Die heilige Cäcilia, Jungfrau und Martyrin von Rom, + 16.9.229 - Fest: 22. November

 

Die heutige Gedächtnisfeier der heiligen Jungfrau und Martyrin Cäcilia kündet bereits vor dem Beginn der Adventszeit das nahende Weihnachtsfest an. Um die Krippe dessen, der aus dem jungfräulichen Schoß der reinsten Mutter Maria geboren wurde, blühen vor und nach Weihnachten, von November bis Februar, schön wie Rosen und Lilien, die altchristlichen Jungfrauen und Martyrinnen Cäcilia, Katharina, Barbara, Luzia, Anastasia, Agnes und Agatha. Kinder waren sie noch, als sie, rein und unberührt, im Martertod dahinwelkten, um für immer im Gedächtnis der Menschen, rosenrot und lilienweiß, an der Wiege des Königs der reinen Seelen weiterzublühen. Die heilige Cäcilia ist in dem jungfräulichen Blütenkranz jugendlicher Blutzeuginnen die erste.

 

In einer altadeligen Familie wurde Cäcilie etwa um das Jahr 150 zu Rom geboren. Früh empfing sie, vielleicht durch eine christliche Magd bekehrt, die heilige Taufe. Die heidnischen Eltern waren einsichtig genug, die Tochter wegen des Glaubens nicht zu belästigen. Ihr Verhalten änderte sich aber, als eines Tages, angezogen durch die Anmut des Mädchens, ein heidnischer junger Mann von hoher Geburt, Valerian mit Namen, um Cäcilias Hand anhielt. Die Eltern, die sich durch den Antrag des vornehmen Bewerbers geehrt fühlten, sagten zu, und weil nach dem damaligen Brauch die Kinder nicht gefragt wurden, ob und wen sie heiraten wollten, musste sich Cäcilia der elterlichen Entscheidung fügen, obwohl sie sich längst im heiligen Gelöbnis der jungfräulichen Keuschheit dem reinsten und schönsten Bräutigam, Jesus Christus, verlobt hatte, dem allein ihre zarte und innige Mädchenliebe gehörte.

 

Überaus feierlich wurde unter Flöten- und Harfenklang Cäcilias Hochzeit mit Valerian begangen. Fröhliche Gäste füllten das Haus, das in Blumen schwamm. Von allen Blumen die schönste war Cäcilia im weißen seidenen Kleid, im hauchzarten Schleier und grünem Myrthenkränzlein. Mit Edelsteinen war das Brautgewand wie übersät, und am Hals trug Cäcilia eine Perlenkette, von denen jede ein Vermögen darstellte, und noch kostbarere Perlen hingen an ihren Wimpern, Tränen, die Cäcilia weinte, weil der Bräutigam Valerian, wie edel und männlich schön er auch war, bei weitem nicht an den edelsten und schönsten Bräutigam Jesus Christus heranreichte.

 

Der Tag verging. Das Fest verrauschte. Es wurde Abend, und nur die Musik spielte noch innig und zart, als Cäcilia und Valerian das Brautgemach betraten. Der Bräutigam strömte über von Glück, denn Roms schönste Frau war sein eigen geworden. Mit seligem Blick näherte er sich der Gattin, um sie liebend zu umfangen. Doch Cäcilia wich zurück und gestand dem Gemahl, dass sie längst einem anderen verlobt war. Deshalb dürfe er sie nicht anrühren. Ein Engel stehe neben ihr, der sie vor ihm schütze. Da stutzte Valerian. Zorn stieg in ihm auf. Er fühlte sich betrogen, und mit barschem Ton verlangte er, den Engel zu sehen. „Du wirst ihn sehen“, entgegnete Cäcilia, „sobald du ein Christ bist. Geh vor die Stadt zu den Katakomben! Bestelle den Leuten dort einen Gruß von mir! Man wird dich zu Papst Urban führen, der dich unterrichtet und tauft, und wenn du getauft bist, komm heim, und du wirst den Engel sehen, der neben mir steht.“

 

So sprach Cäcilia, und Valerian, den es drängte, das Geheimnis zu lüften, das ihn umgab, tat, wie ihm geraten war. Während die Gattin betete, ging der Gatte zu Papst Urban und wurde getauft, und als er im weißen Taufgewand zurückkam, sah er neben der betenden Gattin den Engel stehen, dessen Kleid weiß wie Schnee war und dessen Angesicht leuchtete wie der Blitz. Zwei duftende Kränze trug der Engel in den Händen, einen Kranz von Lilien und einen von Rosen. Den Lilienkranz reichte er der Braut und den Rosenkranz dem Bräutigam und sagte dabei, beide sollten ihren Kranz mit reinem Herzen und in keuscher Liebe bewahren. Dann schied Gottes Bote, und Cäcilia und Valerian feierten eine Brautnacht, wie sie reiner und schöner selten gefeiert wird, denn nun glühten ihre Herzen in der einen gleichen Liebe zum göttlichen Heiland, und in der Heilandsliebe liebten sie sich herzlich und innig. Nie sind junge Eheleute so glücklich gewesen, wie Cäcilia und Valerian es in ihrer Brautnacht waren.

 

Doch nicht lange sollte das irdische Glück der beiden heiligen Seelen dauern. Bald brach eine Christenverfolgung aus, und Valerian wurde mit seinem Bruder Tiburtius, den er mittlerweile bekehrt hatte, um des Glaubens willen hingerichtet. Einige Zeit später erwarb auch Cäcilia die Siegespalme der Blutzeugen. Erst sollte sie im heißen Dampf eines Badezimmers erstickt werden. Als ihr die Marter aber nichts antat, wurde sie zum Tod durch Enthauptung verurteilt. Der Scharfrichter traf schlecht. Drei Schläge führte er aus, und Cäcilia lebte immer noch. Da ließ man sie liegen, und erst nach drei schmerzvollen Tagen gab sie den Geist auf. Was mag es wohl ein Fest im Himmel gewesen sein, als sie sich, mit dem Gatten Valerian wieder vereinigt, beim Heiland einfand, und dieses Fest dauert heute noch an bis in alle Ewigkeit.

 

Schön wie ein Lied ist die Legende der heiligen Cäcilia, und weil in der schönen Legende viel von Musik die Rede ist, wurde Sankt Cäcilia die Patronin der Sänger und Musiker. Als solche sollen wir sie ehren, wobei wir nicht vergessen wollen, dass das schönste Lied, das der Mensch zum Lobe Gottes singen kann, in einem reinen Leben besteht, wie die heilige Cäcilia es vorgelebt und vorgesungen hat.