Der heilige Bruno Hartefaust von Köln, Priester, Ordensstifter, + 6.10.1101 – Fest: 6. Oktober

 

Kraft und Zähigkeit im ritterlichen Kampf gegen die Feinde des Heils, Treue und Frömmigkeit, hoher Sinn und himmlisches Streben nach den erhabensten Zielen zeichnen einen Mann aus, der die Welt und die schnöde Lust verachtete und dennoch von der Welt zu allen Zeiten wird bewundert werden, der der Ärmste und Niedrigste sein wollte und die höchsten Ehren und den reichsten Gewinn davongetragen hat. Wer bewundert nicht den heiligen Bruno, den Stifter des Kartäuserordens? Von Deutschland aus strahlte seine Heiligkeit und sein gesegnetes Wirken nach Frankreich und Italien hinüber, und noch heute lebt sein Geist und sein himmlisches Streben in seinem Orden fort.

 

Bruno, entsprossen aus der altadeligen Familie, von der harten Faust“, erblickte das Licht der Welt um das Jahr 1035 zu Köln am Rhein. Schon als Kind zeigte er männlichen Ernst und verschmähte Spiel und Kurzweil. Unter den besorgten Augen seiner frommen Eltern und der tüchtigen Lehrer an der St. Kunibertsschule entfalteten sich die bedeutenden Geistesanlagen Brunos so herrlich, dass ihm seine Zeitgenossen die Ehrennamen: „Dichter, Philosoph und Theologe“ beilegten und dass sich der Ruhm seines Wissens und seiner Klugheit in allen Ländern Europas verbreitete. Wegen seiner Wissenschaften und Tugenden ernannte ihn der heilige Bischof Hanno von Köln zum Kanonikus seiner Domkirche. Nach dem Tod Hannos begab sich Bruno zu seiner weiteren Ausbildung an die berühmte Schule zu Rheims und überragte bald alle seine Studiengenossen derart an Wissen, Frömmigkeit und Bescheidenheit, dass ihn der Erzbischof Gervasius zum Domherrn von Rheims ernannte und ihm die oberste Leitung sämtlicher Bildungsanstalten übertrug. Mit hoher Weisheit, glühender Beredsamkeit und heiligem Eifer entzündete er die Herzen seiner Zuhörer und diese trugen seinen Geist in ihre Wirkungskreise hinüber. Man nannte ihn „eine Leuchte der Kirche, einen Lehrer der Lehrer, die Zierde seiner Zeit, das Muster aller Rechtschaffenen.“

 

Nach dem Tod des Erzbischofs Gervasius, der Bruno die Kanzlerwürde anvertraut hatte, wusste sich ein Unberufener durch Ränke und Bestechungen das Oberhirtenamt von Rheims zu erschleichen. Bruno mit noch zwei anderen Domherrn führte auf einer Kirchenversammlung Klage gegen den unwürdigen Eindringling Manasses, um den Gräuel der Verwüstung von heiliger Stätte abzuwehren. Erzürnt ließ der entartete Kirchenfürst die Häuser seiner Ankläger niederreißen, ihre Einkünfte einziehen und ihre Stellen verkaufen. Bruno entging persönlichen Misshandlungen durch die Flucht.

 

Schon lange hatte Bruno das Verlangen genährt, die arglistige und eitle Welt zu verlassen und in einem verborgenen Winkel der Erde die Tage in strengen Bußübungen, in Gebet und Betrachtung zu leben. Deshalb legte er sein Amt nieder, gerade in dem Augenblick, als man ihn an Stelle des abgesetzten Manasses auf den Bischofsstuhl erheben wollte, entsagte allem, was er hatte, und begab sich mit sechs gleichgesinnten Freunden im Jahr 1084 nach Grenoble zum heiligen Bischof Hugo, um von ihm ein Plätzchen in stiller Abgeschiedenheit zu erbitten. Hugo nahm die Gottesmänner freundlich auf, denn in einem wunderbaren Gesicht sah er, wie er in einer Einöde seines Sprengels, Kartaus genannt, einen schönen Tempel baute und wie sieben zirkelrunde Sterne aus der Erde emporstiegen und ihm den Weg zum Tempel zeigten. Er führte nun die heilsbegierigen Männer in die wilde Gebirgskluft, von schroffen Felsen umragt, von Schnee und Nebel umzogen. Dort baute Bruno eine Kirche und für je zwei seiner Gefährten eine Zelle, bald aber erhielt jeder seine eigene. Nach dem Namen der Wildnis hießen die Einsiedler Kartäuser.

 

Bruno und seine Genossen führten in der Kartause ein sehr strenges Leben. Sie beobachteten das strengste Stillschweigen, trugen ein härenes Bußkleid, lagen auf harter Streu, nur mit Schaffellen bedeckt, hielten beständiges Fasten, aßen niemals Fleisch, selbst in der Krankheit nicht, dreimal in der Woche genossen sie nur Wasser und Brot, am Dienstag und Samstag gekochte Kräuter, nur am Sonntag und Donnerstag Eier und Käse. Außer an Festtagen genossen sie nur einmal am Tag ihr spärliches Mahl. In ihrer Zelle beschäftigten sie sich mit Bücherabschreiben, im Garten mit Handarbeit, Graben und dergleichen. Nur zum Chorgebet um Mitternacht und zur Vesper am Nachmittag versammelten sie sich in der Kirche. Kam ein Bruder zum Sterben, so wurde er auf geweihte Asche gelegt, und war er unter den Gebeten der Brüder gestorben, so wurden dreißig Tage lang Heilige Messen für ihn gelesen.

 

Ungeachtet der außerordentlichen Strenge des Ordens kamen von nah und fern Männer herbei und baten um Aufnahme, um für ihre Sünden zu büßen oder dem heiligen Bruno in seiner strengen Lebensweise nachzuahmen. Der heilige Bischof Hugo besuchte öfters die frommen Brüder und bediente sich Brunos als Gewissensrates.

 

Sechs Jahre lang hatte Bruno in seiner Einöde glücklich gelebt, als ihn sein ehemaliger Schüler Eudo, jetzt Papst Urban II., nach Rom berief, um sich seines weisen Rates zu bedienen. In Demut brachte der fromme Ordensmann das Opfer des Gehorsams und nahm rührenden Abschied von seiner geliebten Kartause. Einige Brüder begleiteten ihn. Der Papst nahm ihn mit größter Hochachtung auf und wies ihm eine Wohnung in seinem Palast an, allein er sehnte sich nach seiner stillen Kartause zurück, wie ein Fisch nach dem Wasser. Der Papst wählte Bruno zum Erzbischof von Reggio, aber der Heilige war zur Annahme dieser Würde nicht zu bewegen. Erst nach langem Bitten erhielt er die Erlaubnis, sich in einer Wüste Kalabriens, la Torre genannt, eine neue Kartause zu bauen und das stille Einsiedlerleben fortzusetzen. Der Graf Roger von Sizilien baute ihm eine Kirche und mehrere Zellen, denn bald schlossen sich gleichgesinnte Männer dem heiligen Ordensstifter an und wetteiferten mit den Bewohnern der ersten Kartause, die er durch häufige Briefe und liebreiche Ermahnungen in der Verachtung der Welt bestärkte. Der Heilige verfasste auch Erklärungen der Psalmen und der Briefe des heiligen Paulus, sowie eine Elegie über die Verachtung der Welt. Dem Papst blieb er ein treuer Ratgeber und auf mehreren Kirchenversammlungen bekundete er seine Weisheit und seinen Seeleneifer aufs herrlichste.

 

Dem Grafen Roger blieb seine Fürsorge und Liebe zu Bruno nicht unbelohnt. Als er nämlich Capua belagerte, um seinen ungerechterweise gefangenen Verwandten, den Fürsten Richard von Aversa, zu befreien, hatte einer seiner Anführer heimlich sich bestechen lassen, in der Schlacht zum Feind überzugehen. In der Nacht vor dem Entscheidungskampf sah der Graf im Traum den heiligen Bruno mit zerrissenen Kleidern und bitter weinend vor sich stehen, sprechend: „Steh auf, ergreife die Waffen und rette dein und deiner Soldaten Leben!“ Der Graf springt auf, ruft seine Kriegsobersten und befiehlt ihnen, unter die Waffen zu treten. Der Verräter Sergius ergreift die Flucht und der Graf dankt Gott für seine Rettung. Als er einige Zeit später den Heiligen besuchte, wies dieser den Dank auf seinen schirmenden Schutzengel ab.

 

Dem Kloster la Torre stand Bruno jahrelang mit weiser Umsicht vor und er konnte mit Genugtuung auf sein schönes Werk zurückschauen. Als ihm eine schwere Krankheit sein baldiges Sterben ankündigte, ermahnte er seine versammelten Jünger zur Liebe und Opferfreudigkeit, legte eine öffentliche Lebensbeichte ab, betete feierlich das Glaubensbekenntnis und hob besonders seinen Glauben an das heiligste Altarsakrament hervor. Am 6. Oktober 1101 vertauschte er seine arme Zelle gegen einen Himmelsthron. Als man nach 400 Jahren (1515) seine Leiche in la Torre erhob, fand man sie völlig unversehrt. Sein Geist lebt noch heute in alter Kraft und Reinheit segensreich im Kartäuserorden fort.