aller übrigen Tugenden empfiehlt. Chrodegang ist demnach der Wiederhersteller des kanonischen Lebens in der katholischen Kirche, und nach seinem Beispiel gründeten die Bischöfe Deutschlands, Frankreichs und Englands an ihren Kathedralen ähnliche Kanonikate. Die Regel Chrodegangs, die sich durch Einfalt, Frömmigkeit und strenge Ordnung empfiehlt, übte einen höchst segensreichen Einfluss auf das kirchliche Leben.

 

Auch um die würdige Feier des Gottesdienstes erwarb sich Chrodegang hohe Verdienste. Mit bedeutenden Kosten verschönerte er die Kirchen St. Stephan und St. Peter zu Metz, ließ die abgebrannte Kirche zu Verdun wiedererbauen, gründete das Kloster St. Peter an der Mosel und das zu Gorze in Lothringen und besetzte beide mit Benediktiner-Mönchen, errichtete das berühmte Stift Lorsch im Bistum Worms und gab ihm seinen Bruder Gundeland zum Abt. Von Papst Paul I. erhielt er drei heilige Leiber zum Geschenk. Die Reliquien des heiligen Märtyrers Nazarius übertrug Chrodegang nach Lorsch, die des heiligen Gorgonius und Nabor verehrte er den beiden anderen Klöstern St. Peter und Gorze. Alle seine Stiftungen versah der umsichtige und wohltätige Oberhirt mit reichlichen Gütern.

 

Um ihn für seine großen Verdienste zu belohnen, übersandte ihm Papst Stephan III. das Pallium und übertrug ihm das Recht, sämtliche Bischöfe in ganz Frankreich weihen zu dürfen.

 

Nachdem der heilige Bischof Chrodegang 23 Jahre dem Bistum Metz vorgestanden, für die wissenschaftliche und sittliche Bildung der Geistlichen, für die Feier des Gottesdienstes durch Einführung des römischen Kirchengesanges und für das religiöse Leben unsterbliche Verdienste gewonnen, ging er zur wohlverdienten Ruhe ein am 6. März 766. Sein Leib wurde seinem Willen gemäß im Kloster Gorze bestattet.