Der heilige Papst Cölestin V., + 19.5.1296 - Fest: 19. Mai

 

Das Leben schlägt manchmal Purzelbäume. Richtig bunt geht es manchmal zu.

 

Da lebte einmal im 13. Jahrhundert irgendwo in Italien ein armer Bauernjunge, dessen einzige Sehnsucht es war, Priester zu werden. Viel hat er darum gebetet, und sein Gebet fand auch insofern Erhörung, dass er unter großen Opfern der Familie studieren konnte. Selten mag es wohl einen fleißigeren Studenten gegeben haben als diesen Jungen, der Peter hieß. Tag und Nacht lernte er, und so konnte es nicht ausbleiben, dass seine Nerven unter dem Übermaß an Arbeit litten. Peter benahm sich also unvernünftig, und die Folgen blieben nicht aus. Denn als er beinahe ausstudiert hatte, verlor er die Gewalt über die Nerven, schreckte vor der Verantwortung, die mit dem Priestertum verbunden ist, zurück, verließ die Welt und wurde Einsiedler.

 

Man muss es allerdings als ein Glück bezeichnen, dass Peter in die Einsamkeit ging, denn in der freien Natur kamen die Nerven zur Ruhe. Bald sah er wieder klarer und ließ sich auch die heilige Priesterweihe erteilen. Er blieb aber nicht in der Welt, sondern kehrte in die Einöde zurück, um als Einsiedler Gott zu dienen und den Mitmenschen zu helfen, die in wachsender Zahl Trost, Rat und Hilfe bei ihm suchten. Allmählich geriet Peter in den Ruf, dass er ein heiliger Mann sei. Und so kam es, dass sich ihm Gleichgesinnte anschlossen, um bei ihm die Heiligkeit zu erlernen. Damit war der Grundstock zu einem neuen Orden gelegt.

 

Die Zeit verging. Jahr reihte sich an Jahr. Peter wurde älter und älter. Mit Freude und Sehnsucht dachte er an den Tod, der nicht mehr in weiter Ferne war, denn schon lagen achtzig Jahre hinter ihm.

 

Da geschah etwas Merkwürdiges. Eines Tages näherte sich Peters weltferner Klause auf dem Berg Morrone ein festlicher Zug. Zwei Könige ritten feierlich voran. Kardinäle und Bischöfe, Fürsten und Ritter und eine unübersehbare Menge Menschen strömten hinterher. Der Einsiedler glaubte zu träumen, er bekam es mit der Angst zu tun und rannte in den tiefsten Wald hinein. Die Leute liefen aber hinter ihm her und fingen ihn ein. Da stand nun der weltfremde alte Mann vor den hohen Herren. Plötzlich traten die Könige, die Kardinäle, Bischöfe, Fürsten und Ritter vor ihn hin, verbeugten sich tief und machten ihm die Mitteilung, dass er zum Papst gewählt worden war.

 

Der alte Mann war fassungslos, aber nicht etwa aus Freude, sondern aus Verwirrung, denn wie konnte er, der nur die kleine Welt seiner Einsamkeit kannte, die weltweite Kirche leiten. Das konnte nicht gut gehen, und es ging auch nicht gut. Zwar wurde Peter trotz seines Sträubens zum Bischof geweiht und unter dem Namen Cölestin V. zum Papst gekrönt, hielt aber seinen Einzug in Rom allen Vorstellungen zum Trotz auf einem Esel. Bald leuchtete es allein Einsichtigen ein, was er selbst von Anfang an wusste, dass er nämlich als achtzigjähriger Mann, der die Welt nicht kannte, der großen Aufgabe des päpstlichen Amtes nicht gewachsen war. Aus dem glücklichen Einsiedler entwickelte sich ein unglücklicher Papst, der sich, von Heimweh verzehrt, aus dem Glanz, der ihn umgab, nach der armen Klause auf dem stillen Berg Morrone zurücksehnte.

 

Nach fünf Monaten rief Papst Cölestin alle Kardinäle zusammen, setzte sich, mit der dreifachen Krone geschmückt, in vollem päpstlichen Ornat vor ihnen auf den Thron und las ein Schriftstück ab, das er selbst geschrieben und unterschrieben hatte. In dem Schriftstück stand, dass Papst Cölestin abdanke. Kaum hatte der Papst die Lesung beendet, da erhob er sich, schritt die Stufen des Thrones hinab, nahm die dreifache Krone vom Haupt, entkleidete sich der päpstlichen Gewänder, stand da plötzlich vor den Kardinälen im alten zerrissenen Einsiedlergewand und lachte laut vor seliger Freude. Achtzehn Monate später, am 19. Mai 1296, starb der Heilige.

 

Es geht also manchmal kunterbunt zu. Aber alle Purzelbäume, die das Leben schlägt, haben nichts zu bedeuten, wenn man wie Papst Cölestin mit dem letzten Purzelschlag im Himmel landet.